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Verlorenes Vertrauen Vodafone steckt in der Image-Krise

Der Rücktritt des Deutschland-Chefs Jens Schulte-Bockum offenbart die Probleme bei Vodafone. Der Angriff des Mobilfunkers auf Marktführer Telekom dauert länger als ursprünglich gedacht.

Vodafone Deutschland-Chef Jens-Schulte-Bockum ist zurückgetreten Quelle: dpa/Montage

Was macht ein Top-Manager, der gerade seinen Rücktritt erklärt hat und eine Stunde später die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres präsentiert?

Vodafones Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum tat am Dienstag dieser Woche im 18. Stock der Düsseldorfer Vodafone-Zentrale so, als sei alles in bester Ordnung. Entspannt und selbstbewusst präsentierte er sein Zahlenwerk. Beim Umsatz sei die Trendwende geschafft, die Kundenzahl wachse, das Breitbandgeschäft boome, alle mit der britischen Konzernmutter „vereinbarten Ziele“ seien „übererfüllt – Umsatz, Gewinn und Cash-Flow“.

Schulte-Bockum schien mit sich im Reinen, stand demonstrativ zu seiner Strategie und zu seinem Abschied: „Vodafone wird sich positiv entwickeln – und ich werde das auch.“ Ein tieferer Blick in die Geschäftszahlen zeigt jedoch, dass seine Präsentation ziemlich aufpoliert ist. Und warum es zuletzt doch „unüberbrückbare Differenzen“ (Schulte-Bockum) mit Konzernchef Vittorio Colao und Europa-Chef Phillip Humm gab, die ihn zur Aufgabe zwangen.

Der Rücktritt von Jens Schulte-Bockum

Geschäftskunden sind nachtragend

Denn Schulte-Bockum hat es seit seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren nicht geschafft, die früher so reibungslos funktionierende Vertriebsmaschinerie des nach Kundenzahl drittgrößten Mobilfunkers in Deutschland wieder in Gang zu setzen. Die Londoner Konzernzentrale billigte zwar eine milliardenteure Investitionsoffensive ins Netz, mit deren Hilfe er die vielen Verbindungsabbrüche beheben wollte.

Insbesondere die Mittelständler und Selbstständigen unter den Geschäftskunden, die früher treu zu Vodafone standen, sind nachtragender als erwartet und vertrauen inzwischen mehr dem Konkurrenten mit dem derzeit besten Netz – der Telekom. Interne Marktuntersuchungen von Vodafone zeigen, wie groß der Vertrauensverlust inzwischen ist.

Bei allen für den Wert einer Marke wichtigen Kategorien (Kompetenz, Innovation, Einfachheit) liegt Vodafone heute hinter Marktführer Deutsche Telekom.

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Schlimmer noch: Bei wichtigen Leistungskriterien wie Professionalität, Innovationskraft, Wertschätzung des Kunden und Wahrnehmung als Komplettanbieter von IT-, Mobilfunk- und Festnetzdiensten fallen die jüngsten Werte sogar schlechter aus als im Vorjahr.

Das Imageproblem schlägt durch bis zu den Privatkunden. Gäbe es nicht den erfolgreichen Vertriebspartner United Internet (Marke: 1&1), würde sich auch bei Privatkunden der Abstand zur Telekom vergrößern.

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Vodafone-Europa-Chef Phillip Humm, einem ausgebufften Vertriebsprofi, reichten diese Alarmsignale offenbar, um einen Schlussstrich unter das Kapitel Schulte-Bockum zu ziehen. Humm will insbesondere im Mobilfunk schneller und aggressiver verlorene Marktanteile von der Telekom zurückgewinnen. Dabei hat er auch persönliche Motive.

Als Europa-Chef wäre Humm einer der potenziellen Nachfolger von Konzernchef Vittorio Colao – aber nur dann, wenn Vodafone in Deutschland wieder in die Erfolgsspur zurückfindet.

Bei der Nachfolgesuche drückt Humm jedenfalls aufs Tempo. Kaum hatte Schulte-Bockum seinen Rücktritt angekündigt, da starteten Headhunter auch schon einen Rundruf bei Vorständen von Konkurrenten. Die Einstellungskriterien sind dabei noch sehr vage: Gesucht wird derzeit eine „gute Führungskraft“. Deren erste Aufgabe dürfte sein, eine Führungskrise in der Deutschland-Zentrale in Düsseldorf abzuwenden.

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