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Werner knallhart

Corona-Aerosole drinnen: Stirbt im Winter unsere Gastronomie?

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Retten wir also unsere bunte Gastro-Szene!

Wäre dauerhafter Durchzug die Lösung? Wie soll das dann im Winter in Restaurants funktionieren? Schnell essen, bevor alles auf dem Teller gefriert, im Daunenmantel in schneidendem Wind und vom Aperitif bis zum Espresso die Angst im Nacken, dass das alles doch nicht reicht, weil da irgendjemand hinten wieder die Tür zu gemacht hat? Zudem bekommt nicht jeder Gastronomiebetrieb kräftigen Durchzug hin. Der Luftaustausch hängt auch von der Geometrie des Raumes ab.
Und die Virenlast in der Luft lässt sich nicht mit Geräten vor Ort messen. Höchstens CO2-Messgeräte könnten hier eine Referenz sein. Je mehr CO2, desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass viele Aerosole in der Luft liegen, die obendrein Corona-Viren in sich tragen können. Ausgelassen essen und trinken und hoffen, dass der Wirt wegen Corona CO2-Alarm schlägt: Selbst wenn die Hälfte darauf vertraut – und nur die andere Hälfte zu Hause bleibt, wäre das ein Schlag für die Branche.

Unterm Strich: Ohne eine Studie zur deutschen Gastronomie im Winter zu Corona-Zeiten in Händen (die es noch nicht geben kann) prophezeie ich anhand des Einsatzes von gesundem Menschenverstand: Wenn nicht schon jetzt Konzepte zur Rettung entwickelt werden, droht ohne Impfstoff oder wirkungsvolle Medikamente vielen kleinen inhabergeführten Gastronomiebetrieben im Winter großflächig der Untergang. Entweder wegen neuer gesetzlicher Beschränkungen oder allein deshalb, weil die meisten Menschen freiwillig zu Hause bleiben. Unsere Städte wären im Frühling eine andere Welt. Retten wir also unsere bunte Gastro-Szene!

Die Bundesregierung hat schon das Phänomen verpennt, dass Ferienrückkehrer das Virus wieder einschleppen. Jetzt sollte sie an unsere eigenen Gastronomen denken: Wie können Restaurants, Cafés und Bars im Winter funktionieren, ohne zu massenhaften Hotspots zu werden? Es muss draußen gemütlich werden. Dass es uns Spaß machen kann, beweisen die Weihnachtsmärkte (die so voll gestopft 2020 sicherlich auch nicht mehr stattfinden werden).

Wie wäre es mit der Erlaubnis, auf breiten Gehwegen Zeltpavillons ohne Seitenwände als Schutzdach aufzustellen? Wie wäre es mit einer Förderung von mit echtem Ökostrom betrieben Heizstrahlern vor dem Restaurant, indem sich der Staat an der Ökostrom-Rechnung beteiligt? Wie hübsch wären doch Feuertonnen vor dem Café zum Aufwärmen! Was, wenn der Staat Heizdecken und Heizkissen für die Gäste bezahlt? Oder mehr Straßensperrungen hier und da erlaubt – für kleine Pop-up-Winterbiergärten der umliegenden Gastronomen zusätzlich zu den großen offiziellen Weihnachtsmärkten. Wem es auf Dauer zu kalt ist, der nimmt den ersten Drink am Heizstrahler und das Menü mit ins warme Zuhause. Das Geld bleibt dann trotzdem beim Gastronom.

Die engagierten Betreiber der Läden werden selber am besten wissen, was ihnen am meisten hilft. Ich meine ja nur: Ausgehen muss gemütlich UND gesund sein. Für gemütlich allein sind die meisten in unserem Land sicherlich einfach zu schlau und vorsichtig. Dann kommen am Ende nur die Corona-Leugner. Und ohne Impfung und wegen ineffektiver Lüftungssysteme kann „gemütlich und gesund“ nach meiner Überzeugung im kommenden Winter nur draußen klappen. Was sagen die Gastronomen? Wie finden Sie die Ideen? Ich wünsche mir, dass alle über die kalten Monate kommen.

Wenn wir jetzt schon drüber nachdenken, entsteht ja vielleicht eine ganz neue Art von Winter-Gastro. Es wäre nicht die erste Errungenschaft aus Corona-Zeiten, die aus der Not heraus das Leben in Zukunft besser macht.

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