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  4. ZDF revolutioniert Fernsehen: Start der neuen Streamingplattform

Werner Knallhart„Auf ZDF“ statt „im ZDF“: Das Zweite ist jetzt Streaming-Plattform

Da werden die Privaten sicher neidisch: Das ZDF präsentiert ab sofort die Zukunft des Fernsehens als Streamingplattform. Sogar der Buchstabe „F“ im Namen ZDF ergibt Sinn.KOMMENTAR von Marcus Werner 19.03.2025 - 07:48 Uhr
Die ZDF-Mediathek wird neu aufgesetzt. Foto: ZDF

Manchmal hängt alles an einem Wort. In diesem Fall an der Präposition. Da haben sich die deutschen Fernsehsender ja ihr jeweiliges Lieblings-Verhältniswort ausgesucht.

Es heißt: Im Ersten. Im ZDF. Bei RTL. In Sat.1. Und ProSieben verzichtet ganz drauf. Da heißt es: „Heute um 20 Uhr 15. ProSieben.“

Einigkeit herrscht allein bei den Streamingplattformen. Dort heißt es offiziell: Auf Netflix. Auf Disney+. Auf Joyn. Auf RTL+.

Auf. Mit anderen Worten: Die öffentlich-rechtlichen Mediatheken können schon qua Präposition keine Streamingplattformen sein. Denn dort heißt es etwa: „in der ZDF-Mediathek“. In. Nä!

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Aber damit ist beim ZDF angeblich ab sofort Schluss. Laut einem internen Leitfaden, von dem ZDF-Moderator Jan Böhmermann in (in!) seinem Podcast mit Olli Schulz berichtet hat, soll es künftig „im ZDF“ heißen, wenn das klassische lineare Fernsehen gemeint ist, und „auf ZDF“, wenn von der nagelneuen Streamingplattform die Rede ist.

Wenn das wirklich so kommt und konsequent durchgezogen wird, dann sage ich: Glückwunsch ZDF! Denn damit wäre der Sender aus Mainz jetzt dem Markennamen nach nicht mehr nur ein Sender. Und bei der Markenführung ganz, ganz vorne!

Warum?
Nun, „Das Erste“ verweist recht umständlich auf „die ARD-Mediathek“. RTL verweist auf „RTL+“ (und immerhin nicht mehr auf TVNow, wie noch vor einigen Jahren).
ProSieben und Sat.1 gar auf Joyn.

Über allem: ZDF. Bäng!

Im ZDF wird künftig auf ZDF verwiesen. Das ist genial!

Denn damit ist das ZDF der einzige Anbieter, der Fernsehsender und Streamingplattform identisch benennt. Alles unter einer Dachmarke. Das ist stark. Und beweist einmal mehr: Das ZDF beherrscht Markenführung, wie schon bei Terra X, Aktenzeichen XY, Sportstudio, heute, SOKO – alles Namen, die mittlerweile für ganze Inhalte-Welten stehen. Und über allem: ZDF. Bäng!

Das wirklich Selbstbewusste daran: Zweites Deutsches Fernsehen steht jetzt auch für Streaming. Und es stimmt ja: Der Konsum von Streaming-Angeboten ist ja auch das Sehen von etwas, das aus der Ferne zur Verfügung gestellt wird. Nur eben jederzeit auf Abruf vom fernen Server, statt nach einheitlichem Zeitplan per Funk vom fernen Sender.

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Fernsehen ist dann eben kein reiner Rundfunk mehr. Die Anbieter sind irgendwann in der Zukunft keine „Sender“ mehr. Aber es bleibt Fernsehen. Television. Das ZDF zurrt das jetzt mit dem Namen seiner neuen Plattform zu recht fest.

Und so bleibt auch ein großer Monitor an der Wand, auf dem kein lineares Fernsehen mehr geguckt wird, sondern Streaming-Angebote von Apple TV + über WOW und Prime bis ZDF ein Fernseher. Ein TV-Gerät. So wie ein Handy trotz Apps ein Telefon geblieben ist.

Aber hängen wir uns nicht nur am Namen auf. Das ZDF greift auf ZDF durch und hat nun alles rausgeschmissen, was in der Mediathek bislang wirkte, wie sendeplanbegleitend. Rubriken wie „Sendung verpasst“ waren laut ZDF bei der jungen Kundschaft in der Marktforschung mitunter auf völlige Ratlosigkeit gestoßen. Tenor: Wie Sendung? Wie verpasst? Ich will doch nur was streamen.

Aus der ZDF-Mediathek... Foto: Screenshot

Und in der Tat: Wissen zu müssen, wann ein gewünschter Inhalt wie etwa das „heute-journal“ im linearen Fernsehen gesendet wurde, um ihn dann aus dem verstrichenen Programmschema um 21 Uhr 45 herauszusuchen und anzuklicken, muss für jemanden, der nicht mehr linear konsumiert, hinterwäldlerisch wirken.

Weg damit!, heißt es nun beim ZDF (also der Institution) und damit auf ZDF.

... wird ZDF Foto: Screenshot

Dafür soll jetzt alles intuitiver funktionieren. Nach den ersten Erfahrungen kann ich sagen: Es wirkt tatsächlich alles netflixiger. Aber so richtig viel kann man bislang zumindest eigenhändig noch nicht besser konfigurieren als bislang.

Noch nicht alles ist konsequent auf uns Nutzer zugeschnitten. Der Sendung-verpasst-Button ist jetzt zwar verschwunden, dafür gibt es nun in der ZDF-App zentral angeordnet einen Button „Kinder“ für alles von Bibi & Tina bis Logo. Doch gerade die jungen User zwischen 20 und 30 werden diese Rubrik überwiegend nicht benötigen. Und nicht nur die. Abwählbar ist dieser Button aber nicht.

Und der Knopf für alles, was jetzt gerade live gestreamt oder in den Kanälen ZDF, ZDFneo, ZDFinfo, 3sat, Phoenix, Arte und Kika linear gesendet wird, heißt „Live & TV“, was zwar der traditionellen Auffassung von Fernsehen gerecht wird (Fernsehen versus Streaming), aber nicht zukunftsfest ist, wenn Fernsehen ab jetzt eben nicht nur linear gesendet sein soll. Aber klar, noch ist „TV“ als Bezeichnung eben noch populärer als „linear“.

Na ja, Schritt für Schritt.

Noch ist das ZDF bei praktisch allen Fernbedienungen in deutschen Wohnzimmern auf der Programm-Taste 2 programmiert. Linear. Jetzt fehlt nur noch die orangefarbene ZDF-Taste neben den bunten Tasten von Netflix und Disney+. Der ZDF-Knopf wäre sogar näherliegend. Denn ein ZDF-Abo bezahlen wir in Deutschland schließlich ausnahmslos alle. Notgedrungen.

Ich sage: gerne. Läuft beim ÖR.

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