Energiewende: Insolventer Batteriehersteller CustomCells findet Käufer
Das Batterieunternehmen CustomCells ist gerettet. Eine Gruppe von Investoren hat das Start-up im Rahmen des Insolvenzverfahrens erworben, wie Insolvenzverwalter Malte Köster von der Kanzlei WillmerKöster mitteilt. Die Verträge wurden am Mittwoch unterschrieben, zwei Monate nach dem Antrag. Den Löwenanteil der Finanzierung übernimmt das Family Office Abacon, das bereits an CustomCells beteiligt war. Das Family Office Salvia hat ebenfalls Anteile übernommen. Zudem soll ein drittes – nicht namentlich genanntes – Family Office beteiligt sein. CustomCells zählt nach wie vor zu den forschungsstärksten Unternehmen in Deutschland im Bereich hochmoderner Batteriezellentechnologie.
Hinter Abacon steckt die Hamburger Unternehmerfamilie Büll, die ihr Milliardenvermögen vor allem mit Immobilien und Firmenbeteiligungen aufgebaut hat. Abacon ist auch Großaktionär beim Brillenhändler Mister Spex. Salvia ist das Family Office von Helmut Jeggle. Jeggle hat die Milliarden der Strüngmann-Zwillinge verwaltet und dann selbst eine Beteiligungsfirma gegründet. Der Investor finanzierte etwa die Gründung des Covid-19-Impfstoffherstellers Biontech mit.
Nun führen die Unternehmer den norddeutschen Batteriezellenhersteller CustomCells weiter. Zur Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart. Nach Informationen von WirtschaftsWoche sollen die Eigentümer einen einstelligen Millionenbetrag bezahlt haben und mit weiteren Investments in zweistelliger Millionenhöhe rechnen.
CustomCells galt in der Start-up-Szene als Hidden Champion. Die Firma wollte die Energiewende mitgestalten und stellte Lithium-Ionen-Zellen in Tübingen und Itzehoe her. Das Werk in Tübingen, wo vor allem Batteriezellen für den Elektroflugzeughersteller Lilium produziert wurden, musste kurz nach der Insolvenzanmeldung geschlossen werden. Für den Standort wurde laut Insolvenzverwalter Köster keine Lösung gefunden. Die Produktion in Itzehoe bleibt dagegen mit insgesamt rund 90 Arbeitsplätzen bestehen. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, die für viele Branchen sehr wichtige Batteriezellen-Forschung in Deutschland sowie die laufende Produktion am Standort in Itzehoe zu sichern und einen Großteil der Arbeitsplätze am Stammsitz zu erhalten“, teilte Insolvenzverwalter Köster mit.
In der Vergangenheit hatte das Start-up vor allem den Großkunden Lilium sowie den Gesellschafter Porsche mit Batteriezellen beliefert. Lilium war der größte Abnehmer. Die Insolvenz des Flugtaxi-Bauers Ende letzten Jahres brachte daher auch CustomCells in Schieflage. Das Unternehmen blieb auf Schulden in zweistelliger Millionenhöhe sitzen und soll sich auf Drängen der Gesellschafter zusätzlich an einer Auffanglösung für Lilium beteiligt haben, die dann ebenfalls scheiterte.
Die Bestandsinvestoren hatten für die Übergangszeit eine Brückenfinanzierung in einstelliger Millionenhöhe bereitgestellt. Für eine neue Investmentrunde in achtstelliger Höhe stand laut Informationen von WirtschaftsWoche bereits ein Notartermin fest. Doch kurz vor der Vertragsunterzeichnung sollen beteiligte Parteien aufgrund von Unstimmigkeiten ihre Unterstützung zurückgezogen haben. Danach folgte der Gang zum Amtsgericht.
Weil sich die Luftfahrt als schwierige Branche herauskristallisierte, hat CustomCells seine Strategie in den vergangenen Monaten verändert und die Sicherheitsstandards gemäß den Anforderungen der Nato erhöht. Das Unternehmen habe sich bereits Aufträge gesichert, um Drohnen und U-Boote mit Batteriezellen auszustatten. Ein Grund, weshalb sich das Konsortium für den Weiterbetrieb entschieden haben soll.
Der bisherige CEO Dirk Abendroth, der 2022 von Continental zu CustomCells gewechselt war, hat das Unternehmen mittlerweile verlassen. Die Geschäftsführung übernehmen ab sofort Benno Leuthner und Jan Diekmann. Leuthner war bereits vorher in der Geschäftsführung, Diekmann ist seit sieben Jahren in der Firma und war zuletzt Innovationschef.
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