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Gazprom-Deal gestoppt BASF zahlt einen hohen politischen Preis

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Kurswechsel von Gazprom

Die Einstellung Russlands zum europäischen Markt ändere sich grundlegend, hatte Gazprom-Chef Alexej Miller gesagt. „Das ist der Anfang vom Ende unseres Modells, bei dem wir uns auf Lieferungen bis zum Endverbraucher auf dem europäischen Markt orientierten“, sagte Miller.

Energie



Der Konzernchef begründete den Kurswechsel von Gazprom mit der EU-Bürokratie, die auch South Stream zum Scheitern gebracht habe. Die EU-Kommission hatte bemängelt, dass Gazprom sowohl das Gas liefern als auch die Leitung betreiben sollte. Das sei mit EU-Recht nicht vereinbar. Die Gasleitung South Stream hätte vor allem die Länder Südosteuropas mit Gas aus Russland versorgen sollen. Anfang Dezember hatte Russland den Stopp des Projekts verkündet.

Das nun gestoppte Tauschgeschäft hatten BASF und Gazprom vor zwei Jahren angekündigt. Gazprom wollte damit ursprünglich Zugang zum wichtigen Endkundenmarkt in Westeuropa bekommen. BASF hätte sich damit vom Gashandel verabschiedet.

Anleger befürchten nun auch das Scheitern des geplanten Verkaufs der RWE-Öl- und Gasfördertochter Dea an einen russischen Investor. Wie die BASF-Aktien verloren auch die RWE Aktien stark an Wert. Ein RWE-Sprecher erklärte am Freitag in Essen: „Wir arbeiten daran, die Transaktion zügig abzuschließen. Allerdings stehen noch einige Zustimmungen Dritter aus. Ob wir die Gespräche hierzu bereits 2014 abschließen können, lässt sich derzeit nicht absehen.“

RWE will Dea für 5,1 Milliarden Euro an den russischen Oligarchen Michail Fridman verkaufen. Doch die britische Regierung blockiert wegen der politischen Sanktionen gegen Russland dieses Geschäft. Eigentlich sollte der Deal bis Ende 2014 über die Bühne gehen.

Bei BASF haben damit nun die Bedenkenträger Oberwasser, die Russland als strategischen Partner kritisch sehen. Zu ihnen dürfte auch Konzernchef Kurt Bock zählen, der viele Jahre seines Berufslebens in den USA zugebracht hat. Bei Wintershall in Kassel beklagen Manager die mangelnde Unterstützung aus der Führungsetage des weltgrößten Chemiekonzerns. Dort äußerte sich Bock nach Absage des Asset-Swaps nur lapidar: Er werde die bestehenden Russland-Projekte fortsetzen.

Tatsächlich ist es insbesondere Kremlchef Wladimir Putin selbst, der die deutsch-russische Kooperation im Energiesektor torpediert. Der Baustopp der Pipeline „South Stream“ soll Putins spontane Entscheidung gewesen sein, als er auf einem Staatsbesuch beim türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan die Bereitschaft zum Abschluss eines großen Gasvertrags verspürte.

Weder Gazprom noch die am Projekt beteiligten Juniorpartner wie Wintershall sollen vorab informiert gewesen sein. Wintershall-Chef Rainer Seele weilte da gerade im sibirischen Nowy Urengoj auf Pressereise und lobte die Russen als zuverlässigen Partner – bis diese just in diesem Moment das Gegenteil bewiesen.

Vorläufig ist das Verhältnis zwischen Deutschen und Russen ziemlich frostig. Putin gilt als Risikofaktor für die strategische Planung, zumal das politische Klima angesichts der weiter schwelenden Ukraine-Krise unkalkulierbar bleibt. Die Russen indes sind eben wegen der politischen Großwetterlage bereit, ihre nibelungentreuen Partner aus Deutschland zugunsten neuer Geschäftsbeziehungen mit China oder der Türkei zu opfern.

Gleichwohl ist man in Kassel bei Wintershall davon überzeugt, dass sich Gazprom nie ganz vom Westen lösen wird – zumal der Konzern im Moment unter enormen Druck steht und ein Viertel seiner über 400.000 Mitarbeiter entlassen muss. Technologisch sind die Russen unterdessen auf Partnerschaften wie jene mit Wintershall angewiesen. Die Chinesen können kein Gas in großen Tiefen bohren. Und die Türken erst Recht nicht.

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