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Ärger wegen Katar-Sponsoring Der FC Bayern muss sein Selbstbild mit seinem wirtschaftlichen Handeln in Einklang bringen

Bayern-Präsident Herbert Hainer. Buhrufe und Pfiffe sorgten für ein beispielloses Ende der Mitgliederversammlung am Donnerstag. Quelle: dpa

Das Reizthema Katar sorgt auf der Hauptversammlung für Stress. Der Versuch, in Harmonie zu pökeln, schlägt gründlich fehl. Der Führungsriege fehlt es an Gespür für die Stimmung unter den Mitgliedern.

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Der FC Bayern und seine Mitglieder - das ist eine schwierige Geschichte. Auch auf früheren Versammlungen von Deutschlands mit Abstand erfolgreichstem Fußballverein prallten Meinungen oft reichlich hitzig aufeinander. Unvergessen, wie Uli Hoeneß noch vor einigen Jahren als Bayern-Präsident mit hochrotem Kopf auf Kritik einging, der Verein tue zu wenig für den normalen Fan, der Klub entferne sich immer mehr von der Basis. Die Bilder blieben lange haften.

Doch so heftig wie bei der gestrigen Versammlung stießen die Weltsichten wohl lange nicht mehr aufeinander. Vor der auf einen riesigen Bildschirm projizierten Bayern-rot beleuchteten Fassade der Allianz-Arena entzündete sich der Streit über die Frage, ob der Münchner Vorzeigeklub gut daran tut, Qatar Airways, die staatliche Fluglinie des Emirats Katar, als Ärmelsponsor und Partner an Bord zu haben.

Bereits im Vorfeld der Versammlung hatte sich ein Mitglied mit einem Antrag zu Wort gemeldet, der darauf abzielte, das Engagement wegen der kritischen Lage der Menschenrechte im Emirat und auf den Baustellen für die WM im kommenden Jahr so schnell es geht zu beenden. Die Art und Weise, wie die Klubführung mit dem Reizthema umging, überraschte dann doch.

Offenbar fehlte es im Klub komplett an dem nötigen Gespür für die Stimmung in weiten Teilen der eigenen Mitgliederschaft. Anders lässt sich kaum erklären, warum es zu dem Kommunikationsdesaster bei der Versammlung kam, in dessen Verlauf ein tiefer Riss zwischen der Vereinsführung und Teilen der Mitglieder sichtbar wurde. Die Unstimmigkeiten gipfelten in „Hainer raus“-Rufen, die an den ehemaligen Adidas-Chef Herbert Hainer gerichtet waren, der Hoeneß als Präsident gefolgt war. Selbst Altmeister Hoeneß, der nach Ende der Veranstaltung noch Anstalten machte, ein paar Worte an die Mitglieder zu richten, blieb sprachlos.

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    Dabei müsste ein Teil der Lösung schlicht darin bestehen, den eigenen Mitgliedern mit ihrem berechtigten Unbehagen an einer Partnerschaft wie der mit Katar einmal zuzuhören. Die Art und Weise jedoch, mit der die Klubführung das Thema erst auf die lange Bank geschoben und dann mit juristischen Mitteln ausgehebelt hat, hat offensichtlich bei vielen Mitgliedern den Eindruck verstärkt, im „eigenen“ Klub nicht mehr viel zu zählen. Mancher mag sich unangenehm erinnert haben an Mitgliederschreiben, auf denen statt der eigenen Mitglieds- nur mehr eine Kundennummer eingetragen war.

    Der Versuch jedenfalls, bei der Versammlung mit einer prunkvollen Inszenierung und der stolzen Präsentation der jüngst gewonnenen Trophäen die Mitglieder zu überwältigen und in Harmonie zu pökeln, schlug gründlich fehl.

    Statt sich nun über die scheinbar undankbaren Anhänger zu ärgern und zu grämen sollte die Vereinsführung vor allem eins tun: den eigenen Mitgliedern besser zuhören, sie ernst nehmen und ihnen gegenüber vernünftig begründen, warum denn der Katar-Vertrag so wichtig ist, obwohl es sicher auch weniger kontroverse Ärmelsponsoren gegeben hätte.

    Immerhin eines dürfte die Vereinsführung auch registriert haben: Es kam immerhin nicht zum äußersten.

    Denn trotz des Ärgers und der Wut der vergangenen Nacht erreichte der Antrag eines Mitglieds, wonach ein weiterer möglicher Verkauf von AG-Anteilen in Höhe von fünf Prozent abhängig gemacht werden sollte von der Zustimmung der Mitglieder, nicht die erforderliche Stimmenzahl. Der FC Bayern kann also, wenn etwa aufgrund der Corona-Pandemie erneut Einnahmen ausfallen sollten, neben den drei langjährigen Anteilseignern Adidas, Allianz und Audi einen vierten Investor an Bord holen.



    Dass die Mitglieder diesem Antrag nicht zur erforderlichen Mehrheit verhalfen, dürften Hainer & Co. als Signal dafür sehen, dass es den Mitgliedern nicht um eine pauschale Ablehnung von Sponsoren und Investoren ging. Sondern um den dringenden Wunsch, Selbstbild und vor allem Selbstdarstellung des FC Bayern mit seinem wirtschaftlichen Handeln besser in Einklang zu bringen. Zwar handelt der FC Bayern in vielen Punkten sicher vorbildlich. Doch diese offene Flanke muss er schließen.

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