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BASF-Werksausfall in Texas Ibuprofen wird knapp in den Apotheken

Pharma: Gefahr für die Versorgung mit wichtigen Arzneien. Quelle: dpa/Montage

Ibuprofen zählt zu den beliebtesten Medikamenten Deutschlands. Weil in Texas eine Produktionsstätte von BASF monatelang ausfällt, kann es in deutschen Apotheken nun Engpässe für einzelne Varianten geben.

Zu den Mysterien des Alltags zählt, dass sich einmal auseinandergefaltete Packungsbeilagen von Medikamenten schlecht bis gar nicht wieder sauber zusammenfalten lassen und so schwieriger in die Verpackung zurückzustecken sind. Einige Kunden in deutschen Apotheken werden dieser Tage mit diesem Problem nicht konfrontiert sein: Sie bekommen lediglich eine Kopie oder eine auf vier DIN-A4-Seiten ausgedruckte Version der Packungsbeilage und das Medikament selber nicht in der Originalverpackung.

Das betrifft das Schmerzmittel Ibuprofen. Als Allerweltswaffe gegen Schmerzen und Therapie für Rheuma-Patienten ist es in der Gunst der deutschen Patienten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Lag der Anteil im Jahr 2007 noch gleichauf mit Paracetamol bei 38,8 Prozent, stieg es bis 2016 schon auf einen Marktanteil von 57,7 Prozent bei den rezeptfreien Schmerzmitteln. Mit Abstand vor Paracetamol (30,6 Prozent), Acetylsalicylsäure (7,3 Prozent) - bekannt als Aspirin - und Diclofenac (4,1 Prozent).

Die Webseite Apotheke-Adhoc titelte vergangene Woche „Problemfall Ibuprofen: Jetzt wird ausgeeinzelt“. Die für den Laien unverständliche Überschrift beschreibt ein Verfahren, dessen sich die Apotheker nun bemühen müssen, um ihren Kunden auch weiterhin Ibuprofen in der Variante mit 600 Milligramm verkaufen zu können, die vor allem Rheumapatienten verschrieben bekommen.

Derweil die Hersteller wie Ratiopharm oder Hexal nicht genügend Wirkstoff geliefert bekommen, erreicht die Apotheken das fertige Medikament nicht in allen Verpackungsvarianten in ausreichender Zahl. Ratiopharm erklärte, dass es „den vorhandenen Rohstoff ausgewogen auf die verschiedenen Wirkstärken verteilen“ wolle. Auch Wettbewerber Hexal bestätigt die mangelnde Verfügbarkeit des Wirkstoffs. Eine echte Notlage ist das nicht und die Hersteller hoffen, auch bald wieder im gewohnten Umfang liefern zu können.

Also behelfen sich derweil Apotheker damit, aus einer großen Packung mit zum Beispiel 100 Tabletten die einzelnen Blister zu nehmen, die Packungsbeilage zu kopieren und Kunden einzelne Blister zu verkaufen.

Der Engpass mit Ibuprofen traf schon zuvor die vor allem bei Kindern angewandten Säfte mit einem vierprozentigen Anteil an Ibuprofen.

Produziert wird der Wirkstoff von nur wenigen Unternehmen weltweit: Xinhua Pharmaceutical, Granulat Biocause und Hisoaraus China, Shasun und IOLCP in Indien, Xinhua-Perrigo Pharmaceutical mit Produktionsstätten in USA und China), der SI Group aus den USA. Die deutsche BASF betreibt in Texas ebenfalls eine Produktionsstätte - und die ist seit Anfang Juni außer Betrieb. Am Mittwoch sagte ein Konzernsprecher, wegen eines technischen Defektes stünden dort die Bänder wohl auch noch bis zu zwölf Wochen still. So lange könnte die Reparatur dauern.
Die Notwendigkeit einer größeren Produktion, um den Markt zu bedienen, hat das Unternehmen bereits erkannt. Dennoch dauert es noch bis 2021, bis BASFs neue Fabrik für den Wirkstoff in Deutschland fertiggestellt ist - es wird die erste in Europa sein. Bis dahin kann es also immer wieder passieren, dass Apotheker zu ungewöhnlichen Mitteln greifen müssen, und dem Kunden einen kopierten Beipackzettel und lose Blister mitgeben.

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