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Bertelsmann Der mächtigste Bücher-Boss der Welt

Die erstaunliche Karriere des Ingenieurs Markus Dohle, der zum mächtigsten Buchverleger der Welt aufsteigt und Amazon Paroli bieten will.

Bertelsmanns Bücher-Boss - Dohle formt von New York aus den weltgrößten Publikumsverlagskonzern Quelle: dpa

Am vergangenen Montag knallten gleich zwei Stürme durch das Leben von Markus Dohle. Der eine namens Sandy stürzte binnen Stunden die Ostküste der USA ins Chaos. Nebenbei sorgte der Hurrikan auch dafür, dass der Vorstandschef des Buchkonzerns Random House am bislang wohl wichtigsten Tag seiner Karriere nicht vor die Tür kam: „Es ist hier wirklich dramatisch“, sagte Dohle der WirtschaftsWoche, während im Hintergrund noch der Wirbelsturm wütete.

Stattdessen beteiligte sich der 44-Jährige von seinem Haus im Örtchen Scarsdale eine halbe Stunde nördlich von Manhattan aus tatkräftig daran, seinerseits einen Sturm auszulösen, der die weltweite Buchbranche durcheinanderwirbeln wird.

Die größten Publikumsverlage der Welt

Wenn die Bertelsmann-Tochter Random House und der britische Verlag Penguin 2013 ihre Geschäfte unter der Führung der Gütersloher zusammenlegen, wird der Wirtschaftsingenieur aus Arnsberg im Sauerland zum mächtigsten Buchverleger der Welt. Stimmen die Kartellbehörden dem Deal zu, wird Dohle zum Herrn über mehr als 250 Verlage, 11.000 Mitarbeiter, 15.000 Neuerscheinungen pro Jahr und einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Für Dohle mehr als der Zusammenschluss zweier Unternehmen: „Dies ist ein starkes Statement für die Zukunft der Buchbranche – wir sind nicht die Musikindustrie und haben im Gegenteil aus deren Fehlern gelernt.“

Digitaler Wandel des Buchgeschäfts

Litt die Plattenbranche jahrelang unter Piraterie, illegalen Downloads und dem Verfall des Tonträgergeschäftes, ringt längst auch die Buchindustrie mit dem digitalen Wandel: „Die digitale Revolution führt im Buchmarkt zu Verschiebungen tektonischen Ausmaßes“, sagt etwa Carel Halff, Chef der Verlagsgruppe Weltbild. Amazon, Google und Apple nagten an den Umsätzen der Verlage und versuchten, „sich selbst als Verleger zu positionieren“.

Gleichzeitig geht der Buchverkauf zurück. Darunter leiden auch Buchketten wie in Deutschland Weltbild und Thalia, weil eine wachsende Zahl von Kunden ihre Bücher via Internet bezieht oder sie gleich als E-Book auf ihren Kindle oder ein anderes Lesegerät herunterlädt. Vier von fünf Büchern, die hierzulande als E-Book verkauft werden, laufen über Amazon, dessen Einfluss auf die Branche so stetig wächst.

Segnen die Kartellwächter die Fusion ab, wird zwar in vielen wichtigen Märkten jedes vierte verkaufte Buch von Penguin Random House stammen. Doch ein Medienmanager unkt, die gesamte Buchbranche sei doch ein Zwerg, verglichen mit dem Online-Kaufhaus: „Amazon wird wegen dieses Deals nicht zittern.“ Daher muss Dohle zusehen, wie er sich mit der digitalen Transformation arrangiert, um am Ende nicht als König ohne Land dazustehen.

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