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In den vergangenen fünf Jahren haben 93 Brauereien in Deutschland zugemacht. Foto: dpa

BierWo die meisten Brauereien schließen

Sinkender Absatz, gestiegene Kosten: Deutschlands Brauereien stehen seit Jahren vor großen Herausforderungen. Für manche Betriebe wurden sie zuletzt zu groß.Kevin Gallant 23.04.2025 - 15:15 Uhr

Lange Zeit sah es aus, als würde die Zahl der Brauereien in Deutschland unaufhaltsam wachsen: Gab es 1995 noch 1282 Betriebe, waren es 2020 schon 1536. Allein 2017 kamen laut Deutschem Brauer-Bund (DBB) 82 Betriebe dazu. Damals rechnete der DBB noch damit, dass der Boom weiter anhalten würde – auch wegen der Gründungswelle in der wachsenden Craftbier-Szene.

Der Trend hat sich jedoch umgekehrt. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Brauereien in Deutschland um 93 Betriebe gesunken. Damit liegt sie nun wieder deutlich unter der Marke von 1500 Brauereien. Das teilte der DBB Ende März unter Berufung auf vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit. Demnach mussten allein im vergangenen Jahr 52 Brauereien schließen.

Das Brauereisterben trifft junge Start-ups, aber auch jahrhundertealte Traditionshäuser. So stellte im vergangenen Jahr etwa die Schlössle-Brauerei aus Neu-Ulm die Produktion ein – nach über 300 Jahren. „Bei den Betriebsaufgaben sehen wir etwa gleich viele Gründer wie alte Familienbetriebe“, sagte DBB-Präsident Christian Weber der Nachrichtenagentur dpa. Zudem seien Gründungen, die die Lücken füllen können, inzwischen sehr viel seltener geworden.

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Sechs Prozent Brauereien weniger in fünf Jahren

Das Brauereisterben trifft vor allem Betriebe in Bayern, zumindest gemessen an den absoluten Zahlen. Seit 2018 haben dort über 50 Brauereien geschlossen. Allerdings beheimatet der Freistaat mit 598 Betrieben immer noch die mit Abstand meisten Brauereien in Deutschland.

Der Rückgang zeigt sich auch andernorts, etwa in Nordrhein-Westfalen. Seit 2020 haben hier 15 Betriebe aufgegeben. Das sind zwar weniger als in Bayern, allerdings gibt es in NRW auch deutlich weniger Brauereien – so bedeuten 15 Betriebsschließungen seit 2020 bei damals noch 153 Brauereien einen Rückgang von fast zehn Prozent. Ähnliche Zahlen liefert das Statistische Bundesamt für Hessen: Gab es dort 2020 noch 79 Brauereien, waren es 2024 nur noch 71.

Manche Bundesländer konnten die Zahl ihrer Brauereien aber stabil halten – oder sogar steigern. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen kamen seit 2020 etwa jeweils vier Betriebe dazu. Den bundesweiten Rückgang von ungefähr sechs Prozent konnten allerdings auch sie nicht umkehren.

Keine Brauerei schließt von heute auf morgen. Die Reserven sind aufgezehrt
Christian Weber
DBB-Präsident

Der DBB macht in erster Linie den hohen Kostendruck für die wachsende Zahl der Betriebsschließungen verantwortlich. Vor allem kleinere und mittelgroße Brauereien hätten kaum Spielraum. „Keine Brauerei schließt von heute auf morgen. Die meisten der betroffenen Betriebe haben mehrere ertragsschwache Jahre hinter sich, die Reserven sind aufgezehrt“, sagte DBB-Chef Weber. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Energiepreiskrise haben der gesamten Branche stark zugesetzt.“

2024 habe sich die Situation zusätzlich verschärft, weil die hohe Inflation und die schlechte Verbraucherstimmung auf das Geschäft der Brauereien durchgeschlagen hätten, ähnlich wie bei Gastronomie und Handel.

Hinzu komme, dass bei vielen Brauereien in den kommenden Jahren große Investitionen anstünden, um sie bis spätestens 2045 klimaneutral zu machen. „Wer eine Brauerei von Gas auf Strom umstellt, muss die Anlagen zu 80 Prozent neu bauen, wobei manche der benötigten neuen Technologien noch gar nicht entwickelt sind“, sagte Weber der Nachrichtenagentur dpa.

Ähnliches ist auch aus den Betrieben zu hören: „Es besteht kein Zweifel daran, dass die Brauwirtschaft vor den größten Investitionen in den nächsten Jahren steht – Klimaneutralität und Energiewende werden zur Nagelprobe der Zukunftsfähigkeit werden“, kommentierte etwa ein Sprecher der Veltins-Brauerei im Februar.

Sinkender Absatz drückt aufs Geschäft

Ohnehin hat die Branche mit einem sinkenden Bierkonsum zu kämpfen. Auch 2024 haben die Brauereien weniger Bier verkauft. Der Absatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent auf 8,3 Milliarden Liter – und erreichte damit den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt im Februar mitteilte.

An dem langjährigen Negativtrend konnte selbst die Fußballeuropameisterschaft in Deutschland im vergangenen Jahr nichts ändern.

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Neben der ohnehin gedämpften Konsumstimmung beobachtet die Branche einen zunehmend gesünderen Lebensstil, vor allem bei jüngeren Menschen. Zugleich schlägt der demografische Wandel zu: Es gibt immer mehr ältere Menschen in Deutschland – und die trinken im Schnitt weniger Alkohol.

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 21. März 2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.

Mit Material der dpa

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