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Zölle von 200 Prozent?„Trumps Zoll-Drohung schwebt wie ein Damoklesschwert über uns“

Die deutsche Weinwirtschaft schrumpft. Jetzt droht auch noch der US-Präsident mit massiven Zöllen. Wie schlimm ist die Lage? Fragen an die Chefin des Deutschen Weininstituts.Kevin Gallant 13.03.2025 - 15:34 Uhr aktualisiert
Die Weinbranche schrumpft, nun drohen auch noch neue US-Zölle. Foto: dpa

WirtschaftsWoche: Frau Reule, der globale Handelsstreit macht auch vor Alkohol keinen Halt. Die Stahl- und Aluminiumzölle von Donald Trump konterte die EU mit Zöllen auf etwa US-Whiskey. Wann trifft es den deutschen Wein?
Monika Reule:
Die Situation schwebt wie ein Damoklesschwert über uns. Wir haben in den USA zwar versucht, Lobbyarbeit zu betreiben. Aber im Umfeld von Herrn Trump ist das wirkungslos. Wenn er etwas tun will, zieht er es auch durch. Insofern könnte es auch uns treffen, sobald er mit den ganz großen Industriezweigen durch ist.

Nun drohte der US-Präsident „Frankreich und anderen EU-Staaten“ auf der Social-Media-Plattform Truth Social mit weiteren, heftigen Zöllen. 
Wir haben die Information erhalten, dass Trump Strafzölle von 200 Prozent auf französischen Wein und Champagner androht. Das würde Deutschland zunächst noch nicht berühren, aber es bestätigt meine Aussage, dass sich das Damoklesschwert, das über uns schwebt, senkt.

Sie leiten das Deutsche Weininstitut, sind also bestens vernetzt. Was hören Sie derzeit, wenn Sie in die Branche hineinhorchen?
Die Zölle wurden unter der Biden-Administration nicht abgeschafft, sondern nur ausgesetzt. Daher ist die Sorge ist groß. Die Furcht, die ich habe, haben auch die Exporteure.

Wie empfindlich würden US-Zölle die deutsche Weinwirtschaft treffen?
Die USA sind unser wichtigster Exportmarkt. Im vergangenen Jahr hat die deutsche Branche dort rund 63 Millionen Euro erlöst, bei einem Gesamtvolumen von 384 Millionen Euro. Wertmäßig kommt also ein Sechstel der Exporterlöse aus den USA. Die Zölle würden uns heftig treffen. Und das nicht zum ersten Mal.

Monika Reule ist Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI) Foto: DWI
Zur Person
Monika Reule ist seit 2007 Vorstand im Deutschen Weinfonds, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts sowie der Deutschen Weinakademie in Bodenheim bei Mainz. Die Diplom-Agrarbiologin war in verschiedenen Bereichen des Agrar- und Ernährungssektors tätig, etwa beim Molkereiverband Baden-Württemberg und dem Deutschen Verband Tiernahrung.

US-Zölle auf Wein aus Europa gab es zum Beispiel schon 2019. Wie stark haben die damals auf das Geschäft gedrückt?
Die Zölle haben uns sehr wehgetan. Gut 20 Prozent des Erlöses sind seiner Zeit weggefallen. Die höheren Preise wurden nicht in vollem Umfang an die US-Verbraucher weitergegeben. Erzeuger und Importeure haben sich darauf geeinigt, den größten Teil der gestiegenen Kosten selbst zu tragen, um die Preise konstant zu halten. Dabei sind die Kosten für Produktion, Betriebsmittel oder schlicht die Flaschen ohnehin enorm gestiegen, speziell seit Beginn des Krieges in der Ukraine.

Kann sich die Branche für den Ernstfall wappnen?
Kaum. Einen neuen Markt als Ersatz zu erschließen und zu pflegen, geht nicht von heute auf morgen. Es dauert Jahre, bis man Fuß fasst und zum Beispiel gute Beziehungen zu Importeuren aufgebaut hat. Wir befinden uns ohnehin in einem international sehr hart umkämpften Wettbewerb, in dem viele auf die wenigen Wachstumsmärkte drängen.

Wie teuer könnte eine gute Flasche Wein aus deutschem Anbaugebiet dann in den USA werden?
Wenn man die Preise mit dem heimischen Markt vergleicht, sind Weine in den USA ohnehin viel teurer. Dort wird man keinen Wein für unter zehn Dollar finden. Eine gute Flasche kostet jetzt vielleicht 18 Dollar. Wir wissen zwar noch nicht, wie hoch mögliche Zölle werden können, aber 2019 waren es 25 Prozent. Da käme die Flasche nun in einen Bereich von über 20 Dollar – und da wissen wir nicht, ob der US-Verbraucher das noch bezahlen würde.

Den Konsumenten dort geht es ja zunehmend schlechter
Wer weniger im Geldbeutel hat, ist irgendwann nicht mehr bereit, über gewisse Preisschwellen zu treten. Menschen sparen als erstes bei den Dingen, die sie nicht unbedingt zum Leben brauchen – und Wein ist eben ein Genussmittel.

Sind US-Weine auf der anderen Seite eine ernstzunehmende Konkurrenz auf dem deutschen Markt?
Nicht mehr. Weine aus Australien, Neuseeland oder auch den USA verlieren zunehmend an Marktanteil. Vor ungefähr zehn Jahren gab es einen Boom, aber der ist abgeflacht. Da spielt wohl auch Nachhaltigkeit eine Rolle. Verbraucher fragen sich heute mehr, warum Weine quer durch die Welt geschifft werden müssen, wenn man doch auch Anbaugebiete direkt vor der Haustür oder zumindest auf dem eigenen Kontinent hat.

Grundsätzlich wird aber immer weniger Alkohol getrunken. Der Absatz geht zurück, in Frankreich etwa werden Anbauflächen gerodet, um Überproduktion zu vermeiden. Wie sehr belastet die Flaute die deutsche Weinwirtschaft generell?
Ich will nicht von dramatisch sprechen, aber die Lage ist sehr angespannt. Wir haben in 2024 nochmal vier Prozent Absatz, aber auch vier Prozent bei der Käuferreichweite verloren. Das Gesundheitsbewusstsein steigt, insbesondere jüngere Menschen trinken teilweise überhaupt keinen Alkohol mehr. Das alles führt dazu, dass wir weltweit aktuell mehr Wein produzieren als konsumieren – nämlich rund 16 Millionen Hektoliter.

Und darauf muss die Branche mit Rodungen reagieren?
Rodungen sind nur eine Maßnahme. In Deutschland wurde bisher kaum gerodet, die bestockte Rebfläche ging letztes Jahr nur um 0,4 Prozent zurück. Aber darüber wird in der Branche eben diskutiert. Genauso wie über die Rotationsbrache, also Anbauflächen zumindest für eine gewisse Zeit aus der Produktion rauszunehmen. Der ein oder andere Betrieb wird auch ganz aufhören müssen. Die Weinwirtschaft hat aber schon viele Krisen durch- und überlebt.

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Gibt es denn noch Wachstumsmärkte?
In China sind deutsche Weine sehr erfolgreich, da wachsen wir gegen den schrumpfenden Gesamtmarkt. Wir sind die einzige Weinbaunation, die da noch Zuwächse verzeichnet: Elf Prozent beim Umsatz, 16 Prozent beim Absatz im vergangenen Jahr. Auch in Polen nehmen wir Zuwächse wahr, genauso wie in Skandinavien. Begreift man Skandinavien als einen großen Markt, exportiert Deutschland dorthin sogar mehr als in die USA. In Norwegen stammt ein Drittel der konsumierten Weißweine aus Deutschland.

Wie erklären Sie sich das starke Wachstum in etwa China?
Unsere Rieslinge kommen dort sehr gut an, vor allem mit einer gewissen Restsüße. Anders als in Deutschland können die Weine vor allem bei jungen Chinesinnen punkten. So lassen sich die Verluste anderswo zumindest teilweise kompensieren.

Wie wichtig kann China als Markt noch werden?
Ich sehe da noch starkes Wachstumspotential. In China leben weit über eine Milliarde Menschen, der Großteil der dortigen Bevölkerung hat das traditionelle Weintrinken nie gelernt. Es lassen sich also noch Menschen daran heranführen und dafür begeistern.

Die Tendenz zeigt trotzdem nach unten. Wie kommt die Weinbranche aus diesem Loch heraus?
Eine Möglichkeit sind neue Produkte, etwa alkoholfreie Varianten. Da muss die Branche stärker dran denken, auch wenn viele das schon im Portfolio haben. Oder: Weine mit weniger Alkohol wie Schorlen oder Mixgetränke. Das funktioniert bei Spirituosen oder Bier auch ganz gut. Die Tendenz geht dahin, leichtere Produkte zu konsumieren. Das sind Dinge, die mich nicht ganz pessimistisch stimmen.

Marktanteile für solche Getränke rangieren aber oft im unteren Promillebereich…
Ja, bisher ist das ein kleines Segment. Aber wir merken auch, dass mehr Leute alkoholfreien Wein kaufen – und nicht nur, um ihn einmal zu probieren. 2024 ist die Wiederkaufsrate hier um 23 Prozent gestiegen. Außerdem ist die Käuferreichweite um 17 Prozent gestiegen. Das Potential ist also da.

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