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BrandIndex
Eine Kundin räumt in einem Edeka-Markt ihren Einkauf auf das Laufband. Quelle: dpa

Was der Streit zwischen Edeka und Nestlé für die Marken bedeutet

Edeka will bessere Konditionen bei Nestlé erwirken und bestellt bestimmte Produkte nicht mehr nach. Der Lebensmittelkonzern bedauert dies. Bis dato profitiert von dem Konflikt nur eine der beiden Marken.

Vor ein paar Tagen ließ eine Meldung aufhorchen: Edeka wird rund 160 Produkte verschiedener Marken des Nestlé-Konzerns nicht mehr nachbestellen und diese somit zeitnah aus dem Sortiment nehmen. Zuständige Manager der Einkaufsallianz Agecore, zu der auch Edeka gehört, hätten durch ihren Wechsel von der Konkurrenz Konditionenwissen mitgebracht und jegliche Schlechterstellung des Händlerverbunds solle nun beendet werden. In den Berichten der Medien zum Thema ist seitdem von einem entbrannten Machtkampf zweier Branchenriesen die Rede, der sich noch mehrere Wochen hinziehen soll.

Aktuelle Ergebnisse unserer täglichen Befragungen für den YouGov-Markenmonitor BrandIndex in Deutschland zeigen, dass dieser Konflikt nun auch bei den Verbrauchern ein Thema ist. Unter anderem stellen wir die Frage, ob man in den letzten zwei Wochen etwas Positives oder Negatives über eine Marke gehört hat, sei es in den Medien, in der Werbung oder in Gesprächen mit Freunden oder Bekannten. Und sowohl bei Edeka als auch bei Nestlé sehen wir unter den jeweiligen Markenkennern einen deutlichen Anstieg bei den Antworten hierauf.

Während auf Wochenbasis am 18.02. noch knapp 20 Prozent aller Kenner angaben, vor Kurzem etwas Positives oder Negatives zu Edeka wahrgenommen zu haben, sind es inzwischen schon mehr als 29 Prozent. Und bei Nestlé sehen wir im gleichen Zeitraum einen Anstieg von 15 Prozent auf rund 25 Prozent, was für diese Fragestellung von uns den höchsten Wert markiert, den wir in den nahezu letzten fünf Jahren für Nestlé gemessen haben.

Fragen wir die Markenkenner ferner danach, ob die Kenner sich in den letzten zwei Wochen mit anderen über die Marke unterhalten haben, zeigt sich: Innerhalb der letzten Woche ist dieser Wert für Edeka von 20 Prozent auf 28 Prozent angestiegen, bei Nestlé von 10 Prozent auf 16 Prozent. Letzterer Wert ist ebenfalls der höchste, den wir für Nestlé jemals ausgewiesen haben. Der aktuelle Konflikt mitsamt seinen noch spürbarer werdenden Konsequenzen für die Edeka-Kunden wird diese Werte sicherlich weiter ansteigen lassen, je nachdem, wie lange der Konflikt noch anhalten wird und wie lange in den Edeka-Regalen die Auswirkungen tatsächlich zu erkennen sein werden.

Es stellt sich die Frage, ob es bis dato einen vorläufigen Gewinner des andauernden Verhandlungsstreits gibt. Hierfür berechnen wir vereinfacht das Saldo aller Antworten zur eingangs geschilderten Frage, also wie man das Gehörte zu einer Marke einstuft. Genauer gesagt ziehen wir den Anteil derjenigen Befragten, die etwas Negatives über eine Marke wahrgenommen haben, vom Anteil der Befragten mit positiver Einordnung ab. Das ermittelte Ergebnis weisen wir dann als Score aus. Und hier zeigt sich beim erneuten Blick auf Wochenwerte bisher ein eindeutiger Gewinner der aktuellen Situation: Edeka.

Grundsätzlich lässt sich konstatieren, dass Verbraucher in unseren Umfragen Nestlé ohnehin kritischer bewerten. Der Buzz für Nestlé bewegt sich unter Kennern der Marke seit etwa zwei Jahren im leicht negativen Bereich. Vor einer Woche lag Nestlé beim Buzz noch bei -4 Scorepunkten, inzwischen ist der Wert auf -14 abgesackt. Edeka hingegen bleibt dieser Tage Buzz-seitig bei stabilen +16 Scorepunkten. Mit anderen Worten: Obwohl uns deutlich mehr Befragte zurückspielen, dass Sie zu Edeka und Nestlé Meldungen wahrgenommen haben, wächst der Anteil an Befragten mit negativer Einordnung überproportional stark bei Nestlé.

Der anhaltende Streit birgt dennoch Risiken

Besteht die Schlussfolgerung der Verbraucher also wirklich nur darin, dass hier der Profitgier eines riesigen Lebensmittelkonzerns endlich mal von jemandem Einhalt geboten wird? Und dass die Hamburger, die bekanntlich Lebensmittel lieben, sich hier im Sinne ihrer Kunden einsetzen und völlig uneigennützig für mehr Gerechtigkeit kämpfen?

Die Schweizer Handelskette Coop, ebenfalls Mitglied von Agecore, bestellt ebenfalls keine Nestlé-Produkte mehr nach und nutzt die aktuelle Situation als Gelegenheit, ihren Kunden beim Fehlen von Nestlé-Produkten das Ausweichen auf „gute und preislich attraktive Coop-Eigenmarken“ zu empfehlen. So hat auch Edeka die Chance, das Verbannen von Nestlé-Produkten aus den Regalen dank attraktiver Eigenmarken-Produkte zu kompensieren. Dennochen werden in vielen Fällen Kunden nicht das bekommen, was sie haben wollen. Und im ungünstigsten Fall deswegen auf einen Wettbewerber ausweichen.

Zudem wird mit dem aktuellen Streit publik, dass Edeka Nestlé-Produkte bisher offenbar zu schlechteren Konditionen eingekauft hat als die Konkurrenz, was die Vermutung nahelegt, dass sich dies für Edeka-Kunden letztlich auch im zu zahlenden Preis niedergeschlagen hat. Hierin besteht die riskante Kehrseite der Medaille, denn auf das Preis-Leistungs-Image der Händlermarke wird sich der Konflikt und die vorübergehenden Lücken im Sortiment nur dann wirklich positiv auswirken, wenn Kunden von Edeka Nestlé-Produkte in den Märkten demnächst zu spürbar attraktiven Konditionen finden werden.

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