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Agrarchemie und PharmaBayer verlängert Vertrag mit Firmenchef Anderson

Der Leverkusener Traditionskonzern hat Gegenwind, das Agrargeschäft schwächelt und der Kostendruck ist hoch. Sein Chef baut den Konzern tiefgreifend um – der Aufsichtsrat ist zufrieden mit ihm. 16.07.2025 - 17:59 Uhr
Bill Anderson, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, sitzt bei einem Fototermin in der Zentrale des Unternehmens. Foto: Henning Kaiser/dpa

Beim Umbau des Agrarchemie- und Pharmakonzerns Bayer bekommt der Vorstandsvorsitzende Bill Anderson mehr Zeit. Der bislang nur bis Ende März 2026 gültige Arbeitsvertrag des Amerikaners sei um drei Jahre verlängert worden, teilte das Unternehmen in Leverkusen mit. „Bill Anderson hat die richtigen Weichen gestellt und mit einem umfassenden Programm den Turnaround initiiert“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Winkeljohann.

Anderson übernahm Bayer 2023 in einer schwierigen Lage, sein Vorgänger Werner Baumann hatte glücklos agiert und sich mit der Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto milliardenschwere Rechtsrisiken aus dem Verkauf des Unkrautvernichters Glyphosat aufgehalst. Bis heute stellen diese Altlasten Bayer vor Probleme. In der Mitteilung heißt es hierzu, man verfolge bei der „signifikanten Eindämmung von Rechtsrisiken ... eine mehrgleisige Strategie, die Schritt für Schritt umgesetzt wird“.

In der Causa Glyphosat wartet Bayer noch auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofes der USA. Davon hängt im Wesentlichen ab, ob Bayer die Glyphosat-Klagen weitgehend befrieden kann. Ende Januar waren noch über 60.000 Klagen offen. Für die Beilegung bisheriger Klagen hat Bayer bereits etwa zehn Milliarden Dollar ausgegeben. Die Kläger werfen Bayer vor, dass Glyphosat Krebs auslöst, was der Konzern anhand zahlreicher Studien bestreitet. Auch Zulassungsbehörden sahen keine Probleme bei Glyphosat. Falls Bayer beim Obersten Gerichtshof nicht weiterkommt, erscheint auch denkbar, dass Bayer Glyphosat in den USA vom Markt nimmt oder Monsanto in eine Teilinsolvenz gehen lässt.

Tausende Stellen fallen weg

Der Chemieingenieur Anderson, der zuvor beim Pharmahersteller Roche gewesen war, setzt auf starken Personalabbau und auf eine Verschlankung der Arbeitsabläufe – viele Führungsstellen wurden gestrichen und Hierarchien abgebaut, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen eigenverantwortlicher arbeiten und sich besser intern vernetzen.

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Seit seinem Amtsantritt wurden 11.000 Stellen eingespart, zuletzt hatte Bayer rund 91.000 Stellen. Als Folge des Stellenabbaus und der neuen Organisationsstruktur sollen die Kosten des Konzerns im Jahr 2026 um zwei Milliarden Euro gesenkt sein. Hierbei sieht sich Bayer auf gutem Weg. Die tiefgreifende Transformation komme voran.

Zu den weiteren Prioritäten von Anderson zählt die Stärkung der Pharma-Pipeline. Dazu gibt es durchaus Fortschritte: In wenigen Wochen soll etwa ein hormonfreies Mittel von Bayer gegen Wechseljahresbeschwerden in den USA zugelassen werden. In Großbritannien ist die Zulassung für „Lynkuet“ bereits erteilt. Bayer verspricht sich von dem Mittel einen Milliardenumsatz. Weitere Pharma-Erfolge könnten in den kommenden Monaten hinzukommen.

An der Börse ist der Aktienkurs des Leverkusener Traditionsunternehmens in den vergangenen Jahren tiefer und tiefer gesunken, in Andersons Amtszeit als Vorstandsvorsitzender hat sich der Wert eines Anteilscheines in etwa halbiert. Der Tiefpunkt scheint aber überstanden zu sein, in den vergangenen Monaten ging es spürbar bergauf auf – seit April um circa acht Euro auf mehr als 27 Euro. Für langjährige Anleger dürfte das nur ein Wermutstropfen sein – 2015 waren es zeitweise mehr als 140 Euro gewesen.

rtr, sal, dpa
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