Folli Follie: Das Wunder an der Ägäis
Bei Folli Follie ist von Krise nichts zu spüren.
Foto: imago / zumapressAufgebrachte Demonstranten, verrammelte Läden in den Stadtzentren, Schlangen vor den Suppenküchen – diese Bilder prägen seit Beginn der Krise das Image der griechischen Wirtschaft. Die wenigsten Zeitgenossen denken beim Stichwort Griechenland an erfolgreiche Unternehmen. Doch es gibt sie, wenn auch selten. Eine der Vorzeigefirmen ist der börsennotierte Familienkonzern Folli Follie.
Folli…was? Tatsächlich ist der zehntgrößte Konzern Griechenlands in Deutschland noch so gut wie unbekannt. Dabei ist Folli Follie in vieler Hinsicht ein Ausnahmeunternehmen. Die Gruppe ist anders als viele griechische Großunternehmen weder ein Lizenznehmer wie die Nummer eins im Lande Coca Cola Hellenic Bottling oder Fourlis, die unter anderem Intersport und Ikea in Griechenland vertritt. Noch ist sie den klassischen hellenischen Branchen wie Seefahrt, Reisen, im Bankwesen oder im Großhandel aktiv.
Folli Follie macht seine Umsätze vor allem mit Schmuck, Uhren, Handtaschen oder Sonnenbrillen. Luxus und Lifestyle, made in Greece! Und anders als viele Unternehmen aus dem Land an der Ägäis, die ihre Umsätze vor allem auf dem Heimatmarkt machen, lebt Folli Follie vor allem vom Auslandsmarkt.
Starke Glieder
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Foto: PressebildBefreite Kreise
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Foto: PressebildNomen est omen
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Foto: PressebildGanz schön Blau
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Foto: PressebildTempomacher
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Foto: PressebildVom griechischen Niedergang ist in den Fluren der Zentrale vor den Toren Athens wenig zu spüren. „Wir machen jede Woche einen neuen Laden in China auf“, sagt der Vorstandsvorsitzende Georgios Koutsolioutsos, 45 und Sohn des Gründerehepaars Ketty und Dimitris Koutsolioutsos. Zur Zeit ist die griechische Schmuck- Uhren- und Handtaschenmarke mit 210 Läden im Reich der Mitte vertreten. Irgendwann, so die interne Planung, sollen es 1000 werden.
Platz 7: Champagner
Französischer Schaumwein bildet laut der Studie der Unternehmensberatung Roland Berger das kleinste Segment im deutschen Luxusmarkt. 400 Millionen Euro setzte die Champagner-Branche vergangenes Jahr in Deutschland um. Das sich acht Prozent mehr als noch 2010. Laut Roland Berger soll der Umsatz künftig weiterhin leicht ansteigen, größere Sprünge prognostiziert die Unternehmensberatung bei den Gewinnen.
Foto: dpaPlatz 6: Möbel
Ob Armani Casa, Ralph Lauren Home oder Fendi Casa - Luxusmodefirmen expandieren in den letzten Jahren auch ins Möbelsegment. Die Deutschen gaben 2011 rund 700 Millionen Euro für exquisite Einrichtungsgegenstände aus. das sind zehn Prozent mehr als 2010. Laut Roland Berger soll der Luxusmöbelmarkt weiter wachsen - ob bei Umsatz, Ergebnis, Investitionen oder Beschäftigten.
Foto: ZBPlatz 5: Uhren
Den größten Umsatzsprung verzeichnete der Uhrenmarkt in Deutschland: Um 28 Prozent legte der Umsatz für Chronografen auf 900 Millionen Euro zu. Roland Berger prognostiziert, dass der Umsatz weiter derart in die Höhe schnellen wird, selbes gilt für Investitionen und Neueinstellungen.
Foto: dpaPlatz 6: Mode und Accessoires
Ebenfalls beachtlich ist der Umsatzsprung bei Luxusmode: Ein Plus von 22 Prozent konnten Ballkleider, Designerbrillen und Maßanzüge verbuchen. Der Umsatz betrug vergangenes Jahr somit 1,2 Milliarden Euro. Mit derartigen Wachstumsraten soll es laut Roland Berger auch weiter gehen.
Foto: dpaPlatz 3: Schmuck
1,7 Millionen Euro betrug der Schmuckanteil des deutschen Luxusmarkts. Damit erwirtschaftete die Branche 2011 in Deutschland 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Aufwärtstrend soll anhalten.
Foto: dpaPlatz 2: Parfüm und Kosmetik
Für einen guten Duft lassen die Deutschen gerne etwas mehr springen. Parfümerie und Kosmetika machen mit 2,8 Millionen Euro den zweitgrößten Anteil am deutschen Luxusmarkt aus. Verglichen mit den anderen kleineren Segmenten ist das Wachstum jedoch recht klein: Drei Prozent betrug es 2011. Zukünftig soll es für die Branche jedoch laut Roland Berger stärker aufwärts gehen.
Foto: dpaPlatz 1: Automobile
Sein Auto ist des Deutschen liebstes Kind - dementsprechend ist die Automobilbranche auch im Luxusmarkt das stärkste Segment. 5,1 Milliarden Euro groß nach einem Umsatzanstieg von 19 Prozent. So soll es nach Roland Berger mit der Branche auch weiter gehen, vor allem bei Investitionen und Beschäftigten soll sie demnächst besonders zulegen.
Foto: REUTERS
Dank der vielen Verkaufsflächen in Wachstumsländern wie China, Indonesien, Malaysia, aber auch in den USA, Kanada oder England kann die Koutsolioutsos-Familie die Stagnation auf auf dem Heimatmarkt mehr als ausgleichen. Seit 2008 hat der Schmuckkonzern immerhin beim Umsatz um gut ein Viertel zugelegt. In der gleichen Zeit ging das Bruttosozialprodukt im Heimatmarkt um über 25 Prozent zurück. Noch erstaunlicher als das solide Wachstum des weltweiten Umsatzes ist die Tatsache, dass es der Familie gelungen ist, das Geschäft im krisengeschüttelten Inland auf einem stabilen Niveau zu halten.
In den Innenstädten von Athen oder Thessaloniki mussten nach Angaben des griechischen Einzelhandelsverbandes ESEE in den vergangenen Jahren rund ein Drittel aller Geschäfte schließen. „Es scheint wie ein Wunder, dass Folli Follie sich im Heimatmarkt so gut gehalten hat“, sagt Fotis Zeritis, Analyst beim Athener Broker Eurexx Securities. Seine Erklärung für das Mirakel im Schatten der Akropolis: „Die Familie hat über Jahrzehnte die Marke so ausgebaut, dass sie selbst unter Krisenbedingungen nicht einbricht.“
Zeritis und die meisten seiner Analystenkollegen empfehlen die Aktie zum Kauf, obwohl der Kurswert seit dem Tiefstand im April vergangenen Jahres um das sechsfache zulegte und sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelte. Offensichtlich wird die Stimmung der Anleger von der Erwartung beflügelt, dass die seit Jahren wachsenden Gewinne auch künftig weiter steigen. Legte das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen im vergangenen Jahr noch um rund sieben Porzent zu, verkündete CEO Georgios Koutsolioutsos für dieses Jahr einen Sprung um 20 Prozent auf rund 165 Millionen Euro.
Mailand statt Tokyo
Dabei verlief die Gründung alles andere als spektakulär. Eigentlich wollte Folli-Follie-Chairman und Mitgründer Dimitris Koutsolioutsos 1958 nach Japan, um dort zu studieren. Ein ungewöhnlicher Plan damals: Die Schulfreunde des späteren Unternehmensgründers bemühten sich fast ausnahmslos um Studienplätze in England oder den USA. Selbst die japanische Botschaft war überrascht und genehmigte dem Antragsteller nicht nur das Visum in kürzester First. „Ich bekam zusätzlich ein Stipendium, weil ich der erste Grieche war, der Interesse an einem Studium in Japan bekundete“, erzählt Koutsolioutsos.
Doch die Eltern des jungen Mannes baten ihn inständig, doch wenigstens in Europa zu bleiben. Die Familie war, aus dem ägyptischen Alexandrien stammend, in den 50er Jahre wie viele andere Griechen vom nationalistischen Nasser-Regime aus dem Lande gedrängt worden. Und wie in vielen Flüchtlingsfamilien spielte der Zusammenhalt auch bei den Koutsolioutsos, die nach der Umsiedlung einen Olivenhandel aufgebaut hatten, eine große Rolle. Das Japan-Projekt gab Dimitris Koutsolioutsos deshalb vorerst auf, doch so ganz wollte er auf ein Studium im Ausland nicht verzichten. Er entschloss sich, an der Mailänder Elite-Uni Bocconi zu studieren.
Der Anstoß, im Schmuckhandel tätig zu werden, kam von seiner Frau, die nach ihren Studien der Anthropologie und Soziologie in England auch in Italien studierte. Ketty Koutsolioutsos hatte schon als Jugendliche angefangen, Schmuck zu entwerfen. In Italien begannen die Jungvermählten daraus einen Nebenerwerb zu machen und ließen sich kleinere Mengen Schmuck nach den Entwürfen fertigen, die sie auf Messen verkauften. Die Kunden waren begeistert, die Stücke waren im Nu ausverkauft. „Das hat uns darin bestärkt, in das Geschäft in größerem Stil zu betreiben“, erinnert sich Ketty Koutsolioutsos.
Der Luxus erhält Einzug in die virtuelle Einkaufswelt. Der Online-Shop "The Billionaire Shop" konzentriert sich ganz auf exklusive und teure Güter: Schnelle Autos, Luxus-Villen, Helikopter und Brilliant-Uhren. Hier kommen Multi-Millionäre, die mit einem Klick ihr Geld loswerden wollen, voll auf ihre Kosten.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: ScreenshotWer das nötige Kleingeld hat: Der luxuriöse Shop versteht sich nach eigenen Angaben als Anlaufstelle für Lottogewinner, die nicht so richtig wissen, wohin mit ihrem Geld.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: ScreenshotDieses Problem dürfe mit dem Luxusshop, der im Grunde genauso wie Amazon funktioniert, gelöst sein. Eine der beliebtesten Rubriken sind die Privatjets.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: ScreenshotDie Macher des Online-Shops kommen aus Schweden und betreiben auch die internationale Glücksspiel-Seite Multilotto.com. Gegenüber Mashable sagte ein Sprecher, dass es bislang für Millionäre nicht leicht war, Luxusprodukte unkompliziert im Internet zu kaufen.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: ScreenshotWer sich eine Luxusuhr kaufen will, schiebt beispielsweise die Patek Philippe für 1.390.000 Euro in den Einkaufswagen und bezahlt dann per Mausklick.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: ScreenshotWer viel Geld hat, kann auch viel ausgeben: Zum Beispiel 289.000 Euro für einen Lamborghini, den The Billionaire Shop für seine wohlhabende Zielgruppe dann nach Hause verschifft.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: ScreenshotUnd wenn der vermögende Internet-Nutzer zu Hause merkt, dass er eigentlich lieber den schwarzen Mosler Raptor GTR haben wollte, kann er den roten Flitzer wieder zurückgeben.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: Screenshot....was im Falle der kleinen Insel auf den Bahamas (Kaufpreis 64,5 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer) allerdings nicht ganz so unkompliziert sein dürfte.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: ScreenshotDarf's noch ein Hubschrauber sein? The Billionaire Shop lässt keine Wünsche offen und hat fast alles, was das Millionärsherz begehrt.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: ScreenshotWer 116.250 Euro locker macht, kann sich auch ein exklusives Motorrad kaufen, wie diese MTT Turbine Superbike, die einen Gasturbinenantrieb hat, der auch in Hubschraubern verwendet wird - damit ist die MTT das schnellste Serienmotorad, das im Moment für die Straße zugelassen ist.
(Foto: Screenshot The Billionaire Shop)
Foto: Screenshot
In Mailand ist der Modezirkus eingetroffen: Der Startschuss zur Milano Moda Donna fällt am 18. September (Mittwoch). Mehr als 70 große Shows stehen bis zum Montag auf dem offiziellen Programm, dazu kommen noch einmal etwa ebenso viele kleinere Präsentationen. Die Laufstege werden in prachtvollen Palazzi der Innenstadt, nüchternen Industriebauten oder großen Zelten aufgebaut.
Den ersten Höhepunkt der Mailänder Modewoche bildet am Mittwochnachmittag die Vorführung von Gucci. In den Folgetagen präsentiert sich unter anderem mit Prada, Versace und Armani die Elite der italienischen Mode. Auch einige der extravagantesten Designer werden dabei sein...
Foto: REUTERSPlatz 10: Jean Paul Gaultier
Das einstige „Enfant terrible“ der Mode hat es geschafft: Nach 36 Jahren im Modebusiness ist Jean Paul Gaultier auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Dabei ist der 60-Jährige mit seinen unkonventionellen Entwürfen alles andere als angepasst. Seine Models entsprechen weder den Idealmaßen noch den Schönheitsidealen, sind gepierct, tätowiert oder übergewichtig wie Beth Dito, die letztes Jahr in Netzstrümpfen und Bustier über den Laufsteg stakste. Gaultier ist der Andy Warhol der Mode, der Mann, der Madonna den Kegel-BH und Männern den Rock anzog. Er selbst betrat den Runway Jahre lang nur in Schottenrock und Ringelpulli und entwickelte den Matrosenlook schnell zu seinem Markenzeichen.
Mittlerweile hat es seine Mode sogar in die großen Museen dieser Welt geschafft: Bis zum 19. August 2012 läuft die Ausstellung „The Fashion World of Jean Paul Gaultier: From the Sidewalk to the Catwalk” im de Young Fine Arts Museum, San Francisco.
Foto: dpaPlatz 9: Viktor & Rolf
Opulente Inszenierungen und Extreme: Das holländische Design-Duo Viktor & Rolf liebt das Spiel mit der Extravaganz. Seit ihrem Abschluss an der Modeakademie von Arnheim 1992, arbeiten Viktor Horsting und Rolf Snoeren zusammen und teilen sich, so beide wörtlich, ein „kreatives Hirn“. Ihre Kleidung ist skulptural, experimentell und so manches Design nicht vorrangig zum Tragen geschneidert. Im Vordergrund steht die Idee, nicht der Absatz.
Ganz nach dem Motto „Mode trifft Kunst“, verstehen sich die Designer als Künstler, die mit ihren Entwürfen provozieren wollen. Jede Kollektion ordnet sich einem Thema unter, dass mit einer Prise Ironie seinen Weg auf den Laufsteg findet: Überzeichnete Proportionen, abnormes Volumen und bizarre Silhouetten nicht ausgeschlossen. So trug Model Maggie Rizer einst neun Outfits übereinander.
Foto: dpaPlatz 8: Philip Treacy
Umso extravaganter das Hutmodell, umso wichtiger die Stellung in der Gesellschaft. So oder so ähnlich könnte das Motto lauten, wenn sich die Schönen und Reichen mit ihren opulenten Kopfbedeckungen mal wieder ein Schaulaufen bieten. Dass das nicht immer gut geht, bewies Prinzessin Beatrice letztes Jahr auf der Hochzeit von Prinz William: Kritiker verglichen ihren Hut zwischenzeitlich mit einem Elchgeweih, einem Alien oder gar Innereien. Am Ende wurde das gute Stück zumindest für einen guten Zweck im Internet versteigert.
Dem Ansehen von Hutmacher Philip Treacy dürfte dieser modische Reinfall dennoch nicht geschadet haben. Schon in seiner Kindheit hat der gebürtige Ire den Puppen seiner Schwester Hüte kreiert. Später designte er für Chanel oder Alexander McQueen. Seine Devise: "Einen Hut zu machen, das ist, als würde man eine Party schmeißen!" Seine Kreationen reichen von avantgardistischen Entwürfen in Hummerform, über Hüte in Schlossform bis hin zu Regenschirmen auf dem Kopf – schließlich soll für jeden, was dabei sein: „Meine Hüte funktionieren wie kosmetische Chirurgie, es gibt keine Frau, die keine Hüte tragen könnte, weil sie ihr nicht stehen. Das ist nur eine Frage des richtigen Hutes.“
Foto: dpa
Platz 7: Jean-Charles de Castelbajac
Kermit der Frosch-Puppen, bunte Legosteine und Superman auf Paillettenminis: Die Kollektionen von Jean-Charles de Castelbajac sind jedes Jahr aufs Neue ein Hingucker. Der 63-jährige Nachfahre eines Adelsgeschlecht aus Casablanca ist sich dabei für nichts zu Schade. Mit großflächigen Prints im Tierlook, Cartoon-Zitaten und Comic-Designs begeistert er schon lange Stars wie Katy Perry, Lady Gaga oder Beyoncé.
Neben Pop-Art, ist der Alltag seine größte Inspirationsquelle. So kann es schon mal vorkommen, dass er sich ein Klebeband schnappt und daraus Mode kreiert. Dabei immer an erster Stelle steht für den Designer konzeptionelles Denken – er bedient sich der Mode, um Geschichten zu erzählen.
Platz 6: Yohji Yamamoto
An Yamamotos Stil scheiden sich die Geister. Seine Kollektionen sind durchweg schwarz, provozieren und verhüllen den Träger mehr, als dass sie ihn betonen. „Frauen sollten sich auch wie Männer anziehen dürfen. Es geht mir mehr darum, Frauen zu helfen, weniger zu leiden, mehr Unabhängigkeit und Freiheit zu erlangen“, so Yamamoto. Die Designs seines Labels „Y’s“ gleichen daher auch meistens Männerkollektionen, gemacht für Frauen.
Trotz unkonventioneller Looks schafft es der japanische Designer immer wieder, seine Kunden von sich zu begeistern: Tilda Swinton, Johnny Depp, Sting, oder Juliette Binoche lieben seine Kollektionen. Trends geht Yamamoto, übrigens Träger des schwarzen Gürtels, dabei bewusst aus dem Weg. Sein Stil steht für an zeitloser Eleganz.
Platz 5: Alexander McQueen
Der britische Modeschöpfer war Meister der Gegensätze: Mit seiner Mode setzte er politische Statements, er jonglierte zwischen dem Hässlichem und dem Schönen und entwarf nebenbei wundersam poetische Kleider, die mit jedem Design eine andere Geschichte erzählten. Durch seine radikalen Ideen löste er oft Kontroverse aus, die aber nicht über seine Fähigkeiten als Designer hinwegtäuschen konnten: Dramatische Roben, kreative Drapierungen und extravagante Kopfbedeckungen waren seine Welt.
Abseits des Laufstegs führte der Designer mit dem Bad-Boy-Image allerdings ein einsames Leben: Er galt als scheu und zurückhaltend, hatte kaum Freunde. Nachdem sich Isabelle Blow, McQueens Muse, 2007 das Leben nahm, beging auch McQueen 2010 Selbstmord – ein Tag vor der Beerdigung seiner Mutter. Die Autopsie ergab, dass sich der Designer unter Drogeneinfluss erhängt hatte. Trotz seines tragischen Todes wird die Marke weiterhin fortgeführt.
Foto: REUTERSPlatz 4: Rei Kawakubo
Rei Kawakubo, die zierliche Modemacherin mit dem Pagenschnitt, ist die Designerin hinter dem Label „Comme des Garçons“. Ihre Avantgarde ist häufig verstörend, ihre Outfits zerfetzt und übersät mit Löchern. Als sie ihre Looks 1981 das erste Mal auf den Pariser Schauen zeigte, kritisierte die Branche ihre Designs als „postatomarer Fetzenlook“ oder Hiroshima-Chic“. Kawakubo entgegnete, die Mode funktioniere nun mal durch die Vergänglichkeit, der Verfall mache sie erst lebendig. Trotz Kritik blieb sie ihrem Motto treu und schafft jede Saison radikal neue Kleidungsstücke und nie dagewesene Formen.
Platz 3: Martin Margiela
Mit Strumpfhosen über dem Kopf und mit verbundenen Augen schickte der belgische Designer Martin Margiela seine Models einst über den Laufsteg in einem Pariser Leichenschauhaus. Seine Idee dahinter: Nicht die Gesichter, sondern allein seine Entwürfe sollen im Mittelpunkt der Schauen stehen. Deswegen hält auch er sich ganz der Öffentlichkeit fern, gibt weder Interviews, noch lässt er sich fotografieren. Stellung bezieht er grundsätzlich nur per Fax, in der er von sich selbst in der dritten Person Plural spricht.
Aufmerksamkeit erlang er trotzdem mit seiner Mode, die durch ihr „Recycling“-Konzept besticht: Margiela zertrennt alte Klamotten, färbt sie um, setzt neue Reißverschlüsse und verwandelt so Jeanshosen in Röcke und Armeestrümpfe in Pullover. Daneben entwirft der 55-Jährige Smokingjacken mit Plastikkugelschreibern als Fransen oder Schallplatten-Jacken, dessen Träger eine schwarze Scheibe um den Kopf tragen soll. Als Marken-Erkennungszeichen dient dabei immer ein eingenähtes Baumwollwäscheband, das an jeder Ecke mit weißen Heftfäden in das Kleidungsstück eingearbeitet ist. Darauf zu sehen sind die Zahlen 0 bis 23, jede Zahl steht für eine Kollektion, die aktuellste mit einem Kreis umkringelt.
Platz 2: John Galliano
1960 in Gibraltar als Arbeiterkind geboren, gilt John Galliano als Kostümbildner unter den Designern. Seine Spezialität sind aufwendige Schauen, auf denen er Models in üppigen Volantroben über die Laufstege schickt. Mit prächtigen Blütenkreationen oder figurbetonten Reiterlooks feierte er die Weiblichkeit jede Saison aufs Neue und verstand dabei, historisch inspirierte Mode mit neuen Einflüssen zu mischen.
Einen Namen machte er sich vor allem bei dem geschichtsträchtigen Modehaus Dior, das gleichzeitig auch sein Ende als Designer markierte. 2011 suspendierte ihn das Unternehmen wegen antisemitischen Äußerungen und Hasstiraden in einem Pariser Restaurant. Kurze Zeit später wurde Galliano erneut ausfallend, äußerte, er liebe Hitler. Daraufhin feuerte ihn Dior endgültig. Nun soll Raf Simons, ehemaliger künstlerischer Direktor bei Jil Sander, den modischen Chefsessel bei Dior übernehmen
Foto: REUTERSPlatz 1: Vivienne Westwood
Die selbsternannte „Queen of Punk“ zählt zu den wichtigsten Modemachern unserer Zeit. Mit ihren exzentrisch zusammengesetzten Kombinationen aus historischer Kleidung, Webmustern und ihrer Vorliebe für schottische Karos revolutionierte sie die Mode. Über Geschmack lässt sich dabei bekanntlich streiten, nicht nur, wenn man ihre Latex-Outfits betrachtet oder Models mit kindlich-verspielten Kronen auf dem Kopf: "Geschmack ist eine der schwierigsten Sachen, noch viel seltener als Intelligenz", räsonierte die Britin in einem Interview. "Nicht viele Menschen haben Geschmack.“
Begonnen hat ihre modische Karriere in den 1970er Jahren. Ihr damaliger Mann und Manager der Sex-Pistols, Malcolm McLaren, überredete sie, eine eigene Boutique unter dem Namen „Let it rock at Paradise Garage“ zu eröffnen. Es folgten Entwürfe im Stil der „Teds“, eine modische Hommage an James Dean, Fetisch-Kollektionen und schließlich die ersten Punk-Looks. Seitdem ist sie die Mutter der modischen Punk-Szene und Fetisch-Queen: Immer wieder zeigt sie Latex-Kollektionen, die direkt einer Sadomaso-Party entstammen könnten. Denn Mode habe immer was mit Sex zu tun, so die 72-Jährige.
In Italien mauserten sich damals die großen Luxusmarken von Namen, die unter Kennern geschätzt waren, zu internationalen Nobelbrands. Das junge Paar wurde schnell in der Modeszene bekannt, verkehrte unter anderem mit der Miuccia Prada, der Prinzipalin des gleichnamigen Taschenmachers. In jenen Jahren kam die Idee auf, ein eigenständiges Label zu schaffen.
Weil Italien damals als neu entdecktes Luxusland mehr in Mode war als je zuvor, gaben die Gründer ihrer Marke den italienischen Namen Folli Follie: Verrückte Verrücktheiten. Der Name erwies sich als glückliche Wahl. Er wird auch von Franzosen und Angelsachsen verstanden, ist überall leicht auszusprechen und hat in keiner Sprache der Welt eine lächerliche Nebenbedeutung. Vor allem wollten sich die Gründer mit dem ungewöhnlichen Namen von den klassischen Schmuck- und Uhrenmarken absetzen. Frech sollte die Marke sein, witzig und alles andere als staatstragend.
Die beiden sattelten noch eins drauf: Statt sich in der Modehochburg Mailand zu etablieren, beschlossen sie, ihre frisch geschaffene Marke in Griechenland aufzubauen. 1982 war es so weit: Sie eröffneten ihren ersten Laden an der Solonos-Straße. Für das junge Unternehmerpaar war der Start auf einer der führenden Athener Einkaufsmeilen ein mutiger Schritt, der sich jedoch schnell bezahlt machte.
Der neue Laden kam bei den Athenerinnen an – nicht zuletzt, weil Folli Follie geschickt die Marktlücke zwischen Modeschmuck und Luxus besetzte. Zielen die herkömmlichen Schmuckmarken auf die großen Ereignisse wie Hochzeiten, runde Geburtstage oder Verlobungen als Anlass für den Kauf ihrer Prezisiosen, so standen die Armbänder oder Ringe von Folli Follie von Anfang an für den kleinen Luxus, den sich die Kunden auch ohne feierlichen Grund leisten wollen. Bezahlbar sollte der Luxus bleiben, auf diese Positionierung legt die Familie bis heute Wert. Nur wenige Schmuckstücke kosten mehr als 300 Euro, die meisten Armbänder kosten weniger als hundert Euro, der teuerste Ring kommt auf hundert Euro. Einzig bei der britischen Marke Links of London, die seit 2006 zum Konzern gehört, gibt es preisliche Ausreißer, die bis zu 5000 Euro gehen.
Entsprechend ist das Design der Stammmarke: Verspielt, jung, ein Mix von verschiedenen Materialien. Edelmetalle finden sich bei Folli Follie nur an der Oberfläche der Schmuckstücke. Statt Edelsteine zieren Glas aus dem venezianischen Murano oder Strasssteine die Ringe und Ketten. „Die typische Folli-Follie-Trägerin ist nicht etwa Staranwältin mit einem Jahreseinkommen von über 500 000 Euro oder die wohlhabende Erbin, sondern die berufstätige Mutter, die möglicherweise noch einen Hauskredit abzahlt und im Büro gut gekleidet sein will, aber nicht 2000 Euro für eine Handtasche ausgeben kann“, sagt Georgios Koutsolioutsos.
Für diese Positionierung war Griechenland zur Zeit der Gründung von Folli Follie der ideale Markt, denn damals gab es im mittleren Preissegment so gut wie kein Angebot auf dem griechischen Schmuckmarkt. Hinzu kam, dass es im Land der Hellenen seit der Antike eine starke Juweliertradition gibt. Zwar hat das Unternehmen wie andere inzwischen einen Großteil der Produktion nach China und in andere Niedriglohnländer verlagert, aber die Produkte für Links of London werden noch immer fast ausschließlich im Stammland hergestellt.
Louis Vuitton Moet Hennessy
2012 hat LVMH mit Champagner, Handtaschen und Mode und Parfum seinen Umsatz um 19 Prozent auf 28,1 Milliarden Euro gesteigert. Die Übernahme von Bulgari spülte ordentlich Geld in die Kassen. Der Gewinn erhöhte sich um 12 Prozent auf 3,42 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2013 setzt Chef Bernard Arnault die Erfolgsgeschichte fort. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn legte um zwei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Mode und Lederwaren, die umsatzstärkste Sparte im Konzern, erzielte mit einem Plus von fünf Prozent ein geringeres Wachstum als im Vorjahreszeitraum.
Das Geschäft mit dem Luxus macht sich für Arnault bezahlt. Er ist die reichste Person Frankreichs mit einem Vermögen von rund 27,5 Milliarden US-Dollar. Der Milliardär besetzt Platz 7 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt. Ein Blick auf das Luxus-Reich des Bernard Arnault.
Foto: REUTERSLouis Vuitton
Louis Vuitton ist eine der Hauptmarken von LVMH (die Abkürzung steht für Louis Vuitton Moët Hennessy) und wird in dem Bereich "Fashion and Leather Goods" gezählt. Die französische Edelmarke wurde 1854 gegründet und wurde durch flache und praktische Koffer, welche gut auf einer Reise gestapelt werden konnten, erfolgreich.
Ebenfalls zum Konzern gehören zum Beispiel Marc Jacobs, Fendi und Donna Karan.
Foto: APBULGARI
Das Unternehmen wurde am 7. März 2011 mit einem Wert von etwa 3,7 Milliarden Euro von LVMH übernommen. Die italienische Firma stellt Schmuck, Accessoires, Juwelen und Parfüm her. Der Bulgari-Aktienkurs schoss bei Übernahme um rund 60 Prozent nach oben.
Foto: ReutersMoët & Chandon
Champagner von Moët & Chandon kann schon einmal 250.000 Euro kosten – kein Wunder also, dass allein der Bereich für Wein und Spirituosen etwa ein Fünftel des gesamten LVMH-Gewinns ausmacht. Das Weingut entstand bereits 1743, gehört jedoch erst seit 1987 zu LVMH.
Ebenfalls zum Konzern gehören die Champagner-Marken Dom Pérignon, Veuve Clicquot und die Cognac-Marke Hennessy.
Foto: dpaDior
Mit etwa 80 Prozent ist Dior im Bereich "LVMH – Parfum & Kosmetik" der wesentliche Umsatzträger. Einer der größten Kunden im Parfumbereich ist die deutsche Kette "Douglas". Weitere Top-Parfum-Marken im LVMH-Portfolio sind Guerlain, Givenchy, Kenzo und Fendi Parfumes.
Foto: APTAG Heuer
Auch die Uhrenmarke TAG Heuer gehört zum LVMH-Imperium. Die Marke wurde bereits im Jahre 1860 von Edouard Heuer in Saint-Imir gegründet. Der erste große Erfolg des Unternehmens war der Verkauf der ersten Patente für einen Stoppuhrmechanismus 22 Jahre später. 1999 wurde die Firma ein Teil von LVMH. TAG Heuer stellt unter anderem Mobiltelefone, Uhren und Brillen her.
Auch der Schweizer Luxusuhrenhersteller Hublot und der weltweit größte Diamantenproduzent De Beers gehören zum LVMH-Reich.
Foto: PressebildLes Echos
Les Echos ist eine französische Finanzzeitung, zum ersten Mal 1908 veröffentlicht. Auch sie ist seit 2007 Teil des Luxusgiganten.
Foto: ScreenshotHermès
Das französische Unternehmen Hermès wurde 1837 von Thierry Hermès gegründet. LVMH hält gut 20 Prozent an Hermès. Unter anderem ist das Unternehmen für seine Seidentücher und Seidenschals bekannt, welche bis zu 800 Euro kosten.
Foto: dpaRoyal Van Lent Shipyard B.V.
Den niederländischen Hersteller, der seine Motoryachten unter der Marke "Feadship" verkauft, hat LVMH 2008 für rund 300 Millionen Euro übernommen. Die Super-Yachten kosten im Schnitt über 30 Millionen Dollar.
Foto: Screenshot
Das Unternehmen wuchs in ersten Jahren nach der Gründung erfreulich, blieb aber bis Mitte der Neunzigerjahre beim Umsatz unter umgerechnet 10 Millionen Euro. Der große Schub kam mit der Internationalisierung. Auch hier ging die Familie einen ungewöhnlichen Weg. Statt im nächstbesten Nachbarland den Auslandsmarkt anzutesten, entschloss sich Dimitris Koutsolioutsos mit fast 40-jähriger Verspätung seinen Japan-Traum zu verwirklichen und eröffnete 1995 den ersten Folli-Follie-Laden jenseits der griechischen Grenzen in Tokio. Noch im gleichen Jahr startete die Familie mit Boutiquen in Guam und Hawaii, den bevorzugten Reisezielen japanischer Touristen, aber auch in New York.
Japan ist mit 73 Verkaufsstellen von weltweit rund 590 Verkaufsflächen noch immer einer der stärksten Märkte der Gruppe. Anders als in Deutschland kennt in Japan jedes Kind Folli Follie. Die Marke rangiert in Nippon inzwischen unter den zehn bekanntesten Accessoires- und Luxusmarken. Trotz der Erfolge im Ausland bleibt Griechenland heute mit 26 Prozent des Umsatzes von weltweit 1,11 Milliarden Euro (2012) noch ein beachtlicher Markt – auch wegen der drei Kaufhäuser, die Folli Follie in Athen und Thessaloniki betreibt und wegen des Handelsgeschäftes mit Sport- und Modeläden in Griechenland und einigen Nachbarländern. Die Krise haben die Koutsolioutsos’ nach typischer Manier eines Familienunternehmens gelöst: Es gab in Griechenland keine betriebsbedingten Entlassungen, aber die Angestellten verzichteten auf 15 Prozent ihrer Bezüge. Alle Geschäftsabläufe wurden durchleuchtet; die Mieten für die Läden im Fremdbesitz um die Hälfte gekürzt.
Die Zukunft von Folli Follie aber liegt in Asien, wo die Gruppe inzwischen fast zwei Drittel ihres Umsatzes macht. Vor allem in China legt die Marke zu. Im Reich der Mitte geht die Familie nach einem ähnlichen Muster wie seinerzeit bei der Gründung in Griechenland vor: Sie profitiert von der wachsenden Mittelschicht, die sich Armbänder von Cartier oder die Handtaschen von Hermès zum Preis von umgerechnet mehreren tausend Euro nicht leisten kann, aber auf schicke Accessoires für hundert oder 200 Euro nicht verzichten will.
Das boomende China-Geschäft ist auch der Grund, warum die Familie das Geschäft in Deutschland im Jahr 2006 – nur zwei Jahre nach dem Anlauf - wieder zurück gefahren hat. „Wir können mit gleichen Investitionen in China viel mehr erreichen“, heißt es in der Zentrale im Athener Vorort Agios Stefanos. Auch die Trennung von der Reisehandelstochter Hellenic Duty Free, dient vor allem zur Verstärkung der Feuerkraft in China. Mit dem Verkauf konnte Folli Follie seine Bilanz erheblich stärken. Die Restbeteiligung von 49 Prozent ging vor zwei Wochen an den Schweizer Duty-Free-Händler Dufry, der im Frühjahr bereits 51 Prozent der Anteile gekauft hatte. Folli Follie ist im Gegenzug mit vier Prozent an dem Schweizer Unternehmen beteiligt und verfügt damit einen Steigbügel für das internationale Duty-Free-Geschäft, den es mit Hellenic Duty Free, die nur in Griechenland aktiv war, nicht hatte. Erster Schritt soll die Eröffnung von Folli-Follie-Shops auf brasilianischen Flughäfen sein.
Dass Folli Follie weltweit weiter zulegt, liegt auch im Interesse von Guo Guangchang, Mitgründer und Vorstandvorsitzender der chinesischen Holding Fosun. Guo, der im Reich der Mitte häufig als der „chinesische Warren Buffett“ bezeichnet wird, stieg mit seiner Gruppe vor zwei Jahren bei Folli Follie ein und hält heute rund 14 Prozent des Unternehmens, das seit 1997 an der Börse gelistet ist. Ein weiteres Paket von rund sieben Prozent befindet sich in Händen von Fidelity Investment.
Die Gründerfamilie begnügt sich heute mit 39 Prozent der Anteile. Von einer spürbaren Verwässerung des Einflusses kann jedoch keine Rede sein. Sohn Georgios ist seit Anfang 2011 Vorstandsvorsitzender, Vater Dimitris sitzt dem Verwaltungsrat vor, in dem auch Mutter Ketty Koutsolioutsos vertreten ist. Und wie in den frühen Tagen des Unternehmens liegt die Verantwortung für das Design der Marke noch immer in Händen der Mutter.
Die Mehrheit der Verwaltungsräte folgt bei den Abstimmungen ohnehin den Familienvertretern – aus gutem Grund. „Seit über dreißig Jahre ist die Familie der Garant für den Erfolg“, sagt ein Athener Branchenanalyst, „die familienfremden Aktionäre wären ganz schön blöd, wenn sie die Familie vergraulen würden.“