Kaiser's Tengelmann Gespräche zur Rettung könnten scheitern

Die Verhandlungen zur Rettung der über 15.000 Arbeitsplätze bei der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann könnten Insidern zufolge in letzter Sekunde doch noch scheitern.

Welcher Supermarkt die besten Eigenmarken hat
Platz 8: Real "Selection", "Bio", "Quality" und "Tip" heißen die Eigenmarken, mit denen Real Kunden überzeugen will. Wie seine Konkurrenten verspricht die Handelskette der Metro-Gruppe Marken-Qualität zum kleinen Preis. In den Tests der Stiftung Warentest der vergangenen fünf Jahre unterlag Real mit seinen Angeboten allerdings häufig den Mitbewerbern. Die Produkte erhielten die Durchschnittsnote 2,99. Quelle: Das Vergleichsportal Vergleich.org hat aus 65 Testberichten der Stiftung Wartentest im Zeitraum von 2011 bis 2015 die besten Eigenmarken deutscher Supermärkte ermittelt. Quelle: dpa
Netto Quelle: dpa
Platz 6: Aldi SüdDie Billigheimer von Aldi sind auch mit Eigenmarken wie Alpenmark, rio d'oro und Knusperone groß geworden. Mit einer Durchschnittsnote von 2,78 landet Aldi Süd im Qualitätsranking aber nur auf dem 6. Platz. Quelle: dpa
Platz 5: EdekaNicht nur die Discounter werben offensiv mit Eigenmarken. Auch Edeka vetreibt offensiv Marken wie "gut&günstig". Die Produkte des Lebensmittelhändlers erhielten im Durchschnitt die Note 2,66. Quelle: dpa
Platz 4: PennyIm Penny-Porfolio finden sich Marken wie "Naturgut", "San Fabio", "Bäckerkrönung" und "Penny Bunte Basics". Durchschnittsnote: 2,62. Quelle: dpa
Platz 3: ReweDie Supermarktkette Rewe landet mit ihren Eigenmarken - darunter "Beste Wahl", "Rewe Bio" und "ja!" - und einer Durchschnittsnote von 2,61auf Rang zwei. Quelle: dpa
Platz 2: Aldi NordAldi-Nord kommt mit einer Durchschnittsnote von 2,56 auf den zweiten Platz. Die No-Name-Artikel der Supermärkte stammen übrigens selten von ihnen selbst. Fast immer lagern die Händler die Produktion an Hersteller aus - häufig sogar an jene, deren eigene Markenartikel nebenan im Regal stehen. Hinter Aldis " Van Botta Keksen" etwa versteckt sich der "Leibniz"-Keks. Quelle: AP

Es gebe noch keine Annäherung bei der Umsetzung des von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder vermittelten Schlichterspruchs, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche seien schwierig, sagte ein anderer Insider. Hauptstreitpunkt zwischen Rewe und Edeka, die Kaiser's Tengelmann unter sich aufteilen wollen, sei weiter die Verteilung der Märkte in Berlin: "Man kloppt sich um die Filial-Liste", sagte ein weiterer Insider. Schröder habe zwar die Richtung für eine Lösung vorgegeben, "aber noch ist nichts festgezurrt", sagte eine weitere mit dem Vorgang vertraute Person. Edeka, Rewe und Tengelmann wollten die Angaben nicht kommentieren.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte Ende Oktober einen erfolgreichen Abschluss der Schlichtung verkündet. "Nun ist klar, dass die Einigung komplett auf der Basis der Ministererlaubnis vollzogen wird", hatte Verdi-Chef Frank Bsirske gesagt. Es solle für sieben Jahre Sicherheit für die Arbeitsplätze geben, betonte Gabriel. Doch zentrale Details sind Insidern zufolge weiter umstritten. Neben der Verteilung der Filialen in Berlin seien dies Kaufpreise, die Verteilung der Lasten zwischen Edeka und Rewe sowie die Zukunft von Märkten in Nordrhein-Westfalen.

Vertreter der Supermarktketten hatten den Insidern zufolge am Freitag erfolglos versucht, einen Durchbruch zu erzielen. Die Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden. "Es kann gut sein, dass das am Montag auseinanderfliegt", sagte ein Insider. Noch gebe es aber Chancen auf einen Kompromiss, dieser müsse aber sowohl für Rewe als auch für Edeka wirtschaftlich vertretbar sein, sagte ein anderer mit den Gesprächen Vertrauter. Dieser müsse den Unternehmen zudem Rechtssicherheit bieten. Auch muss das Bundeskartellamt eine Einigung unter die Lupe nehmen.

Wie sicher ist der Deal?

Eigentlich wollte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub die verlustschreibende Kette als Ganzes an den Branchenprimus Edeka verkaufen. Das stieß aber beim Bundeskartellamt und bei Edeka-Konkurrenten auf Widerstand. Da Tengelmann die Kaiser's-Kette nicht behalten will, war Mitte Oktober die Zerschlagung eingeleitet worden. Nach Appellen unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gabriel zur Rettung hatte eine Schlichtung unter Schröder begonnen, die Gabriel und Bsirske am 31. Oktober für erfolgreich erklärten.

Insidern zufolge soll Rewe in Berlin Kaiser's-Tengelmann-Filialen mit einem Umsatzvolumen von rund 300 Millionen Euro erhalten. Die Läden in Bayern sollen an Edeka gehen. Im Gegenzug soll Rewe seine Klage gegen die Ministererlaubnis bis zum 11. November zurückziehen - die Gerichte wären dann aus dem Spiel. Bislang gehen die Verfahren aber weiter.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat für den 16. November einen neuen Verhandlungstermin zur Ministererlaubnis anberaumt. Dieser Termin ist Insidern zufolge aber nicht in Stein gemeißelt. Signalisierten die Parteien dem Gericht, dass sie sich außergerichtlich einigen wollten, könnte das Verfahren ausgesetzt werden.

Doch allzu viel Zeit bleibt trotzdem nicht für eine Einigung. Tengelmann-Chef Haub hat deutlich gemacht, dass ihm angesichts laufender Verluste der Kette die Geduld ausgehen könnte. Ohne eine Einigung käme es dann doch noch zum Einzelverkauf der Märkte und damit zur kompletten Zerschlagung.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%