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Werner knallhartLebensmittel-Preise: Ein Hoch auf die deutschen Eigenmarken

Die deutschen Lebensmittelhändler senken – angeführt von Lidl – die Preise radikal und dauerhaft. Das funktioniert vor allem wunderbar dank deren Eigenmarken. Wer die kauft, zeigt Überzeugung und Charakter. Eine Kolumne.KOMMENTAR von Marcus Werner 31.05.2025 - 16:11 Uhr
Ein Supermarktregal gefüllt mit Müsliprodukten. Foto: Imago

Die Lebensmittelpreise purzeln gegenwärtig derartig, dass diese Tatsache es Anfang der Woche sogar in die Hauptnachrichtensendungen geschafft hat.

In diesem Fall dank Lidl. Der Discounter hat zuerst gezuckt, überzieht die Republik mit einer knalligen Dauerhaft-im-Preis-gesenkt-Kampagne und die anderen ziehen jetzt nach: Kaufland (gehört eh mit Lidl zusammen), die beiden Aldis, Rewe, Edeka, alle. Das ist ja so witzig in Deutschland: Senkt einer den Butterpreis von 2,49 Euro auf 1,99 Euro, machen das die anderen auch. Alle behaupten, die tiefsten Preise zu haben. Und so haben alle die gleichen.

Und noch witziger: Lidl kündigt an, die Preise zu senken. Die anderen sagen dann: Das machen wir auch. Fragt man dann, welche Produkte denn billiger werden, heißt es: Wissen wir noch nicht, wir gucken erstmal, was Lidl billiger macht.

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Stellen wir uns mal vor, wie das wohl etwa bei Rewe läuft. Montagmorgen in der Kölner Zentrale: Die zuständige Person – Leiterin Einkauf oder so, nennen wir die Rebecca: „Kinners, Lidl macht mal wieder ernst mit deren Lidl-lohnt-sich-Trara.“ 
Allgemeines Gestöhne in der Runde.

Rebecca: „Ja, Leute, mich nervt es auch. Aber that‘s the game, ne? Wir ziehen nach. Und zwar auf den Cent. Leon, du hast doch ein Fahrrad. Du fährst jetzt mal zu Lidl und machst Fotos von allem, wo was mit Prozent drauf steht. Und das machen wir dann nach.“
Leon: „Auch im Gang mit den Gartenmöbelauflagen und Heckenscheren?“
Rebecca: „Nein.“

Für uns Verbraucher heißt das: Wenn wir uns preiswert mit den Grundnahrungsmitteln eindecken wollen, können wir ganz entspannt zu jedem beliebigen Lebensmittelladen fahren. Von Zucker, Milch und Butter über Hering in der Dose bis Proteinpudding kosten die Eigenmarken standardmäßig im Prinzip alle das Gleiche.

Wir verdanken den Eigenmarken also:

1. niedrige Preise. Ja, die Preise für die Eigenmarken haben in den vergangenen Jahren zwar besonders angezogen, waren aber freilich immer noch niedriger als die der Markenhersteller. Und jetzt fallen sie mitunter um mehr als 30 Prozent.

2. entspanntes Shoppen. Die Angst, dass die Schlagsahne bei Aldi etwas billiger sein könnte als bei Lidl, ist nach dem Wir-ziehen-nach-Prinzip unbegründet.

3. Top-Qualität. Es ist ja so irre. Aber die Eigenmarken der Lebensmittelhändler und auch Drogeriemärkte gewinnen reihenweise Produkttests. Oder landen als Preis-Leistungs-Sieger auf Platz 2 oder so. Sei es Schokolade, Sonnencreme, Waschmittel oder Olivenöl. Eigenmarken sind billiger UND preiswerter. Bei der Marke zahlen Sie oft nur fürs durch Werbung aufgebaute Image. Für heiße Luft.

4. den Durchbruch für Bio-Produkte als Massenware. Produkte von Rewe Bio etwa sind häufig billiger als das konventionelle Produkt des Markenherstellers. Beispiel: Körniger Frischkäse (Hüttenkäse) von Gervais: 200 Gramm für 1,79 Euro, von Rewe Bio 200 Gramm für 1,49 Euro.

Warum dann noch Markenprodukte kaufen? Gut, eine Schokoladen-Tafel Lindt Excellence feinherb Caramel Salz (3,99 Euro) ist für viele Feinzungen nicht vergleichbar mit einer Tafel Ja! Alpenvollmilch (99 Cent), aber die Ja! ist immerhin Fairtrade.

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Und vergleicht man ein- und dasselbe Produkt, zum Beispiel eine Dose Heringsfilets in Tomatensoße, dann sind Qualitätsunterschiede zwischen Marke und Eigenmarke meist nicht vorhanden, zumal Markenhersteller ihre Produktionsstraßen damit besser auslasten, für die Discounter noch die Eigenmarken-Dosen mit ihren Marken-Produkten zu füllen.

Da unterscheidet sich der Markenhering vom Eigenmarkenhering höchstens und allein darin – und das ist wirklich wahr und von einem Markenhersteller bestätigt –, dass beim teureren Markenprodukt die Heringe hübscher in der Dose liegen.

So! All das zusammengenommen, spricht für einen vernünftigen Verbraucher doch alles dafür, die Eigenmarken in aller Regel zu bevorzugen. Die Markenprodukte haben meist nur einen nennenswerten Vorteil: mehr Bling-bling.

Auf einer Grillparty eine Tüte Kartoffelchips von Aldis Sun Snacks auf den Tisch zu werfen, kommt vielen immer noch wie Knauserei vor. Da reüssiert man entweder mit Lorenz, Lay's oder Funny Frisch. Hinnehmbar ist da höchstens (aber wirklich höchstens) eine Eigenmarke aus dem Bio-Segment.

Wir könnten da voller Überzeugung auftrumpfen: Wer Eigenmarken kauft, unterstützt ein unter vielen Aspekten cleveres Angebot in Zeiten stark gestiegener Preise.

Die Lebensmittel-Eigenmarke ist sozusagen der Skoda unter den Lebensmitteln. Vernünftig, innovativ, preiswert und oft die beste. Heiße Werbeluft ist nur für Leute, die das nicht wissen.

Und jetzt viel Spaß beim Sparen. Bei welcher Ladenkette auch immer.

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