René Benkos Insolvenz: Raus aus den Schulden – irgendwann
Vom Immobilien- und Handelstycoon zum Pleitier: Der österreichische Unternehmer René Benko.
Foto: imago imagesOhne Abitur zum Selfmade-Milliardär – und nun zum Großpleitier: So lautet die Kurzversion der Auf- und Abstiegsgeschichte von René Benko. Das Landesgericht Innsbruck hat am Freitag ein Konkursverfahren über das Vermögen des Tiroler Investors und Signa-Gründers eröffnet.
Zum Insolvenzverwalter wurde der Anwalt Andreas Grabenweger aus Innsbruck bestellt. Das Verfahren bezieht sich nach Angaben des österreichischen Kreditschutzverbands 1870 (KSV1870) auf Benkos Beratungsunternehmen und sein Privatvermögen. Gleichzeitig erstrecke sich die Wirkung eines in Österreich eröffneten Insolvenzverfahrens auch auf etwaiges im Ausland gelegenes Vermögen.
Benko hatte über Jahre ein Imperium mit vielen prestigeträchtigen Immobilien aufgebaut und galt lange als einer der reichsten Österreicher. In Deutschland wurde er vor allem durch den Kauf der KaDeWe-Immobilien bekannt. Im vergangenen Herbst kam allerdings ans Licht, dass die von ihm gegründete Signa-Gruppe in Schieflage geraten ist. Ende November meldete zunächst die Dachgesellschaft Insolvenz an, bald darauf mehrere Tochterunternehmen. Die Schulden belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro. Und nun folgt also auch der Gründer selbst seinem Imperium in die Pleite?
Komplexe Vermögensverhältnisse
Tatsächlich ist die Sache etwas diffiziler: Zur Überraschung der Kreditschützer stellte Benko den Antrag auf ein Konkursverfahren und nicht auf ein Sanierungsverfahren. Das Problem dabei für Benko: Die Entschuldung könnte nun deutlich länger dauern. „Denn in Österreich beginnt erst nach der Verwertung des Vermögens ein so genanntes Zahlungsplanverfahren“, sagt Robert Hänel, Partner der Kanzlei Anchor und Experte für internationales Insolvenzrecht. Die Schuldbefreiung könne daher „bei komplexen Vermögensverhältnissen sehr lange dauern“, erläutert Hänel.
Bereits die Frage, welches Vermögen eigentlich Benko zuzurechnen ist und welches seiner Familie, dürfte je nach Perspektive unterschiedlich beantwortet werden. Seinen Familienstiftungen sollen laut Medienberichten unter anderem wertvolle Kunstwerke von Pablo Picasso gehören. Benko verfügte auch über eine Jacht und allerlei Villen. Unklar ist, wie hoch seine Schulden sind.
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Allein die österreichischen Finanzbehörden haben aber offenbar Steuerschulden von knapp zwei Millionen Euro fällig gestellt. Und die Forderungen an den Unternehmer dürften noch wesentlich höher ausfallen. Zum Beispiel versucht der Staatsfonds Mubadala in Abu Dhabi, 713 Millionen Euro von Benko und von Signa-Gesellschaften einzutreiben. Es ist zudem denkbar, dass Benko persönliche Haftungen für Signa-Verbindlichkeiten übernommen hat. Geklärt werden muss zudem, welche Vermögensbewegungen in der Vergangenheit stattgefunden haben.
Eine Option bleibt Benko offenbar, um den Ablauf der Insolvenz und damit die eigene Entschuldung zu beschleunigen: Es besteht die Möglichkeit, im Zuge des Verfahrens einen Sanierungsplan zu erstellen. Läuft für René Benko alles optimal, könnte er seine Schulden dann „in weniger als einem Jahr los sein“, weiß Experte Hänel.
Die Hürden sind dafür allerdings recht hoch. „In einem Sanierungsplan muss den Gläubigern eine Mindestquote von 20 Prozent auf ihre Forderungen angeboten werden“, erklärt Hänel. Zudem müsse die Gläubigermehrheit „dem Sanierungsplan zustimmen, damit das Verfahren abgeschlossen werden kann“.
Doch kann Benko so viel Geld aufbringen? Wenn ein Schuldner nicht direkt ein Sanierungsverfahren anstrebe, sondern wie Benko in einem ersten Schritt Konkurs anmelde, könne das daran liegen, dass der Schuldner nicht über die Mindestquote von 20 Prozent verfüge, sagte Gerhard Weinhofer von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform der Nachrichtenagentur dpa.
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