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SchokoladeLindt & Sprüngli trotzt gestiegenen Kakaopreisen

Das Schweizer Unternehmen verbucht Wachstum, während sich Schokolade für Verbraucher weiter verteuert. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht.Kevin Gallant 04.03.2025 - 15:55 Uhr

Lindt & Sprüngli konnte im vergangenen Geschäftsjahr zwar wachsen, hatte aber auch mit den stark gestiegenen Rohstoffpreisen für Kakao zu kämpfen.

Foto: dpa

Die Auswüchse der Preisexplosion zeigen sich besonders an Feiertagen. In der vergangenen Weihnachtszeit etwa kosteten Schoko-Weihnachtsmänner bis zu 50 Prozent mehr, je nach Marke und Größe. Lebkuchenherzen verteuerten sich um bis zu 32 Prozent, Dominosteine um bis zu zwölf Prozent.

An Ostern steigt die Nachfrage ebenfalls. Die Schoko-Osterhasen liegen schon einige Wochen vor dem Fest in den Ladenregalen. Knapp 120 Millionen Stück gehen dieses Jahr an Discounter, Supermärkte und Warenhäuser. Davon berichtet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Ungefähr genauso viele werden exportiert. Alle zum gleichen Preis wie im vergangenen Jahr? Eher nicht.

Denn auch abseits der Feiertage wurde Schokolade zuletzt teurer. Der Preis für die klassische 100-Gramm-Tafel hat sich im Laufe des vergangenen Jahres um fast 15 Prozent erhöht, berichtet das Statistische Bundesamt. Einer der größten Hersteller, Alfred Ritter, erhöhte den Preis für die Alpenmilch-Tafel seiner Marke Ritter Sport zum Beispiel um fast 27 Prozent. Auf 1,89 Euro statt 1,49.

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Das Unternehmen teilte Ende Januar mit, dass man wegen der hohen Rohstoffkosten auf ein schwieriges Geschäftsjahr 2024 zurückblickt. Der Umsatz sei zwar von 561 Millionen Euro im Jahr 2023 auf nun 605 Millionen gestiegen. Die Ertragslage sei dennoch nicht zufriedenstellend.

Preissteigerungen haben zur Profitabilität beigetragen

Nun legte auch Konkurrent Lindt & Sprüngli die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Das Schweizer Traditionsunternehmen steigerte seinen Umsatz 2024 organisch um 7,8 Prozent auf nun 5,47 Milliarden Schweizer Franken, also etwa 5,83 Milliarden Euro.

In vielen europäischen Märkten habe das Unternehmen zweistellige Wachstumszahlen eingefahren. Besonders erfolgreich sei man in Großbritannien, Frankreich und den Benelux-Staaten gewesen. Auch in Deutschland, Europas wichtigstem Schoko-Markt, habe Lindt & Sprüngli im mittleren einstelligen Bereich zugelegt.

So stieg das operative Ergebnis des Konzerns um 8,7 Prozent auf rund 884 Millionen Schweizer Franken. Dazu erzielte das Unternehmen eine Marge von 16,2 Prozent – damit übertraf das Unternehmen die Marge von 15,6 Prozent aus dem Vorjahr.

Der Reingewinn belaufe sich auf rund 672 Millionen Schweizer Franken, ein Plus von 0,1 Prozent. „Mit dieser Entwicklung können wir trotz der Marktbedingungen zufrieden sein“, kommentierte CEO Adalbert Lechner den neuen Geschäftsbericht.

Aus dem Unternehmen hieß es außerdem: „Anhaltend straffe Kostenkontrolle, Effizienzsteigerungen, Prozessoptimierungen und Preissteigerungen zur Kompensation hoher Kakaokosten trugen zur höheren Profitabilität bei.“ Begründet wurden die Preissteigerungen auch am Zürichsee mit gestiegenen Rohstoffpreisen für Kakao.

In wichtigen Anbauländern herrschen widrige Bedingungen

Zugespitzt hat sich die Lage auf dem Weltmarkt vor allem durch schlechte Ernten und den Folgen des Klimawandels. Mal regnet es zu wenig, mal viel zu viel. Trockenheit auf der einen und Überflutungen auf der anderen Seite führen nicht nur zu geringeren Ernten, sondern auch zu schlechterer Qualität.

Zudem grassiert in Erzeugerländern wie Ghana oder der Elfenbeinküste ein aggressives Pflanzenvirus, das Kakaobäume absterben lässt. Weil der Baum ursprünglich aus Südamerika kommt, hat er in Afrika keine natürlichen Resistenzen gegen das Badnavirus.

Die beiden westafrikanischen Ländern zählen zu den wichtigsten Kakaolieferanten. Laut des Vereins der am Rohkakaohandel beteiligten Firmen produzieren Ghana und die Elfenbeinküste mehr als die Hälfte des weltweiten Angebots. Für den deutschen Markt liege ihr Anteil sogar bei rund 80 Prozent.

In der Erntesaison 2022/23 sind laut dem Verein weltweit 5,05 Millionen Tonnen geerntet worden. In der abgelaufenen Saison aber nur noch 4,46 Millionen Tonnen – ein Rückgang von 11,6 Prozent, für den auch der Verein vor allem die Extremwetterbedingungen im westafrikanischen Kakaogürtel verantwortlich macht.

So jagt an den Kakao-Märkten ein Rekord den nächsten. Ende vergangenen Jahres wurde eine Tonne Kakao an der Frankfurter Börse mit über 12.000 Dollar gehandelt. Zwar ist der Preis seitdem auf aktuell rund 8000 Dollar gesunken, jedoch ist der Markt volatil und nach wie vor auf einem extrem hohen Niveau. Noch Anfang 2023 gab es die Tonne Kakao für ungefähr 2500 Dollar.

Lindt & Sprüngli rechnet mit weiteren Preissteigerungen

Das wirkt sich auf die mengenmäßige Produktion von Schokolade-Waren in Deutschland aus. Laut des BDSI sind hierzulande 2024 rund 1,2 Millionen Tonnen produziert worden, das entspricht einem Minus von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch für 2025 erwartet die deutsche Süßwarenindustrie kein ruhiges Jahr, bei den Kakaopreisen sei keine Entspannung zu erkennen, hieß es in einer Verbandsmitteilung. „Zur Versorgungslage gibt es aus den Hauptanbauländern in Westafrika kein einheitliches Stimmungsbild“, sagt auch Solveig Schneider, stellvertretende Geschäftsführerin beim BDSI.

„Die Ernte 2024/25 ist gut gestartet, aber ob sich der Markt erholt, bleibt unsicher.“

Bei Lindt & Sprüngli hieß es in einer Unternehmensmitteilung, dass auch in diesem Jahr weitere Preisanpassungen nötig sein werden.

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