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EngpassWarum die USA Deutschland jetzt um mehr Eier bitten

Auf dem Eier-Markt trifft steigende Nachfrage auf sinkendes Angebot. Nun bitten sogar die USA Deutschland um Hilfe. Droht nun ein Engpass zu Ostern?Kevin Gallant 19.03.2025 - 10:23 Uhr

Die Nachfrage nach Eiern steigt, das Angebot ist aber aktuell knapp. Auch in Deutschland.

Foto: imago images

Manche kochen sie, manche rühren sie, andere pochieren sie. Aber viele zahlen bei Eiern drauf, etwa in den USA. Allein von Dezember auf Januar stieg der Preis für Eier dort um 15 Prozent. Blickt man auf den Jahresvergleich, sind es sogar um die 55 Prozent.

Das Dutzend Eier kostete in den USA Anfang Februar laut des dortigen Landwirtschaftsministeriums durchschnittlich knapp über sieben Euro. Für ein einzelnes Ei mussten US-Verbraucher also fast 60 Cent bezahlen.
Der Engpass trifft die Nation so hart, dass Unternehmen wie Trader Joe´s oder Costco Wholesale sich schon gezwungen sahen, den Verkauf auf einen, zwei oder drei Eierkartons pro Kunden zu rationieren.

Deshalb haben die USA in den vergangenen Tagen europäische Staaten um mehr Eier-Exporte gebeten, zuletzt auch Deutschland. „Wir haben in der Tat eine Anfrage aus den USA erhalten“, teilte ein Sprecher des Bundesverbands Ei der Nachrichtenagentur dpa mit.

Eierknappheit in den USA: Nachfrage werde vor Ostern noch weiter steigen

Doch auch in Deutschland werden Eier knapper. Sphären wie in den USA sind zwar noch nicht erreicht, ein Karton mit zehn Eiern aus Bodenhaltung kostet bei Aldi Nord derzeit etwa zwei Euro. Die Packung mit Bio-Eiern liegt bei ungefähr 3,40 Euro.

Allerdings steigen auch hierzulande die Preise am Großmarkt. Laut der Deutschen Eier-Union (DEU) sind die Preise sogar „im Höhenflug“ und Eier Mangelware. Im aktuellen Marktbericht der DEU heißt es: Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Nachfrage werde in den Wochen vor Ostern noch kräftig steigen.

Hans-Peter Goldnick, Präsident des Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft und des Bundesverband Ei, bestätigt diesen Trend. „Wir haben sicherlich einen Engpass. Angebot und Nachfrage liegen derzeit nicht hundertprozentig übereinander“, sagt er.

Legehennen müssen immer wieder gekeult werden

Ein Grund für Knappheit ist die Vogelgrippe. Bei Ausbrüchen des Virus müssen die Tiere notgeschlachtet werden. Laut der Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) sind in den USA inzwischen mehr als 12.500 Fälle bei Wildvögeln registriert, mehr als 166 Millionen Nutzvögel wie Hühner oder Enten wurden gekeult. Zudem wurden Ausbrüche in fast 1000 Rinderherden in 17 Bundesstaaten nachgewiesen. Sogar 70 Fälle bei Menschen wurden entdeckt.

Auch in Deutschland mussten Legehennen in den vergangenen Monaten mehrfach gekeult werden. Zuletzt im Landkreis Emsland. In einer Legehennenhaltung in Emsbürgen wurden über 11.000 Tiere gehalten, dann brach das Virus aus. Am Montag teilte der Landkreis mit, dass die Tiere getötet wurden. „Für den Betreiber ist das sicherlich eine Katastrophe, für den Gesamtmarkt ist das aber zu vernachlässigen“, sagt Goldnick. „Die Influenza spielt bei der Eier-Knappheit eine Rolle, ist aber nicht das Hauptproblem.“ Auch in anderen Ländern wie den Niederlanden oder Italien mussten in den vergangenen Monaten viele Tiere gekeult werden.

Weitere Probleme sind etwa die Preise für die Legehennen. „Die Preise sind auch hier angestiegen, also halten die Betriebe die Nutztiere länger“, sagt Goldnick. Aber: „Je älter eine Henne wird, desto weniger Eier legt sie.“ Außerdem sind laut dem Präsident des Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft die Futterpreise gestiegen, vor allem infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

Deutschland ist auf Import angewiesen

In Deutschland werden aber ohnehin weniger Eier erzeugt. Auch deshalb stiegen die Importe von Schaleneiern und Eiprodukten 2023 um gut sechs Prozent. Das zeigen Zahlen des Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL). Deutschland kam 2023 auf einen Selbstversorgungsgrad von 73 Prozent.

Preise im Supermarkt

Wie Mogelpackungen mit der Inflation zusammenhängen

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Mogelpackung des Jahres 2024 gekürt. Getrickst wurde im vergangenen Jahr zwar seltener, auf sinkende Preise hoffen Kunden aber wohl vergeblich.

von Kevin Gallant

Größter Lieferant sei mit 75 Prozent die Niederlande, gefolgt von Polen mit zwölf Prozent und Dänemark und Belgien mit jeweils drei Prozent. Zum einen haben die Ei-Lieferanten mit der Vogelgrippe zu kämpfen. In Polen etwa mussten im vergangenen Oktober laut des Branchenmagazins „Agrarheute“ über 1,3 Millionen Legehennen nach einem Virus-Ausbruch gekeult werden.

Zum anderen sinkt in den Niederlanden das Angebot. „Der niederländische Staat hat angefangen, Produktionen aus dem Markt zu kaufen – das heißt, Standorte verschwinden, werden abgerissen oder nicht mehr für die Tierhaltung nutzbar gemacht“, sagt Goldnick. „Allerdings kommt gut die Hälfte der niederländischen Eier-Produktion auf den deutschen Markt – fallen hier Teile weg, macht sich das bemerkbar.“

2023 hat die Niederlande ein entsprechendes Ausstiegsprogramm gestartet. Tierhalter können eine staatliche Prämie einstreichen und müssen dafür ihren Betrieb schließen. So will die Niederlande die Emissionen im Nutztier-Sektor signifikant senken.

Eier-Mangel: Ist das Osterei in Gefahr?

Diese Faktoren führten laut Goldnick dazu, dass der Eier-Preis am Großmarkt in den vergangenen 18 Monaten um ungefähr 40 Prozent gestiegen ist. „Ein durchschnittliches Ei, Größe M, aus Bodenhaltung hat damals ungefähr elf Cent gekostet, jetzt können die Verkäufer schon durchaus 19 bis 20 Cent aufrufen“, sagt er.

Für den deutschen Endverbraucher hätten sich die Preise aber bisher nicht allzu viel geändert. Das liege vor allem an festen und langfristigen Lieferverträgen, die Supermärkte und Discounter mit ihren Lieferanten abgeschlossen haben.

Die Leidtragenden seien bisher eher die Lieferanten, weil die Eier vom freien Markt dazukaufen müssten, um die gestiegene Nachfrage zu bedienen. „Das Ei ist vom verpönten Cholesterin-Treiber zum Superfood avanciert“, sagt Goldnick.

So lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2023 bei rund 236 Eiern pro Jahr und stieg um sechs Eier pro Jahr und Person im Vergleich zum Vorjahr. „2024 spricht man nochmal von ungefähr acht Eiern mehr als im Vorjahr – das sind bei ungefähr 80 Millionen Einwohnern rund 640 Millionen Eier, die binnen eines Jahres mehr nachgefragt wurden“, sagt Goldnick.

Die Nachfrage nach Eiern steigt traditionell um Ostern. Der Präsident des Bundesverband Ei sieht das Osterei nicht in Gefahr. „Es wird wohl nicht jeder Laden zu jeder Zeit jede Sorte zur Verfügung haben, aber es wird generell überall genug Eier geben“, sagt er. „Nach Ostern kommt die Produktion bei den großen Hennenhaltern dann langsam wieder in Gange – und der Markt beruhigt sich.“

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