Thomas Middelhoff: Den Gläubigern von „Big T“ drohen herbe Verluste
Im Insolvenzverfahren des ehemaligen Top-Managers Thomas Middelhoff hat der Insolvenzverwalter bislang nur einen Bruchteil der Forderungen anerkannt
Foto: dpaIm Insolvenzverfahren des ehemaligen Top-Managers Thomas Middelhoff hat Insolvenzverwalter Thorsten Fuest bislang nur einen Bruchteil der Forderungen anerkannt. Uneingeschränkt festgestellt worden seien bislang Forderungen von 1,6 Millionen Euro, sagte Fuest am Montag in Bielefeld. Dem würden Forderungen von Gläubigern von rund 409 Millionen Euro gegenüber.
Die wichtigsten Vermögensgegenstände, die Fuest nun verwerten kann, sind offenbar die Anteile an den so genannten Oppenheim-Esch-Immobilienfonds, an denen sich der ehemalige Arcandor-Chef gemeinsam mit seiner Ehefrau Cornelie ab dem Jahr 2001 im großen Stil beteiligt hatte. Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Co-Anleger der Fonds die Reißleine gezogen und das Ehepaar als Mitgesellschafter in insgesamt acht Fonds ausgeschlossen.
Anfang Juli dürfte das Insolvenzverfahren über das Vermögen des derzeit wohl prominentesten Privatpleitiers eröffnet werden: Thomas Middelhoff. Der Ex-Bertelsmann und Arcandor-Chef soll bei seinen Gläubigern mit mehr 100 Millionen Euro in der Kreide stehen. Vor allem kreditfinanzierte Investments in Immobilienfonds sind ihm zum Verhängnis geworden. Im Zuge seiner Pleite muss Big T. auch um Haus und Hof bangen. So will der Insolvenzverwalter Thorsten Fuest zahlreiche Vermögensverschiebungen Middelhoffs rückgängig machen, darunter auch die Übertragung seiner Bielefelder Familienvilla.
Foto: AP„Ich war völlig am Boden, bekam keine Kreditkarte mehr, kein Bankkonto. Ich kriegte nicht mal mehr einen Handyvertrag“, erinnerte sich Lars Windhorst in einem Interview an seine private Pleite. Windhorst galt einst als Wunderknabe der deutschen Wirtschaft, der mit 14 Jahren schon elektronische Bauteile aus China importierte, im Schlepp des damaligen Kanzlers Helmut Kohl Asien besuchte, in Vietnam einen 224 Meter hohen Windhorst-Tower plante – und dessen Reich 2004 schließlich krachend implodierte. Auch privat konnte Windhorst seine Rechnungen nicht mehr bezahlen und meldete Konkurs an. Allerdings gelang Windhorst ein erstaunliches Comeback: Er einigte sich mit seinen Gläubigern und konnte so den Pleite-Makel schon nach ein paar Monaten wieder abschütteln. Heute fädelt er als Investor Milliardendeals ein, zuletzt mit der BASF-Tochter Wintershall.
Foto: dpaManches Traumschiff läuft auf Grund - so wie das Reedereigeschäft der Schwestern Gisa und Hedda Deilmann, die es 2003 vom Vater geerbt hatten. Die "MS Deutschland" und andere Kreuzer bekamen die beiden Erbinnen jedoch nicht mehr so richtig flott. Sieben Jahre später übernahm der Insolvenzverwalter das Kommando am Firmensitz Neustadt an der Ostsee. Auch die privaten Finanzen der Unternehmerinnen hatten da schon erhebliche Schlagseite. Die Folge: Eine Zwillings-Insolvenz.
Foto: gmsMit 21 Jahren war Anton Schlecker der jüngste Metzgermeister der Republik, mit seinen nunmehr 70 Jahren ist er einer der bekanntesten Pleitiers des Landes. 2012 war sein Drogerieimperium Schlecker implodiert und der Freund schneller Autos und bunter Versace-Hemden rutschte mit in die Insolvenz. Schleckers Schnitzer: Er hatte sein Unternehmen als Einzelkaufmann geführt und haftete für alle Schulden persönlich. Einziger Trost für den Patron: Tochter Meike Schlecker sagte zwar öffentlich, es sei „nichts mehr da“. Doch für das Nötigste reichte es dann doch: Dem Insolvenzverwalter kaufte der Clan seine alte Villa in Ehingen ab, um die Restschuldbefreiung standesgemäß im Eigenheim auszusitzen.
Foto: dapdEinst angesprochen auf seine Schwächen, nannte Windreich-Gründer Willi Balz seinen Hang zur „Ungeduld“. Das dürfte das Aussitzen des privaten Insolvenzverfahrens für den früheren Geschäftsführer und Eigentümer des Windparkentwicklers nicht eben leichter machen. Einer seiner Intimfeinde, die Bank Safra Sarasin hatte den Antrag gestellt. Das Institut hatte Windreich Kredite in Höhe von rund 75 Millionen Euro gewährt, für die Balz persönlich bürgte.
Foto: dpaNiels Stolberg durfte einst die stolzen Titel "Mutmacher der Nation" und "Entrepreneur des Jahres" führen. Der Vorzeigereeder hatte mit seiner Gesellschaft Beluga schließlich einen Weltmarktführer geschaffen. Inzwischen taugt wohl eher der Titel „der Untergeher“. 2010 stieg der US-Investor Oaktree bei Schwerlastreederei ein, 2011 meldete diese dann Insolvenz an und in ihrem Fahrwasser musste auch Kapitän Stolberg den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Zu den finanziellen gesellten sich juristische Unbillen. Nach jüngster Zählung hat die Bremer Staatsanwaltschaft drei Anklagen gegen Stolberg erhoben.
Foto: dpaDer Kieler Augenarzt Detlef Uthoff leitete im Sommer 2014 eine finanzielle Not-OP ein und stellte Insolvenzantrag. Hintergrund war ein Steuerstreit mit der Stadt Kiel in Millionenhöhe. An der monatelangen Auseinandersetzung war schon die damalige Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) gescheitert. Besonders spannend: Uthoff, der unter anderem die Augenklinik Bellevue, zu seinem Besitz zählte, spannte einen so genannten Insolvenz-Schutzschirm über sich und die Klinik auf. Nebeneffekt: Er konnte das Insolvenzverfahren maßgeblich mitsteuern und einen Insolvenzplan vorbereiten. Dann durchkreuzte jedoch das Finanzamt Uthoffs Plan. Im Mai 2015 kippte sein Verfahren in eine Regelinsolvenz.
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Die Verträge - der als Gesellschaft bürgerlichen Rechts konzipierten Immobilienfonds - erlaubten demnach einen Rauswurf von Anlegern, wenn deren wirtschaftliche Schwierigkeiten auf die anderen Fondszeichner durchzuschlagen drohen. Spätestens nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über Middelhoffs Privatvermögen Anfang Juli bestand daran wohl kein Zweifel mehr.
Wettlauf der Gläubiger
Zunächst müssen nun Gutachter den Verkehrswert der jeweiligen Fondsimmobilien, darunter auch mehrere Karstadt-Warenhäuser, ermitteln. Anschließend sollen wohl 75 Prozent des aktuellen Verkehrswertes ausgezahlt werden. Da die Beteiligungen über Kredite finanziert wurden, dürften die Erlöse vor allem bei den Banken landen.
Reicht das Geld aus, um die Darlehen in Höhe von insgesamt mehr als 78 Millionen Euro zu tilgen, fließt der Rest an Middelhoffs Ehefrau und seinen Insolvenzverwalter Fuest.
Um Geld für die Insolvenzmasse zu bekommen, hat Fuest zudem Pfändungsmaßnahmen einzelner Gläubiger aus den vergangenen Jahren angefochten. Zudem sollen seine Anwälte einzelne Beträge zurückzahlen.
Laut Fuest hatte spätestens seit 2013 unter den Gläubigern ein regelrechter Wettlauf zur Absicherung ihrer Forderungen begonnen. Anfechten will er aber gegebenenfalls auch frühere Vermögensübertragungen Middelhoffs an Personen aus seinem Umkreis.
In die Insolvenzmasse fließen nach Angaben von Fuest auch Renteneinkünfte aus der Zeit bei Arcandor in Höhe von monatlich rund 7000 Euro. Weitere rund 3000 Euro monatlich aus Renteneinkünften von Bertelsmann seien dagegen unpfändbar, berichtete er.
Auch Middelhoffs Immobilien stehen zur Disposition. Zunächst soll das Domizil in Bielefeld in Absprache mit einer Gläubigerbank verkauft werden. Direkten Zugriff auf eine Villa Middelhoffs in Saint Tropez hat der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben noch nicht.
Dass derlei Verkäufe ausreichen, um alle Forderungen von Gläubigern zu bezahlen, ist äußerst unwahrscheinlich. Allerdings dürfte es gelingen, zumindest die Verfahrenskosten zu decken. Damit könnte Middelhoff bereits nach fünf Jahren wieder schuldenfrei sein.
Es könnte sogar noch deutlich schneller gehen, wenn die Gläubiger mitspielen und sich mit Middelhoff auf einen so genannten Insolvenzplan verständigen. Middelhoffs Anwalt Hartmut Fromm hatte gegenüber der WirtschaftsWoche bereits Interesse an einer solchen Lösung signalisiert. Schließlich könnte damit ein jahrelanges juristisches Gezerre vermieden werden - wenn eine mögliche Offerte den Gläubigern attraktiv genug erscheint.
Ein solches Vorgehen, betonte Fuest, setze allerdings einen „Konsens voraus“, den er aktuell noch nicht sehe.