Thomas Middelhoff Den Gläubigern von „Big T“ drohen herbe Verluste

Middelhoffs Insolvenzverwalter Thorsten Fuest schreitet zur Verwertung: Fondsbeteiligungen und Immobilien des früheren Top-Managers sollen Millionen für die Gläubiger einspielen.

Im Insolvenzverfahren des ehemaligen Top-Managers Thomas Middelhoff hat der Insolvenzverwalter bislang nur einen Bruchteil der Forderungen anerkannt Quelle: dpa

Im Insolvenzverfahren des ehemaligen Top-Managers Thomas Middelhoff hat Insolvenzverwalter Thorsten Fuest bislang nur einen Bruchteil der Forderungen anerkannt. Uneingeschränkt festgestellt worden seien bislang Forderungen von 1,6 Millionen Euro, sagte Fuest am Montag in Bielefeld. Dem würden Forderungen von Gläubigern von rund 409 Millionen Euro gegenüber.

Die wichtigsten Vermögensgegenstände, die Fuest nun verwerten kann, sind offenbar die Anteile an den so genannten Oppenheim-Esch-Immobilienfonds, an denen sich der ehemalige Arcandor-Chef gemeinsam mit seiner Ehefrau Cornelie ab dem Jahr 2001 im großen Stil beteiligt hatte. Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Co-Anleger der Fonds die Reißleine gezogen und das Ehepaar als Mitgesellschafter in insgesamt acht Fonds ausgeschlossen.

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Die Verträge - der als Gesellschaft bürgerlichen Rechts konzipierten Immobilienfonds - erlaubten demnach einen Rauswurf von Anlegern, wenn deren wirtschaftliche Schwierigkeiten auf die anderen Fondszeichner durchzuschlagen drohen. Spätestens nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über Middelhoffs Privatvermögen Anfang Juli bestand daran wohl kein Zweifel mehr.

Wettlauf der Gläubiger
Zunächst müssen nun Gutachter den Verkehrswert der jeweiligen Fondsimmobilien, darunter auch mehrere Karstadt-Warenhäuser, ermitteln. Anschließend sollen wohl 75 Prozent des aktuellen Verkehrswertes ausgezahlt werden. Da die Beteiligungen über Kredite finanziert wurden, dürften die Erlöse vor allem bei den Banken landen.

Reicht das Geld aus, um die Darlehen in Höhe von insgesamt mehr als 78 Millionen Euro zu tilgen, fließt der Rest an Middelhoffs Ehefrau und seinen Insolvenzverwalter Fuest.

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Um Geld für die Insolvenzmasse zu bekommen, hat Fuest zudem Pfändungsmaßnahmen einzelner Gläubiger aus den vergangenen Jahren angefochten. Zudem sollen seine Anwälte einzelne Beträge zurückzahlen.
Laut Fuest hatte spätestens seit 2013 unter den Gläubigern ein regelrechter Wettlauf zur Absicherung ihrer Forderungen begonnen. Anfechten will er aber gegebenenfalls auch frühere Vermögensübertragungen Middelhoffs an Personen aus seinem Umkreis.

In die Insolvenzmasse fließen nach Angaben von Fuest auch Renteneinkünfte aus der Zeit bei Arcandor in Höhe von monatlich rund 7000 Euro. Weitere rund 3000 Euro monatlich aus Renteneinkünften von Bertelsmann seien dagegen unpfändbar, berichtete er.
Auch Middelhoffs Immobilien stehen zur Disposition. Zunächst soll das Domizil in Bielefeld in Absprache mit einer Gläubigerbank verkauft werden. Direkten Zugriff auf eine Villa Middelhoffs in Saint Tropez hat der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben noch nicht.

Dass derlei Verkäufe ausreichen, um alle Forderungen von Gläubigern zu bezahlen, ist äußerst unwahrscheinlich. Allerdings dürfte es gelingen, zumindest die Verfahrenskosten zu decken. Damit könnte Middelhoff bereits nach fünf Jahren wieder schuldenfrei sein.
Es könnte sogar noch deutlich schneller gehen, wenn die Gläubiger mitspielen und sich mit Middelhoff auf einen so genannten Insolvenzplan verständigen. Middelhoffs Anwalt Hartmut Fromm hatte gegenüber der WirtschaftsWoche bereits Interesse an einer solchen Lösung signalisiert. Schließlich könnte damit ein jahrelanges juristisches Gezerre vermieden werden - wenn eine mögliche Offerte den Gläubigern attraktiv genug erscheint.

Ein solches Vorgehen, betonte Fuest, setze allerdings einen „Konsens voraus“, den er aktuell noch nicht sehe.

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