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  4. Super Flea Market: Das sagt Topmodel Toni Garrn über ihre eigene Firma

Toni Garrn„Ich bin niemand, der mit dem Geld nur eine Luxusreise bucht und nichts macht“

Toni Garrn ist Topmodel, Investorin, Stifterin, Mutter – und neuerdings auch: Unternehmerin. Was treibt sie an? Ein Gespräch über den Super Flea Market, schlechtes Gewissen und entschlackte Terminkalender.Tobias Gürtler 21.05.2024 - 10:44 Uhr

Toni Garrn bei einem Fotoshooting für ihr Unternehmen Super Flea Market.

Foto: Denny Sachtleben

WirtschaftsWoche: Frau Garrn, wenn Sie jemand fragt, was Sie beruflich machen, was sagen Sie dann in diesen Tagen? Model? Geschäftsfrau? Investorin?
Toni Garrn: Es ist immer lustig, wenn diese Frage kommt. Beim Arzt zum Beispiel schreibe ich da jetzt immer nur noch „selbstständig“ hin. Aber ich habe da tatsächlich noch nie „Model“ eingetragen, weil ich immer dachte: Oh Gott, da guckt mich irgendjemand komisch an.

In jedem Fall sind Sie neuerdings auch Gründerin und Unternehmerin.
Richtig. Ich habe schon in viele Start-ups investiert und mit vielen anderen Unternehmen gearbeitet – als Botschafterin oder als Model. Jetzt aber habe ich zum ersten Mal ein Unternehmen selbst gegründet, in das ich im Moment auch tatsächlich 80 Prozent meiner Zeit reinstecke: Den Super Flea Market, die weltweit erste Luxus-Secondhand-Plattform, bei der ein großer Teil der Erlöse in wohltätige Projekte fließt. Ab dem 24. Mai wird man bei uns online zum Beispiel Schuhe von Beyoncé oder ein Trikot von Dirk Nowitzki ersteigern können. Das ist auf jeden Fall nicht mal eben noch eines meiner Projekte. Das wird einen großen Teil meines Lebens einnehmen. Ich würde sagen: Ich bin Model, engagiere mich mit meiner Toni Garrn Foundation und baue dieses Unternehmen auf. Das sind künftig meine drei Hauptbereiche.

Wie kam es dazu, dass Sie jetzt ins E-Commerce-Geschäft einsteigen?
Schon seit acht Jahren betreibe ich Pop-Up-Flohmärkte. Da werden Kleidungsstücke, die von Prominenten getragen wurden, für einen guten Zweck verkauft. Wenn der Flohmarkt vorbei ist, lautet die Frage aber immer: Was mache ich jetzt mit den übriggebliebenen Teilen? Deshalb kam die Idee: Lass uns doch eine eigene Plattform bauen, die ortsunabhängig funktioniert und den Flea Market auf ein größeres Level hebt.

Zur Person
Antonia „Toni“ Garrn verbrachte ihre Kindheit in Hamburg, London und Athen. Als sie 13 war, entdeckte sie eine Modelagentur aus Hamburg. Zwei Jahre später, mit 15, wurde sie zum Gesicht der US-Modemarke Calvin Klein – und stieg damit schon als Jugendliche in die Riege der internationalen Topmodels auf. Sie stand unter anderem auch für Burberry, Dior, Hugo Boss, Prada und Versace vor der Kamera. Seit 2016 betreibt Garrn die Stiftung Toni Garrn Foundation, die Initiativen zur Mädchenbildung in Afrika unterstützt. Zudem investiert sie in Start-ups, ist beispielsweise am Hamburger Fintech-Unternehmen Tomorrow beteiligt. Die E-Commerce-Plattform Super Flea Market ist ihre erste eigene Unternehmensgründung.

Warum die übriggebliebenen Teile nicht einfach auf eBay stellen?
Ich habe in der Vergangenheit auch mit Auktionshäusern zusammengearbeitet. Aber dann waren die besten Teile innerhalb einer halben Stunde weg, verkauft an irgendwelche Fans irgendwo auf der Welt. Und ich konnte gar nicht verfolgen, wie viele Leute eventuell Interesse hatten. Natürlich möchten wir unsere Käufer auch besser kennenlernen und verstehen, für wie viel welches Teil weggehen sollte. Wo kommen die meisten Leute her? Sollten wir uns vielleicht doch mehr auf den asiatischen Markt fokussieren? Brauchen wir vielleicht doch ein Lager in den USA, weil die ganzen Käufer daherkommen? Das müssen wir jetzt erst mal herausfinden. Und da geht es eben auch um Daten, die nur eine eigene Plattform generieren kann.

Im Gegensatz zu Ihren Flohmärkten ist diese Plattform allerdings kein Nonprofit-Projekt, richtig?
Nein, es ist ein „for-profit-for-purpose“-Geschäft. Das bedeutet, dass wir ein Social Business sind, in dem der Großteil der Erlöse in wohltätige Projekte fließt. Um den Geschäftsbetrieb von Super Flea Market zu gewährleisten und damit Bereiche wie Plattformentwicklung, Marketing, Logistik und NGO-Überwachung auf- und auszubauen, müssen wir Geld verdienen.

Das Handelsvolumen auf der Plattform wird ja relativ klein sein, Ihre Margen ebenfalls – immerhin soll ja ein Großteil der Einnahmen wohltätigen Zwecken zufließen. Wo also soll der Gewinn herkommen?
Wichtig ist erst einmal: Wenn Prominente uns Kleidungsstücke geben, sollen sie sich wohlfühlen. Sie sollen wissen: Es ist super einfach, was den Versand angeht, das Super Flea Market Team organisiert alles. Und: 90 Prozent des Erlöses geht an wohltätige Zwecke. Aber das ist natürlich nicht das Geschäftsmodell. Von zehn Prozent Marge wird die Firma sich nicht tragen können. Wir arbeiten auch mit Designer-Marken zusammen, dort nehmen wir dann 50 Prozent Servicegebühren.

Super Flea Market ist Ihr erstes eigenes Unternehmen. Wird es denn möglicherweise noch weitere geben?
Erst mal nicht, ich möchte mich voll und ganz auf den Super Flea Market konzentrieren. Meine Vision ist, dass in Zukunft jedes Kleid, jeder Schuh, jede Tasche aus den exklusivsten Kleiderschränken und von den glamourösesten roten Teppichen dieser Welt ein zweites Leben erhält. Es geht um einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und die reale Unterstützung von Initiativen für soziale und ökologische Gerechtigkeit. Das ist ein Ziel, das mich auch noch in den kommenden Jahren gut auslasten wird.

Toni Garrn bei einem Auftritt auf dem Marketingfestival „OMR“.

Foto: Daniela Schenk

Und langfristig? Können Sie sich vorstellen, weniger zu modeln und mehr Unternehmerin zu sein?
Im Moment ist das alles noch sehr neu und sehr aufregend. Es macht unglaublich viel Spaß. Aber: Das passt auch einfach gut zusammen. Über das Modeln habe ich mir ein großes weltweites Netzwerk aufgebaut, ich bin täglich mit Marken in Kontakt und viele Prominente vertrauen mir, dass ihre Kleidung mit dem Super Flea Market in gute Hände gerät. Und ich habe zwei Mitgründerinnen, die mir helfen, das alles umzusetzen. Allein würde ich das nicht machen. Ich bin niemand, der unbedingt eine Tech-Firma aufbauen muss – das ist ja das, was dieses Projekt jetzt geworden ist. Ich muss nicht unglaublich viel Geld verdienen und zehn Unternehmen gründen in meinem Leben. Und ich modele auch immer noch super viel und gerne.

Gleichzeitig: Sie haben kürzlich gesagt, dass das Modeln nie zu Ihrer Identität geworden sei.
Ich bin auf jeden Fall Model. Aber... Wenn ich jemanden im Flugzeug kennenlerne und wir darüber reden, was ich tue, dann sage ich immer: Ich unterstütze mit meiner Stiftung Bildungsinitiativen für Mädchen in Subsahara-Afrika. Ich glaube, darüber rede ich einfach am liebsten. Dieses Unternehmen, über das wir gesprochen haben, und das Modeln – das interessiert mich wahnsinnig, aber all das ist eben ein Job. Am Ende bin ich eine Mischung aus Philanthropin, Model und Geschäftsfrau. Wobei: Ich weiß gar nicht, ob man letzteres noch betonen muss heutzutage. So viele Menschen haben tolle Ideen und machen nebenbei irgendwelche Deals, um zu überleben. So viele Menschen sind Geschäftsleute. Wir arbeiten alle an irgendetwas, wir hustlen alle an irgendetwas. Und es ist mittlerweile auch so modern geworden, dass alle viele Sachen gleichzeitig machen und ihre Finger überall drin haben, in Sachen investieren.

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„Hustlen“, also sich anstrengen, schwer für etwas arbeiten, ist ein gutes Stichwort. Sie haben einmal gesagt: „Ich musste nie dafür arbeiten, ein Model zu werden“.
Das stimmt.

Also war der „Hustle“ für Sie da nie wirklich vorhanden, oder?
Vielleicht, weil ich jetzt auch langsam andere Dinge gewohnt bin und weiß, dass es andere, taffere Jobs gibt. Für mich ist das Modeln wirklich kein Job, an dem ich arbeiten muss. Ich würde zum Beispiel nie auf eine Posingschule gehen. Oder dafür kämpfen, mit einem bestimmten Fotografen zu arbeiten. Modeln war für mich immer so: Wenn‘s kommt, kommt's und dann ist es toll. Aber ich habe das große Glück, dass ich schon immer gebucht wurde. Ich würde nie diesen Job machen, wenn ich dafür kämpfen müsste. Aber gehustlet habe ich trotzdem. Ich gebe immer hundert Prozent für meine Kunden und Projekte.

Sie waren 13, als Sie damals als Model entdeckt wurden...
Es war zwei Wochen vor meinem 14. Geburtstag. Das hört sich ein bisschen taff an, 13. Aber: Ja, ich war 13.

...und mit 15 waren Sie dann bereits das Gesicht von Calvin Klein.
Ja, das war im September 2008, da bin ich gerade 15 geworden.

Was vielleicht auch erklärt, warum Ihnen das Modeln nicht wie harte Arbeit vorkommt. Schließlich sind Sie in den Job reingewachsen.
Das mag sein, ja. Ich modele inzwischen länger als ich nicht modele.

Toni Garrn 2014 bei einem Hollywood-Event in Los Angeles.

Foto: AP

Ihr damaliger Agenturchef, Ted Linow, hat vor nunmehr 13 Jahren über Sie gesagt: „Wenn Toni einfällt, dass sie Trapezkünstlerin werden will, dann wird sie das einfach machen – auch wenn sie hier alle traurig zurücklässt.“ Stattdessen sind Sie dem Modeln aber immer treu geblieben. Warum?
Je älter ich geworden bin und je mehr ich in anderen Industrien unterwegs war, desto mehr habe ich einfach gemerkt, dass es ein großes Privileg ist, in diesem Geschäft zu arbeiten. Das war mir als Kind – ich war damals ja noch ein Kind – nicht so bewusst. Es ist für mich schon leicht, für eine Woche oder ein paar Tage am Set zu stehen. Und wenn ich damit an anderen Stellen der Welt, etwa mit meiner Stiftung in Afrika, so viel bewirken kann: Wieso sollte ich aufhören? Nur weil ich vielleicht ab und an gelangweilt oder einsam bin? Es gibt keinen Job, der einfach nur easy ist. Es gibt immer langweilige Tage, es gibt immer schwierige Tage, es gibt immer taffe Tage. Es ist eben kein Job perfekt.

Es gab aber mal eine Phase, in der Sie darüber nachgedacht haben, mit dem Modeln aufzuhören, oder? Zwischenzeitlich waren Sie ja auch mal Schauspielerin beispielsweise?
Bei mir oder im Modelgeschäft generell gibt es ja nie dieses Aufhören. Es geht eher darum, ob man den Fokus woanders hinlegt. Ich habe den Fokus nie auf die Schauspielerei gelegt. Aber ich hatte eine Phase, in der war ich nicht Geschäftsfrau, sondern nur Model und hatte ein bisschen mehr Zeit. Ich habe dann eben ein bisschen gespielt, Schauspielunterricht genommen, auch ein paar tolle Rollen gemacht. Aber rein aus zeitlichen Gründen habe ich gemerkt: Das ist nicht meine Priorität. Und es gibt so viele tolle Schauspieler. Dann sollen die gebucht werden. Ich will nicht jemandem den Job wegnehmen, der nichts anderes möchte als diese Rolle.

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Gleichzeitig: Hatten Sie auch mal ein schlechtes Gewissen, weil Ihnen das Modeln eben so leichtgefallen ist und Ihnen scheinbar alles zuflog, jedenfalls von außen betrachtet?
Nein. Vielleicht ist mir das Modeln zugeflogen, aber ich bin niemand, der dann mit dem Geld nur eine Luxusreise bucht und nichts macht. Ich bin jemand, der das dann direkt umwandelt in irgendetwas, das Sinn macht oder andere unterstützt. Und: Ganz so leicht ist all das dann eben doch nicht. Ich bin fast zehn Jahre lang jede Woche über den Atlantik geflogen. Sowas ist taff für den weiblichen Körper. Man braucht auch eine gewisse Struktur, damit man gesund bleibt. Beziehungen aufrecht zu erhalten ist schwierig, wenn man Monate am Stück unterwegs ist. Dinge, die für viele Menschen komplett normal sind, waren für mich irgendwann ein Ziel: Einen Kleiderschrank haben, ein Zuhause haben, eine Beziehung führen können. Diese Dinge waren von 15 bis 25 nie gegeben in meinem Leben.

Was hat sich dann mit 25 geändert?
Covid war ein bisschen später, aber: Durch die Pandemie ist wirklich alles ein bisschen ruhiger geworden. Und: Ich bin Mutter geworden. Wenn man ein Elternteil wird, dann muss man runterfahren. Ich nehme jetzt noch nicht mal die Hälfte der Termine, der Telefonate, der E-Mails an wie früher. Inzwischen nehme ich auch mal zwei Wochen am Stück gar keinen Job an, damit ich nur Mutter sein kann. Neben allem anderen, was ich mache: Mama bin ich zu 100 Prozent.

Eigentlich war ja auch Ihre Modelkarriere schon eine Art Familienunternehmen, oder? Ihre Mutter wurde ja auch direkt Ihre Managerin.
Sie war zumindest die Geldmanagerin. Meine Mutter ist wahnsinnig gut in Finanzen und hat immer meine Steuern im Blick gehabt, die Agenturen kontrolliert, das ganze Back Office gemacht. Das hat sie immer super gemacht – später dann auch bei meiner Stiftung. Aber es war nie ein richtiges Familienunternehmen. Meine Eltern schauen darauf vermutlich wie die meisten Eltern auf die Jobs ihrer Kinder. Die sind halt BWLer, die sich damit auskennen.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie sich seinerzeit sehr privilegiert fühlten – auch im Vergleich zu anderen Models.
Ja, das stimmt schon.

Woran liegt das?
Ich habe ja auch noch Abitur gemacht gleichzeitig. Und oft musste ich wirklich viel absagen, weil eine Geschichtsarbeit anstand. Ich habe da natürlich auch viel Geld abgesagt. Da hatte ich viele Diskussionen mit all meinen Agenten in allen Ländern. Die sagten dann immer: Das kann doch nicht sein, dass die jetzt schon wieder etwas absagt. Es gab viele Models, mit denen ich groß geworden bin, die Privatlehrer hatten. Die haben dann immer gelernt, während wir backstage saßen. Aber ich fand meine Mädelsclique zu Hause so cool, dass ich das nicht wollte. Ich war eben in der Position, mir das auszusuchen. Ganz viele Models müssen ihre Familie zu Hause finanziell unterstützen. Und das musste ich nie.

Was Sie auch einmal gesagt haben: „Wenn ich nicht modeln würde, hätte ich keine Ahnung, was ich machen sollte.“
Ja, weil ich 13 war, als meine Karriere startete. Diese Modelsache hat mich komplett rausgenommen. Ich hatte mit 13 nicht den Wunsch, Ärztin zu werden oder so. Ich fand Kasse spielen immer toll, aber ich war super jung... Ich bin mir aber sicher, ich hätte sofort etwas anderes gemacht.

Es hätte also vielleicht auch ein BWL-Studium werden können? In den Fußstapfen der Eltern?
Das wiederum glaube ich nicht. Ich wäre auf jeden Fall erst mal lange reisen gewesen. Und vermutlich hätte ich dann irgendetwas in Afrika gemacht, in Uganda oder in Südafrika.

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