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Werner knallhart
Edeka wirft Nestlé-Marken aus den Regalen. Muss der Verbraucher nun leiden?

Edeka ohne Nestlé: Irgendwie fehlt nichts

Edeka wirft Nestlé-Marken aus den Regalen. Weil die Preisverhandlungen unglücklich verlaufen. Muss der Verbraucher nun leiden? Nö! Der Umstieg zur Nestlé-Konkurrenz ist einfach.

Träumen Sie noch von Flügen mit der LTU? Wäre Ihr nächstes Handy eines von Siemens geworden? Würden Sie eigentlich am liebsten noch bei PLUS einkaufen? Oder bei Horten? Ich unterstelle für die Mehrheit der Leser: nein. Dass diese Marken oder Produkte verschwunden sind, ist uns egal. Und das geht schnell. Denn es gibt adäquaten Ersatz.

Jüngst sprach ich mit meiner Lieblingskassiererin bei Edeka: „Sie haben ja noch Nestlé-Produkte in den Regalen.“

„Ja, noch. Aber wenn die erstmal weg sind, dann wird das übel“, sie guckte mich während des Scannens eindringlich und mit großen Augen an, als hätte sie mir gerade offenbart, dass die Menschheit in wenigen Tagen an einem Killervirus zugrunde gehen wird, „denn irgendwie ist doch alles gefühlt von Nestlé.“

„Naja“, ich versuchte, sie aufzumuntern, „aber es gibt doch für alles was direkt neben dran, das ähnlich schmeckt.“

„Stimmt auch wieder“, lächelte sie und drückte eine Taste, „18 Euro 42.“

Nicht nur Edeka kann die Muskeln spielen lassen, sondern wir Verbraucher auch. Indem wir mal die Konkurrenz probieren. Ganz dünnes Eis für die Lebensmittelhersteller. In den sozialen Netzwerken jubeln die Leute über den Schritt von Edeka. Und ich kann das nachvollziehen: Ein Multi-Milliardenkonzern, der sich um unser Essen kümmert, dem können ja per se die Herzen nicht zufliegen. Man fühlt sich denen ja ausgeliefert bei einem der drängenden Bedürfnisse des Lebens. Ich verspüre in mir manchmal sogar eine regelrechte Nestlé-Verzweiflung. Sie ist fein zu unterscheiden von der Ferrero-Verzweiflung: leckere Süßigkeiten versus Fernsehwerbung zum Fremdschämen: „Guten Freunden gibt man ein Küsschen. Oder zwei oder drei…“ und die „German Kleinigkeit“: Kokospralinen mit dem Namen Raffaello. Hä?

Nein, die Nestlé-Verzweiflung ist das ungute Gefühl von: Man kommt um die nicht rum. Da kauft man in Bangkok eine kleine Flasche Wasser mit thailändischen Schriftzeichen. Und hinten drauf prompt dieses Vogelnest-Logo: Das Nestle (so hieß nämlich mal der Gründer: Nestle ohne Akzent). Und so schleicht sich diese Firma wieder in meinen Körper, in meinen Magen, in meine Venen. Lebensmittelkonzerne begegnen einem letztendlich nur als seelenlose Verpackung, haben aber Zutritt in unserer Innerstes. Supermarktkonzerne begegnen einem dank der Mitarbeiter in den Läden als Menschen auf Augenhöhe. Ein klares 1 zu 0 für Edeka. Die sagen: „Wir lieben Lebensmittel.“

Ich habe mal die Nestlé-Website geöffnet. Da steht als erstes groß und fett: „Jahresergebnisse 2017: Umsatz CHF 89,8 Milliarden, 2,4% Organisches Wachstum“

Ach, zum Knuddeln.

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