Indien und Pakistan: Der Kaschmir-Konflikt kostet Lufthansa und Co. noch mehr Wettbewerbsfähigkeit
Der am Dienstag eskalierte Konflikt zwischen Pakistan und Indien treibt das Asiengeschäft europäischer Fluglinien tiefer in die Krise. Das zeigen unter anderem Daten des Flugüberwachungsportals Flightradar24.
Konnten am Montagabend europäischer Zeit Flugzeuge noch die kürzere Route über Indien, Pakistan und Afghanistan wählen, wird der Verkehr jetzt komplett an Pakistan vorbeigeleitet. Flüge gehen nun über den Persischen Golf.
Das ist vor allem für Verbindungen aus Europa nach Asien ein herber Rückschlag. Während chinesische Airlines nach wie vor den viel kürzeren nördlichen Weg über Russland nehmen und Flüge oft deutlich billiger anbieten können, fliegen europäische Linien nach Shanghai und Peking seit Beginn des Ukraine-Krieges die ungünstigere südliche Route. Betroffen ist hier unter anderem Europas größter Luftfahrtkonzern, die Lufthansa-Gruppe.
Diese Strecke ist in vielen Fällen nicht nur zwei bis drei Stunden länger als die Strecke via Russland, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Sie koste die Linien je Flug auch 40.000 bis 50.000 Euro mehr. Auf dieser Basis können die Airlines oft kein Geld mehr verdienen. Die Lufthansa hatte bereits im Oktober Flüge von Frankfurt nach Peking eingestellt.
Nun trifft es zusätzlich Verbindungen nach Südasien und Südostasien. Auch da kommen jetzt einige Tausend Euro drauf, weil wegen des aufflammenden Kaschmir-Konflikts ein Umweg geflogen werden muss.
Daten von Flightradar24 zeigen, dass Pakistan bis auf wenige Einzelfälle jetzt gar nicht mehr überflogen wird. Stattdessen bündelt sich der komplette Südost- und Südasienverkehr auf einer Route über den Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate.
„Aufgrund der aktuellen Lage umfliegen die Airlines der Lufthansa Group bis auf Weiteres den Luftraum Pakistans“, bestätigt auch ein Sprecher der Lufthansa. Dadurch verlängere sich auf einzelnen Strecken nach Asien die Flugzeit.
Lufthansa & Co. brauchen mehr Sprit
„Dieser zusätzliche Umweg wird in einigen Fällen dazu führen, dass Linien Nutzlast stehen lassen müssen, um mehr Sprit in das Flugzeug packen zu können“, sagt Großbongardt. Das sei eine zusätzliche Belastung, insbesondere für europäische Airlines.
Fluglinien vom Golf wie Etihad und Emirates treffe es weniger, da sie die Strecke ohnehin nehmen würden. Auch können diese den russischen Luftraum auf bestimmten Verbindungen weiterhin nutzen.
Nach den indischen Luftangriffen hat Pakistan am Dienstag Dutzende Flugwege geschlossen. Zudem vermeiden die meisten Fluglinien das Land aus Sicherheitsgründen jetzt komplett.
Je nachdem, wie lange der Konflikt nun dauert, könne es dazu führen, dass europäische Linien noch mehr China-Verbindungen streichen, sagt Großbongardt. Es bestehe aber immerhin Hoffnung, dass es sich bei dem Konflikt nur um eine temporäre Auseinandersetzung handle.
Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes stand, dass auch Verbindungen nach Peking und Shanghai vom Konflikt in Kaschmir betroffen seien. Diese werden aber beispielsweise von der Lufthansa über Zentralasien geflogen und bleiben somit unberührt.
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