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  4. Wegovy- und Ozpemic-Fakes: Novo Nordisk warnt vor Fälschungen

AbnehmmittelOzempic-Fälschung sorgt für Krankenhaus-Fälle

Das Diabetesmittel Ozempic ist ein beliebtes Schlankheitsmittel. Der Pharmakonzern warnte bereits vor Fälschungen – nun wurden erste potenziell tödliche Zwischenfälle bekannt. Das ist derzeit über die Vorfälle bekannt. 24.10.2023 - 10:19 Uhr

Ozempic-Packungen. Von dem Abnehmmittel sind einige Fälschungen im Umlauf.

Foto: REUTERS

Nach Angaben österreichischer Behörden kam es bereits nach der Einnahme gefälschter Diabetes-Medikamente in mehreren Fällen zu gefährlichen Gesundheitssituationen. Diese hätten „ohne sofortige ärztliche Behandlung zum Tode“ führen können, berichtete das Bundeskriminalamt am Montag in Wien. Zuvor war nur ein Fall einer 31-jährigen Frau aus Salzburg bekannt geworden, die eine mutmaßliche Fälschung des Produktes Ozempic verwendet hatte und danach mit schweren Nebenwirkungen in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Ihren Anwälten zufolge hatte die Frau das Mittel als Abnehmmedizin von einem Salzburger Schönheitschirurgen bezogen.

Die Fälle wurden einer bestimmten Produktionscharge zugeordnet. Die Ermittler warnten, dass noch weitere Spritzen aus derselben Charge im Umlauf oder bei anderen Ärzten vorrätig sein könnten.

Die 31-Jährige aus Salzburg ist laut ihren Anwälten nur leicht übergewichtig und keine Diabetikerin. Sie habe das Ozempic seit Jahresbeginn drei Mal von dem Salzburger Arzt erhalten. Beim vierten Mal sei ihr offenbar eine gefälschte Version verkauft worden, sagte ihre Anwältin.

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Die junge Frau verbrachte eine Nacht im Krankenhaus. „Es hätte auch ganz anders ausgehen können, nämlich mit dem Tod“, so die Juristin, die zivil- und strafrechtliche Schritte gegen den Arzt und seinen Lieferanten in Aussicht stellte. Bei dem Lieferanten handle es sich nicht um eine Apotheke, sagte sie, ohne weitere Details zu nennen.

Novo Nordisk warnte bereits vor Fälschungen von Ozempic und Wegovy

Der Pharmakonzern Novo Nordisk warnte bereits in der Vergangenheit vor zunehmenden Fälschungen seiner begehrten Abnehmspritze Wegovy und seines Diabetesmittels Ozempic. „Novo Nordisk hat einen signifikanten Anstieg der illegalen Online-Verkäufe festgestellt“, erklärte das dänische Unternehmen.

„Jeder Fall von Fälschungen, von dem wir Kenntnis erhalten, wird untersucht und den Behörden gemäß den geltenden Vorschriften gemeldet.“ Beide Medikamente enthalten den Wirkstoff Semaglutid, der zur Senkung des Blutzuckerspiegels beiträgt und den Appetit reduziert, Wegovy allerdings in einer höheren Dosierung.

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Fälschungen von Ozempic haben in Deutschland bereits das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf den Plan gerufen. Das BfArM habe in dem Fall die Koordination übernommen, da inzwischen mehrere Bundesländer betroffen seien, hatte die Behörde am Mittwoch mitgeteilt. Damit liege die Federführung nicht mehr bei den betroffenen Länderbehörden. Das BfArM rief pharmazeutische Unternehmen, Großhändler sowie Apotheken auf, alle Ozempic-Packungen mit größter Sorgfalt zu prüfen.

Das Bundeskriminalamt in Wien wies auf Unterschiede zwischen den gefälschten und originalen Produkten hin. Die nachgemachten Spritzhilfen weisen eine dunklere Blaufärbung auf und besitzen ein völlig transparentes Sichtfenster anstelle des grauen Rahmens. Bei den Fälschungen ist der Einstellring für die Dosierung herausziehbar, beim Original nicht. Außerdem sind die gefälschten Nadeln lediglich vier Millimeter lang, während die Nadeln beim Original eine Länge von sechs Millimetern haben.

Ozempic nicht als Abnehm-Mittel zugelassen

Zuletzt gab es eine hohe Nachfrage nach den Medikamenten Ozempic und Wegovy. Es ist jedoch nur Wegovy offiziell zur Behandlung von Adipositas zugelassen. Ozempic ist deutlich billiger und wird vermehrt außerhalb seiner eigentlichen Zulassung verwendet, nämlich um Gewicht zu verlieren. Der Ansturm auf die Medikamente hatte bereits zu Engpässen in der Versorgung geführt.

Schneller schlau: Adipositas
Fettleibigkeit bei Kindern und Erwachsenen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Fachbezeichnung für die extreme Form des Übergewichts lautet Adipositas.
Laut Weltgesundheitsorganisation gelten Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis 30 als übergewichtig und mit einem BMI von mehr als 30 als adipös, also fettleibig.Den BMI erhält man, indem man sein Gewicht durch die Körpergröße zum Quadrat teilt.Bei Kindern und Jugendlichen ist eine BMI-Kategorisierung schwieriger, da es große individuelle Entwicklungsunterschiede gibt.
Betroffene leiden oft unter Bluthochdruck, hohen Cholesterinwerten, einem erhöhten Diabetesrisiko, Herzschwäche, einer Fettleber und Gelenkproblemen. Auch die Wahrscheinlichkeit, an bestimmten Krebsarten zu erkranken, steigt. Wenn Betroffene zudem gesellschaftlich ausgegrenzt werden, leidet die Psyche.
Es gibt spezielle Adipositas-Kliniken, wo sich Ärzte, Therapeuten und Psychologen um die Patienten kümmern. Die erste Maßnahme zur Gewichtsreduktion sind ein maßvolles Essverhalten und ausreichend Bewegung.Eine Operation gilt erst als ratsam, wenn Ernährungsberatungen und andere Methoden keinen Erfolg bringen.

Laut eigenen Angaben kooperiert Novo Nordisk mit spezialisierten Unternehmen, um die Herkunft der Fälschungen zu ermitteln. Dabei wurden jedoch keine spezifischen Länder genannt, in denen diese Zusammenarbeit stattfindet. Der Konzern arbeite zudem mit einem Anbieter zusammen, der auf die Überwachung und Beseitigung illegaler Online-Angebote spezialisiert sei, hieß es.

Novo Nordisk äußerte sich damit erstmals ausführlicher zu den kursierenden Fälschungen, seit einer Erklärung im Juni über Ozempic-Fälschungen, die in einer Apotheke in den USA gefunden worden waren. Laut BfArM liegen bisher keine Erkenntnisse vor, dass Fälschungen in Deutschland Patientinnen oder Patienten erreicht haben. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich gefälschte Arzneimittel im legalen Vertrieb befänden.

Großhändler aus Lörrach möglicher Anbieter von Ozempic-Fälschungen

Die Staatsanwaltschaft Freiburg ermittelt bereits gegen einen im Landkreis Lörrach ansässigen Pharma-Großhandelsbetrieb. Es bestehe der Verdacht, dass dieser mit Ozempic-Fälschungen gehandelt habe, erklärte die Zweigstelle Lörrach der Staatsanwaltschaft. Das Unternehmen habe 199 Packungen des mutmaßlich gefälschten Medikaments, die zunächst von einem österreichischen Großhändler bezogen worden seien, Anfang September an einen weiteren Pharmahändler in Großbritannien geliefert.

Dort seien sie als gefälscht erkannt worden. Es wird derzeit ermittelt, ob der Pharma-Großhändler das mutmaßlich gefälschte Medikament auch in Deutschland vertrieben oder an dortige Unternehmen geliefert hat. Ebenso wird untersucht, wie genau die Vertriebswege verlaufen sind und welche innerbetrieblichen Verantwortlichkeiten damit verbunden sind.

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rtr, dpa, mgr
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