BASF, Lanxess und Co.: Die Zukunft der Chemiebranche ist klein, aber fein
Spezialchemie-Herstellern wie Evonik blüht eine bessere Zukunft als Großchemie-Konzernen.
Foto: dpaIn den nächsten Wochen legen die Chemiekonzerne ihre Zahlen für 2015 vor. Bei der BASF, soviel ist schon sicher, fällt die Bilanz eher durchwachsen aus – beim größten Chemiekonzern der Welt sinken Umsatz und Betriebsgewinn. Dafür sieht es beim Bayer-Chemieableger Covestro sowie bei Evonik bislang besser aus.
So unterschiedlich die Zahlen ausfallen, einige Probleme sind allen gemeinsam: Die Kosten in Europa, insbesondere für Energie und Rohstoffe, liegen im internationalen Wettbewerb zu hoch; die Produktion verlagert sich – trotz der aktuellen China-Krise – vor allem Richtung Asien.
Platz 10 - PPG Industries (USA):
Die Amerikaner produzieren unter anderem bruchsicheres Glas für die Auto- und Raumfahrtindustrie, aber auch Farben, Lacke und Chemikalien. 15,33 Milliarden Dollar setzte Pittsburgh Plate Glass damit im Jahr 2016 um.
Platz 9: Linde
Die Münchener sind weltweit einer führenden Anbieter für Gase. Ein Umsatz von umgerechnet 17,83 Milliarden Dollar im Jahr 2016 reicht für einen Platz in der Top Ten.
Platz 8: Air Liquide (Frankreich)
Die Erfindung von flüssiger Luft legte den Grundstein für einen Weltkonzern. Im vergangenen Jahr kam der französische Chemieriese auf einen Umsatz von 19,08 Milliarden Dollar.
Foto: CLARK/obsPlatz 7: Henkel (Deutschland)
Weltweit ist der Düsseldorfer Konzern bekannt für seine Marken Persil, Pril oder Pritt. Mit einem Umsatz von 19,69 Milliarden Dollar spielt der Dax-Konzern auch unter den internationalen Chemieriesen vorne mit.
Foto: dpaPlatz 6: Dupont (USA)
Der komplette Name des amerikanischen Chemieriesens lautet „E I Du Pont de Nemours“. Das geht zurück auf die französischen Gründer, die in die USA emigriert waren und dort 1802 begannen, Sprengstoffe zu produzieren. Heute macht das Unternehmen in über 80 Ländern weltweit einen Umsatz von insgesamt 24,6 Milliarden Dollar. 2017 erfolgte die Fusion mit dem Rivalen Dow Chemical zum größten Chemiekonzern der Welt.
Foto: dpaPlatz 5: LyondellBasell Industries (Niederlande)
Über die Jahre ist das internationale Konglomerat durch Zukäufe immer weiter gewachsen. Aus steuerlichen Gründen ist der Konzern mittlerweile in den Niederlanden beheimatet, auch wenn die Aktien in New York gehandelt werden. Der globale Umsatz ist mit 29,18 Milliarden Euro in der internationalen Spitzenklasse.
Platz 4: Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Die Weiterverarbeitung von Öl und Gas macht den arabischen Staatskonzern zu einem der größten Chemiekonzerne weltweit. Der Umsatz von 39,5 Milliarden Dollar spricht für sich.
Platz 3: Dow Chemical (USA)
Kunststoffe, synthetischer Kautschuk und Chlor gehören zu den meistverkauften Produkten der Amerikaner. Der Umsatz von 48,16 Milliarden Dollar wird nur von zwei deutschen Konzernen übertroffen.
Platz 2: Bayer (Deutschland)
Nicht nur unter den Pharmakonzernen gehören die Leverkusen zu den globalen Riesen, auch in der Chemie kann kaum einer Bayer das Wasser reichen. Ein Umsatz von 49,2 Milliarden Dollar ist weltweit der zweithöchste der Branche.
Platz 1: BASF (Deutschland)
Die „Badische Anilin- und Soda-Fabrik“ ist mittlerweile schon seit Jahren unangefochtener Marktführer der Chemieindustrie. Die Ludwigshafener haben allein 2016 einen Umsatz von 69,54 Milliarden Dollar erwirtschaftet. 2017 dürfte allerdings die Allianz von Dow und DuPont an die Spitze rücken.
„In Europa wird die Bedeutung der Grundstoffchemie aufgrund von Kostennachteilen bei Energie und Rostoffen weiter abnehmen“, sagt Günter Tallner, Bereichsvorstand der Mittelstandsbank der Commerzbank. Tatsächlich macht die deutsche Chemieindustrie noch immer den Großteil ihres Umsatzes mit ölbasierten Produkten, die in tonnenschweren Anlagen entstehen.
Spezialchemie ist eine Wachstumschance
In ihrem aktuellen „Branchenbericht Chemie“, den die Commerzbank heute in Frankfurt vorstellte, empfehlen die Branchenexperten des Geldhauses, künftig noch mehr auf die Spezialchemie zu setzen – dazu zählen etwa Vorprodukte für die Pharma- und Kosmetikindustrie sowie Lacke und Farben. Alles Produkte, deren Ausstoß nicht in Millionen Tonnen, sondern in kleineren Einheiten gemessen werden.
„Deutsche Hersteller müssen mehr in die Spezialchemie investieren und ihre Innovationskraft weiter ausbauen“, so Tallner, „Gerade die mittelständischen Unternehmen haben dort besondere Stärken. Sie profitieren von der Nähe zu renommierten Forschungseinrichtungen und können sich schneller auf neue Trends einstellen.“
Als Beispiel nennt Tallner den Fahrzeugbau. Dort wird längst nicht mehr nur geschraubt und geschweißt, sondern vermehrt auch geklebt. Die Verwendung von speziellen Klebstoffen etwa in Autotüren erhöht die Festigkeit und senkt das Gewicht. „Die deutschen Hersteller haben dabei einen Know-how-Vorsprung, sagt Tallner.
Allerdings müssten die heimischen Produzenten aufpassen, ihren Vorsprung zu halten: „Insbesondere asiatische Hersteller holen bei den Patenten auf. Um mitzuhalten, müssen die Unternehmen auch zunehmend im Ausland forschen. Alles in allem, so Tallner, sollen sich die Deutschen „mehr auf ihren Intellekt als auf Rohstoffe“ verlassen.