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Ex-Manager Von wem Bilfinger nun Schadenersatz fordert

Exklusiv
Der Dienstleistungs- und Baukonzern Bilfinger verlangt, dass zwölf Ex-Manager Schadenersatz zahlen. Quelle: dpa

Der krisengebeutelte Bilfinger-Konzern will einige Ex-Manager zur Rechenschaft ziehen. Sie sollen Schadenersatz zahlen, weil sie das Compliance-Managementsystem nicht ordnungsgemäß eingeführt haben sollen.

Die heute bekannt gewordenen Schadenersatzforderungen des Mannheimer Bilfinger-Konzerns richten sich gegen insgesamt zwölf frühere Vorstandsmitglieder. Darunter sind die ehemaligen Vorstandschefs Roland Koch, inzwischen Mitglied im Stiftungsrat der Dussmann-Gruppe, und Herbert Bodner, ehemals auch Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. Sie sind die prominentesten Ex-Manger im Visier des früheren Baukonzerns, der heute alleine auf Industriedienstleistungen setzt.

Der Bilfinger-Aufsichtsrat hatte eine Prüfung von Schadensersatzansprüchen bei der international tätigen Wirtschaftskanzlei Linklaters in Auftrag gegeben. Den ehemaligen Vorstandsmitgliedern werden nach einer heute veröffentlichten Ad-hoc-Meldung von Bilfinger „Pflichtverletzungen bei der Implementierung eines ordnungsgemäßen Compliance-Management-Systems vorgeworfen“. Einzelne ehemalige Vorstandsmitglieder hätten außerdem „nach Ansicht des Aufsichtsrats im Zusammenhang mit M&A-Projekten in der Vergangenheit Pflichtverletzungen begangen“. Nach derzeitiger vorläufiger Berechnung liege der von der Gesellschaft erlittene erstattungsfähige Schaden in einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Nach WirtschaftsWoche-Informationen handelt es sich dabei um weniger als 200 Millionen Euro. Weitere Forderungen können aber noch hinzu kommen. Auch Schadenersatz-Forderungen gegen ehemalige Aufsichtsratsmitglieder werden derzeit geprüft.

Offen ist noch, in welcher Höhe die einzelnen Ex-Vorstände Schadenersatz leisten sollen. Neben Koch und Bodner müssen nach Informationen der WirtschaftsWoche beispielsweise der frühere Finanzvorstand Joachim Müller und der frühere Chef der Gebäudemanagementsparte, Jochen Keysberg, mit Schadenersatzforderungen ihres Ex-Arbeitgebers rechnen. Müller ist heute Finanzvorstand der Fernverkehrssparte der Deutschen Bahn. Keysberg ist Vorstandschef des Gebäudedienstleistungskonzerns Apleona, der 2016 aus dem Verkauf dieses Bilfinger-Geschäftsfelds an den Finanzinvestor EQT entstand.

Bilfinger war schon unter Bodner, der das Unternehmen von 1999 bis 2011 und nach Roland Kochs Scheitern noch einmal von 2014 bis 2015 führte, in mehrere internationale Korruptionsfälle verwickelt, unter anderem bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria. Seit 2014 steht das Unternehmen deshalb unter Aufsicht des US-Justizministeriums und zahlte eine Geldbuße von umgerechnet 23,3 Millionen Euro. 100 Millionen Euro hat Bilfinger unter Führung des neuen Vorstandschefs Tom Blades inzwischen in ein neues Compliance-System investiert. Dabei hatten sich sowohl Bodner als auch Koch stets überzeugt gegeben, in Sachen Korruptions-Prophylaxe Bilfinger bis zum Maximum optimiert zu haben. Bodner sagte in einem WirtschaftsWoche-Interview im Herbst 2010, er habe bei Bilfinger "ein Compliance-System eingeführt, also eine Struktur, die Korruption im Geschäft unterbindet". Auch Julius Berger  – Bilfingers nigerianische damalige 49-Prozent-Tochter  – habe ein Compliance-System. Das heiße zwar nicht, so Bodner damals, "dass es in Nigeria keine Korruption gäbe. Aber nicht bei Julius Berger".

Koch sah 2011 in einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche „keine Anzeichen dafür, dass es ein systematisches Problem gibt. 2007 hat das Unternehmen ein richtungsweisendes Compliance-System eingeführt“.

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