Grippostad-Hersteller Stada sagt Treffen mit Bietern ab

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Der Stada-Verkauf könnte sich verzögern. Ursprünglich wollten sich die beiden Private-Equity-Bieter aktuell mit dem Stada-Management treffen. Die Termine wurden jedoch kurzfristig abgesagt – wohl auf Betreiben des Aufsichtsrats.

Stada Quelle: dpa

Der Verkauf des Grippostad-Herstellers Stada könnte sich verzögern. Ursprünglich wollten sich die beiden Private-Equity-Bieter – zum einen Advent und Permira, zum anderen Bain und Cinven – am heutigen Donnerstag sowie am Freitag mit dem Stada-Management zu Präsentationen und Arbeitsgruppen treffen. Die Termine wurden jedoch kurzfristig abgesagt – wohl auf Betreiben des Aufsichtsrats, wie mit den Vorgängen vertraute Personen berichten.

Aus Unternehmenskreise heißt es dazu, der Zeitplan für den Bieterprozess sei bereits in der vergangenen Woche angepasst worden. Derzeit würden Vorstand und Aufsichtsrat im Zusammenspiel mit den Bankern die Angebote prüfen.  Beide Bieterkonsortien haben ihre Angebote von 58 Euro je Stada-Aktie – was einem Kaufpreis von 3,7 Milliarden Euro entspricht – Anfang dieser Woche noch einmal bestätigt.

Ursprünglich war mit einer Entscheidung Ende März gerechnet worden. Nun setzt Stada möglicherweise darauf, dass noch ein dritter Anbieter eine Offerte abgibt. Dadurch könnte sich der Prozess allerdings noch einmal um vier bis sechs Wochen verzögern, weil ein weiterer Bieter noch Zeit braucht, um ein Angebot auszuarbeiten. So soll der chinesische Konzern Shanghai Pharmaceuticals gemeinsam mit dem Finanzinvestor CVC ein Angebot vorbereiten. Dagegen dementierte Shanghai Fosun Pharmaceuticals, das ebenfalls als Interessent genannt wurde, gegenüber der WirtschaftsWoche: „Wir planen kein Angebot für Stada vorzulegen und bereiten auch kein Angebot vor. Die Medienberichte sind falsch.“

Die beiden bisherigen Bieterkonsortien rechnen allerdings mittlerweile mit spitzem Stift. Beide Konsortien sollen bereit sein, ihre Angebote noch einmal zu erhöhen, wenn ein finaler Einblick in die Bücher möglich ist. Viel mehr als 60 Euro je Aktie sei nicht drin, heißt es aus informierten Kreisen.  Der Grund für den geringen finanziellen Spielraum: Sowohl Advent/Permira als auch Bain/Cinven wollen anscheinend noch zusätzlich einige hundert Millionen Euro ausgeben, um Stada durch Zukäufe zu stärken, etwa bei Markenprodukten oder Bio-Generika. Auch die geplante verstärkte Internationalisierung von Stada dürfte noch hohe Kosten verursachen. „Stada präsentiert sich in jedem Land anders, mit unterschiedlichen Produkten und Schwerpunkten“, sagt ein Insider. Während das Unternehmen aus Bad Vilbel bei Frankfurt in Deutschland etwa für das Erkältungsmittel Grippostad bekannt ist, reüssiert es in England vor allem mit einem Mittel gegen Kopfläuse.

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Vor allem Advent/Permira scheinen bereit zu sein, zusätzlich weitere Vereinbarungen, etwa zu Investitionen, Standorten oder Forschung und Entwicklung abzuschließen, heißt es aus der Branche. Advent und Permira würden Stada dann zu gleichen Teilen halten. Dazu könnten allerdings noch Co-Investoren treten, die dann gleichfalls Anteile halten, etwa GIC, der Staatsfonds von Singapur oder kanadische Pensionsfonds.

In der Belegschaft stößt das Werben der Finanzinvestoren allerdings auf wenig Gegenliebe. Der Betriebsrat sorgt sich um die 1300 Arbeitsplätze in Deutschland und lehnt die Übernahmeangebote ab. „Der überwiegende Teil der Belegschaft präferiert die Eigenständigkeit“, sagt Alexander Wiesbach, Gewerkschaftssekretär bei der IG BCE Rhein Main. Der Kauf durch einen Finanzinvestor könnte „für die Belegschaft von Nachteil sein“, fürchtet Wiesbach, „schließlich müssen die möglicherweise höheren Finanzierungskosten wieder hereingeholt werden“.

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