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HanjinPleite trifft auch deutsche Reedereien und Anleger

Zu den rund um die Welt festsitzenden Hanjin-Schiffen gehören auch Frachter, die von deutschen Reedereien an Hanjin vermietet werden – finanziert mit Geld von heimischen Privatanlegern.Mark Fehr 21.09.2016 - 09:57 Uhr

Von der Hanji-Pleite sind auch deutsche Reedereien betroffen.

Foto: REUTERS

Die Hanjin-Pleite trifft auch deutsche Reedereien, die ihre Schiffe an die Koreaner vermietet haben. Beispiel ist die Conti-Gruppe aus München. Um das operative Geschäft des Unternehmens kümmern sich zwei Töchter mit Sitz in den Hansestädten Bremen und Buxtehude. Conti äußert sich nicht zu den aktuellen Entwicklungen.

Das Unternehmen bezeichnet sich als eine der weltgrößten Reedereien, betreibt rund 70 Schiffe und beschäftigt rund 2400 Seeleute. Zahlreiche Conti-Schiffe sind an Hanjin verchartert, also vermietet. Wie der Containerfrachter Hanjin Vienna, der gerade zwangsweise vor Vancouver Island an der kanadischen Pazifikküste ankern muss. Eigentlich hätte die Hanjin Vienna ihre am 2. September im Hafen von Vancouver gestartete Fahrt über den Ozean nach Tokio schon am 13. September beenden sollen. Doch die Pleite des koreanischen Charterers hielt das Schiff auf.

Genau diese Route hat die Hanjin Geneva, ein weiteres Conti-Schiff, bereits zurückgelegt. Fast. Jetzt liegt auch sie vor der japanischen Küste vor Anker. Die Conti Canberra hingegen hätte im Hafen von Kuala Lumpur einlaufen sollen, doch muss sie nun in der dicht befahrenen Seestraße von Malakka parken, während die Schiffe der Konkurrenz munter an ihr vorbei ziehen.

Platz 10
Mit einer einer Transportkapazität von knapp 600.000 TEU und einem Marktanteil von 2,8 Prozent hat es die taiwanesische Yang Ming Marine Transport Corp. in die Top 10 der weltweit größten Reedereien geschafft. Yang Ming ist mit 172 Niederlassungen in 73 Ländern vertreten und gehört damit zu den größten Transportunternehmen weltweit.

Quelle: Alphaliner, Stand: Juni 2016

Foto: dpa

Platz 9
Die Orient Overseas Container Line, kurz OOCL, kann mehr als 606.735 Standardcontainer transportieren, ergibt eine Auswertung des Branchendienstes Alphaliner von Ende Juni 2016. Das sind drei Prozent Weltmarktanteil. Damit landet das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Hongkong auf dem neunten Platz der größten Reedereien der Welt.

Quelle: Alphaliner, Stand: Juni 2016

Foto: dpa

Platz 8
Mit einem Transportvolumen von rund 625.000 geht die Reederei Hanjin Shipping auf dem achten Platz vor Anker. Das Unternehmen sitzt in Seoul und gehört mit weiteren Unternehmen wie der Fluggesellschaft Korean Air zur Hanjin Group. Die Schiffe von Hanjin fahren hauptsächlich zwischen Ostasien, Europa und der Westküste der USA. Mittlerweile ist Hanjin Shipping pleite.

Foto: AP

Platz 7
Auf Rang Sieben landet die Deutsche Reederei Hamburg Süd mit einer Kapazität von knapp 650.000 Standardcontainern. Das Unternehmen wurde 1871 von elf Hamburger Handelshäusern gegründet. Heute ist es im Besitz der Oetker-Gruppe.

Foto: dpa

Platz 6
Auf Position sechs des Rankings: Die Reederei Hapag-Lloyd mit Sitz in Hamburg besitzt am 21. Juni 2016 dem Branchendienst Alphaliner zufolge eine Kapazität von 925.21 Standardcontainern. Das sind 4,5 Prozent Weltmarktanteil. Die tief gefallenen Ölpreise sorgten auch bei der größten Reederei Deutschlands für Probleme: Eine Gewinnwarnung des Weltmarktführers Møller-Maersk hatte im vergangenen Jahr den Börsengang erschwert. Die Hamburger mussten ihre Aktien billiger anbieten, um Investoren zu finden. Darunter litten auch die Großaktionäre - Tui, die Stadt Hamburg, und der Großspediteur Klaus Michael-Kühne.
Um besser durch die Krise der globalen Schifffahrt zu kommen, will sich Deutschlands größte Containerreederei eigenen Angaben zufolge mit dem arabischen Konkurrenten United Arab Shipping Company (UASC) zusammenschließen.

Foto: AP

Platz 5
Mit 963.777 Containern Kapazität schafft es Evergreen Line aus China auf Position fünf. Damit hat Evergreen seit Februar einen Platz verloren. Die Schiffe der Flotte tragen übrigens alle auch den Zusatz „Ever“ im Namen.

Foto: REUTERS

Platz 4
Durch die Fusion der China Ocean Shipping Company (COSCO) mit der China Shipping Container Lines (CSCL) ist Anfang des Jahres der Anbieter mit der weltweit größten hauseigenen Flotte im Reich der Mitte entstanden. Mit einem Transportvolumen von 1.573.498 und einem Marktanteil von 7,6% hat sich der neue chinesische Container-Riese auf Platz vier katapultiert.

Foto: dpa

Platz 3
Die Top drei der größten Reedereien eröffnet CMA CGM. Mit über 2,3 Millionen Containern Kapazität und 11,3 Prozent Marktanteil liegt die französische Gesellschaft deutlich vor der viertplatzierten COSCO Container Lines. Durch die Fusion mit der singapurischen NOL haben die Franzosen diesen Abstand noch vergrößert.

Foto: AP

Platz 2
Die Silbermedaille gibt es für die Mediterranean Shipping Company, kurz MSC. Dabei handelt es sich um eine 1970 gegründete Reederei aus der Schweiz, mit Sitz in Genf. Die Erfolgsstrategie: bis vor rund 17 Jahren kaufte man nur Second-Hand-Containerschiffe. Erst später stieg man auf neue beziehungsweise Charterschiffe um. Das Unternehmen kann rund 2,7 Millionen Container transportieren. Dies entspricht einem Marktanteil von 13,3 Prozent.

Foto: dpa

Platz 1
Auf dem ersten Platz hisst die Reederei APM-Maersk Line ihre Flagge. Mit einem Transportvolumen von über 3,1 Millionen ist das Unternehmen der dänischen Gruppe A.P. Moeller-Maersk das größte seiner Branche und konnte seinen Marktanteil noch um 2 zwei Prozent auf 15,2 Prozent erhöhen.

Foto: REUTERS

Wenn die Schiffe keinen neuen Charterer finden, muss Conti das allerdings nicht allein ausbaden. Denn das Unternehmen hat die Schiffe über Schiffsfonds finanziert und dabei auch viele Privatanleger an Bord geholt. Deren Rendite besteht aus den Chartereinnahmen der Schiffe, sie tragen also das Risiko, wenn die Einnahmen ausbleiben.

Die an Hanjin vermieteten Conti-Schiffe haben sich bisher aus Anlegersicht ganz gut entwickelt, während zahlreiche andere deutsche Schiffsfonds angesichts der Schifffahrtskrise pleite gegangen sind. Die Schieflage nach der Hanjin-Pleite wird nun auch die gute Leistungsbilanz der Conti-Anleger ankratzen.

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Auch das derzeit in Hamburg festsitzende Hanjin-Schiff namens „Hanjin Europe“ hätte eigentlich von Privatanlegern finanziert werden sollen. Es gehörte zu einer Gruppe von neun Schiffen, die das Hamburger Fondshaus MPC Capital 2008 bei der koreanischen Hyunday-Werft bestellt hatte. Den Bankkredit in Höhe von insgesamt 689 Millionen Euro steuerte zum größten Teil die Hamburger HSH Nordbank bei, unterstützt von vier weiteren großen Banken (Credit Agricole, Dresdner, HVB, Deutsche Schiffsbank).

Ursprünglich war geplant, diese neun Hanjin-Schiffe – wie in Deutschland damals üblich – über einen geschlossenen Schiffsfonds an Privatanleger zu vertreiben. Doch nach Fertigstellung in den Jahren 2012 und 2013 war die Schifffahrtskrise schon so weit fortgeschritten, dass sich die Beteiligungen nicht mehr unters Volk bringen ließen.

Die Schiffe wurden daher von der koreanischen Reederei Hanjin direkt oder durch internationale Leasinggesellschaften mit Sitz auf der Kanalinsel Isle of Man übernommen.

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