Heizungsgesetz: Steigt der Wärmepumpen-Absatz in diesem Jahr endlich wieder?
2024 setzte die Branche nur etwa 193.000 Wärmepumpen ab. Ziel der Ampel-Koalition waren eigentlich 500.000 pro Jahr.
Foto: Imago ImagesDie Wärmepumpe hat ein Seuchenjahr hinter sich. Und das nach Jahren des Aufschwungs. 2021 wurden 154.000 Geräte verkauft, 2022 schon 236.000. Gemündet ist diese Erfolgstory im Rekordjahr 2023, mit rund 356.000 abgesetzten Wärmepumpen.
Danach riss die Story ab. 2024 setzte die Branche nur etwa 193.000 Wärmepumpen ab. Ein Minus von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zeigen Zahlen des Bundesverband Wärmepumpe (BWP) und des Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Der Rückfall habe sich schon abgezeichnet; bereits im Herbst 2023 habe sich der Absatz rückläufig gegenüber den beiden Vorjahren entwickelt.
Der Negativtrend hat sich fortgesetzt, immerhin bis zum April 2024, heißt es aus dem BWP. Kommt die Wärmepumpe nun also wieder in Tritt? Immerhin gilt sie als effizienter Heilsbringer der Wärmewende. An der ist Deutschland bisher aber krachend gescheitert. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gab schon 2022 das Ziel aus, hierzulande 500.000 neue Wärmepumpe installieren lassen zu wollen. Und das jedes Jahr. Das ist bisher nicht annähernd gelungen.
Steigt der Wärmepumpen-Absatz in diesem Jahr wieder?
Bei seiner Absatzprognose des BWP für dieses Jahr stehen die Zeichen allerdings auf Wachstum. Der Branchenverband rechnet hier mit zwei möglichen Szenarien. Szenario 1: Alle aktuellen Rahmenbedingungen, also etwa die Heizungsförderung, bleiben wie gehabt bestehen. Dann rechnet der Verband für 2025 mit rund 257.000 abgesetzten Wärmepumpen, also einem Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2026 seien dann sogar 348.000 drin.
Szenario 2 ist das optimistischere und geht von künftigen Entlastungen beim Strompreis und einer offenen Kommunikation der Bundespolitik zum CO2-Preis sowie der Kommunen zur Zukunft der Gas- und Fernwärmenetze aus. Das unterstütze aktiv den Umstieg auf etwa die Wärmepumpe und schlage sich dann 2025 sogar in einem Absatz von 309.000 Wärmepumpen nieder. 2026 wären es dann schon 450.000 – und in Schlagdistanz zum ursprünglichen Ziel von Robert Habeck.
Die Strukturen für den Hochlauf stünden bereit
Nun ist Habeck nicht mehr lange Wirtschaftsminister. Ende Februar wird eine neue Bundesregierung gewählt. Das treibt auch die Branche um. Immerhin war es etwa die CDU, die Ende vergangenen Jahres ankündigte, die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, das „Heizungsgesetz“, zurücknehmen und die entsprechende Förderung schmelzen oder gleich streichen zu wollen.
Dabei sei Planungssicherheit hier für alle wichtig: die Verbraucher, die Industrie und das Handwerk. „Es braucht Verlässlichkeit, klare Perspektiven und ein Bekenntnis zu Klimaschutz und grünen Technologien, um den Markt anzukurbeln“, sagt BWP-Geschäftsführer Martin Sabel. Im aktuellen Wahlkampf klinge aber oft durch, dass Klimaschutz ein Luxusthema sei, das die Wirtschaft bremse. „Ich glaube aber, dass wir diese effizienten und zukunftsweisenden Technologien brauchen und gerade dort unsere wirtschaftliche Perspektive liegt – da sollten wir hierzulande mit vollem Selbstvertrauen loslegen“, sagt er.
Wie auch immer man zur Novelle des Gebäudeenergiegesetzes stehe – das Gesetz habe ein Aufbruchsignal für erneuerbare Energien gesetzt. „Die Diskussion über eine Rücknahme löst deshalb vor allem Irritation bei Industrie, Handwerk und Gebäudeeigentümern aus und sorgt für eine unnötige und schädliche Zurückhaltung am Wärmemarkt“, sagt Martin Sabel. Denn die Lösungen seien bereits am Markt, da sich Industrie und Handwerk längst auf die Vorgaben eingestellt hätten.
Die Unternehmen hätten richtigerweise auf die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Wärmepumpen in den Jahren 2022 und 2023 reagiert und europaweit mehr als sieben Milliarden Euro in Fertigungsstrecken, Fachkräfte und Schulungskapazitäten investiert, heißt es auch vom BWP-Vorstandsvorsitzenden Claus Fest.
Klaus Ackermann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BWP und Geschäftsführer der Wärmepumpenherstellers NIBE aus Celle ergänzt: „Unsere Unternehmen aus Industrie und Handwerk haben Arbeitsplätze in Deutschland und Europa geschaffen. Wir haben uns damit auf einen harten globalen Wettbewerb eingestellt und auf einen bald wieder anziehenden Markt gut vorbereitet.“
Ackermann verweist auch darauf, dass die Situation der Heizungsbranche stellvertretend für große Teile des Mittelstands in Deutschland stehe: Die gesamte Wertschöpfungskette von Fertigung über Installation bis hin zur Finanzierung von Wärmepumpen berge ein enormes Innovationspotenzial und könne auf einem ausgezeichneten Ruf aufbauen. Wichtig sei jedoch, dass die Politik Investitionen in erneuerbare Energien weiterhin unterstütze.
Unsicherheit sorgt für Hochlauf bei Förderung – und kurzfristigem Boom in der Branche
Ein weiterer Erfolgsgarant für den Absatz von Wärmepumpen sei außerdem, die Förderung schlicht bekannter zu machen. Dass sich der Absatz ab vergangenem Mai stabilisierte und im letzten Quartal des Vorjahres anstieg, liegt laut BWP auch daran, dass die Förderung zunehmend von Verbrauchern in Anspruch genommen wurde.
Zahlen des Bundesministerium für Wirtschaft und Klima zeigen, dass es im vergangenen Oktober rund 18.000 Förderzusagen gab, im November 25.000 und im Dezember schon 37.000. Insgesamt wurden 2024 so etwa 151.000 Förderungen für Wärmepumpen zugesagt.
Dieser Hochlauf zum Ende des vergangenen Jahres beflügelte auch die Unternehmen. Zumindest kurzfristig. Installateur Thermondo etwa meldete zuletzt Rekordumsätze mit Wärmepumpen. Demnach soll der Umsatz kurz vor Jahreswechsel 2,5 bis drei Mal so hoch gewesen sein wie noch im Oktober. Auch Thermondo gibt dafür als Grund die Unsicherheit über die künftige Förderung für den Heizungstausch an.
Ein ähnliches Bild zeichnet 1Komma5°. Das Unternehmen, das erst kürzlich eine vorbörsliche Finanzierungstunde in Höhe von 150 Millionen Euro abgeschlossen hat, konnte seinen Wärmepumpen-Absatz 2024 um 1300 Prozent steigern – von 50 Wärmepumpen im Monat zu Jahresanfang auf 700 im Dezember. „Die Heizungsförderung steht aktuell auf der Kippe, die Menschen versuchen jetzt noch, umzurüsten – gleichzeitig sind die Preise für Wärmepumpen um fünf bis acht Prozent gesunken“, sagt Janik Schall, CPC und Mitgründer von 1Komma5°.
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