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  4. Gewinn von Bayer bricht ein, aber Monsanto-Übernahme treibt Umsatz

Klagewelle in den USABayer-Gewinn bricht ein

Bayer hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient. Unterm Strich brach der Gewinn um rund drei Viertel ein. Eines der Probleme: Mittlerweile gibt es rund 11.200 Kläger wegen des Unkrautvernichters Glyphosat. 27.02.2019 - 08:47 Uhr aktualisiert

Der Bayer-Konzern legt eine durchwachsene Jahresbilanz vor.

Foto: dpa

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient. Unter dem Strich brach der Gewinn um rund drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro ein, wie der Dax-Konzern am Mittwoch in Leverkusen mitteilte.

Neben Kosten im Zusammenhang mit dem Kauf des US-Saatgutkonzerns Monsanto belasteten Abschreibungen auf Firmenwerte im Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten, da sich Bayer hier von weniger gut laufenden Bereichen trennen will. Zudem floss nicht mehr die ehemalige Tochter Covestro in die Bilanz ein. Der von Vorstandschef Werner Baumann im November angekündigte Konzernumbau hinterlässt damit tiefe Spuren in der Bilanz.

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Der Umsatz hingegen wurde angeschoben und legte dank der Monsanto-Übernahme im abgelaufenen Jahr um rund 13 Prozent auf 39,6 Milliarden Euro zu. Bayer profitierte vor allem im Agrargeschäft von der Übernahme des US-Saatgutriesen, die zu einem deutlichen Anstieg des Ergebnisses von fast 79 Prozent in diesem Bereich beitrug. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten stieg aber nur leicht um 2,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, auch weil Kosten für die Behebung von Problemen infolge einer Rüge der US-Gesundheitsbehörde FDA anfielen.

Die Klagewelle in den USA gegen Bayer reißt nicht ab. Bis zum 28. Januar seien Klagen von rund 11.200 Klägern zugestellt worden, wie Bayer weiter mitteilte. Das sind rund 1900 mehr als Ende Oktober. Die Zahl schnellt seit August letzten Jahres nach oben. Damals hatte ein Geschworenen-Gericht einem Krebspatienten, der glyphosathaltige Unkrautvernichter von Monsanto für seine Erkrankung verantwortlich macht, einen Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe zugesprochen. Bayer weist die Vorwürfe zurück.

Schneller schlau: Glyphosat
Glyphosat ist ein sogenanntes Total-Herbizid, es wirkt auf sämtliche grüne Pflanzen und hat damit ein so breites Spektrum wie kaum ein anderer herbizider, also unkrautvernichtender, Wirkstoff. Wo Glyphosat auf Pflanzen gesprüht wird, wächst sprichwörtlich kein Gras mehr – und auch kein Kraut, Strauch oder Moos.
Der wasserlösliche Wirkstoff wird über die Blätter aufgenommen und geht in alle Pflanzenteile, auch die Wurzel – was etwa für die Verwendung an Bahngleisen wichtig ist. Glyphosat blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen – das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt.
Mit der nahezu vollständigen Vernichtung aller Kräuter und Gräser auf dem Acker sinke nicht nur die Zahl der Pflanzen stark, heißt es vom Umweltbundesamt (UBA). Dies entziehe allen an Ackerlebensräume gebundenen Arten wie Insekten und Feldvögeln großflächig die Lebensgrundlage. Ganze Nahrungsnetze könnten zusammenbrechen.

Bedeutender als dieses erste Verfahren ist der in der letzten Februar-Woche gestartete Prozess eines weiteren Klägers. Denn es handelt sich um den ersten Fall, der vor einem Bundesbezirksgericht verhandelt wird und Teil eines Massenverfahrens ist.

Für 2019 rechnet Bayer mit einem währungsbereinigten Umsatzanstieg von etwa vier Prozent auf rund 46 Milliarden Euro und einem Zuwachs des bereinigten Betriebsgewinns auf rund 12,2 Milliarden. Bayer befindet sich mitten im größten Sparprogramm seiner Firmengeschichte. Bis Ende 2021 sollen rund 12.000 der weltweit gut 118.000 Stellen abgebaut werden. Baumann will sich zudem vom Geschäft mit Tier-Medizin sowie Marken im Bereich Sonnenschutz und Fußpflege trennen. Der Leverkusener Pharma- und Agrachemie-Konzern will zudem seinen Anteil am Chemiepark-Betreiber Currenta verkaufen. In Wuppertal wird ein Betrieb zur Herstellung von Produkten zur Behandlung der Bluterkrankheit Hämophilie aufgegeben. Im vierten Quartal fielen als Teil dieser Maßnahmen Abschreibungen von 3,3 Milliarden Euro an.

dpa, rtr
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