Kunststoffkonzern: Covestro-Gewinn sinkt unter dem Strich um fast 77 Prozent
Das Logo des Kunststoffkonzerns Covestro am Hauptsitz in Leverkusen.
Foto: REUTERSDer Kunststoffkonzern Covestro hat im zweiten Quartal eine schwache Nachfrage zu spüren bekommen und wird etwas pessimistischer für das Gesamtjahr. „Wir befinden uns nach wie vor in einem konjunkturell herausfordernden Umfeld“, erklärte Finanzchef Thomas Toepfer am Dienstag. „Für den weiteren Jahresverlauf gehen wir augenblicklich weiterhin nicht von einer wirtschaftlichen Erholung aus.“
Covestro bekräftigte zwar seine im April angehobene Prognose, die einen operativen Gewinn von 1,1 bis 1,6 (2022: 1,617) Milliarden Euro vorsieht. Vor dem Hintergrund einer voraussichtlichen konjunkturellen Abschwächung im weiteren Jahresverlauf erwartet der Konzern nun aber eher ein Ergebnis in der unteren Hälfte dieser Spanne.
„In diesem schwierigen Umfeld liegt unser Fokus auf effizientem und kostenbewusstem Handeln“, sagte Vorstandschef Markus Steilemann. Auch der freie Mittelzufluss (Free Operating Cash Flow) dürfte in der unteren Hälfte der Prognose von Null bis 500 (Vorjahr: 138) Millionen Euro liegen.
Unter den großen börsennotierten Vertretern aus der deutschen Chemieindustrie ist Covestro bislang das einzige Unternehmen, dass seine Prognosen für dieses Jahr nicht komplett kassiert hat. Dagegen mussten Branchenprimus BASF und die Spezialchemiekonzerne Lanxess und Evonik ihre Ziele deutlich senken, da die erhoffte Erholung im zweiten Halbjahr ausbleibt.
Im zweiten Quartal brach der operative Gewinn von Covestro um fast 30 Prozent auf 385 Millionen Euro ein. Das Leverkusener Unternehmen setzte 3,7 Milliarden Euro um, gut ein Fünftel weniger als noch vor Jahresfrist. „Das zweite Quartal des Jahres war durch eine anhaltend schwache Konjunktur und weltweite Nachfrageschwäche geprägt“, sagte Vorstandschef Steilemann.
Der Konzern habe dennoch seine eigenen Ziele erreicht, die ein Ergebnis von 330 bis 430 Millionen Euro vorsahen. Unter dem Strich sank der Gewinn um fast 77 Prozent auf 46 Millionen Euro.
Covestro steht derzeit mitten im Zentrum von Übernahmespekulationen. An der ehemaligen Kunststofftochter von Bayer, die 2015 an die Börse gebracht wurde, soll der staatliche Ölkonzern Adnoc aus Abu Dhabi interessiert sein.
Aber auch mit einer Erhöhung seiner informellen Offerte auf 57 Euro von rund 55 Euro je Aktie konnte Adnoc die Leverkusener Insidern zufolge bisher nicht locken. Analyst Markus Mayer von Baader Helvea hatte zuletzt 60 Euro je Aktie als Startpunkt für Gespräche gesehen.
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