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Nach Hedgefonds-ForderungenDax-Konzern Brenntag stellt Geschäftssparten eigenständiger auf

Brenntag will die Unabhängigkeit seiner Geschäftssparten mit einer neuen Führungsstruktur stärken. Das könnte bedeuten, dass der Chemiehändler die von Investoren geforderte Aufspaltung der Geschäftsbereiche vorbereitet.Nele Antonia Höfler 06.07.2023 - 12:40 Uhr

Zwei aktivistische Investoren fordern die Aufspaltung von Brenntag.

Foto: dpa

Der Chemikalienhändler Brenntag stellt seine beiden Sparten Specialties (Spezialchemikalien)  und Essentials (Prozesschemikalien) unabhängiger auf. Der bisherige Restrukturierungsvorstand Ewoutvan Jarwaarde wird ab August zum Vorsitzenden der Sparte Essentials. Er folgt auf Steven Terwindt, der seinen noch bis Ende Juli laufenden Vertrag nicht verlängern wird. Michael Friede ist im Vorstand bereits für Specialties zuständig und wird kommenden Monat zum Vorsitzenden der Sparte. Der Vorstand wird somit von fünf auf vier Mitglieder verkleinert.  

Brenntag-Chef Christian Kohlpaintner verfolgt schon seit einiger Zeit den Plan, die beiden Geschäftseinheiten eigenständiger aufzustellen. Im Geschäftsfeld „Specialties“ konzentriert sich Brenntag auf den Vertrieb von Inhaltsstoffen für ausgewählte Branchen. Im Bereich „Essentials“ vermarktet das Unternehmen Prozesschemikalien. Mit der Umstrukturierung sollen sich die Ergebnisse beider Sparten verbessern und ihre Wachstumsinitiativen beschleunigt werden. „Wir statten die Geschäftsbereiche mit den schlanken und effizienten Prozessen, Ressourcen und Fähigkeiten aus, die sie benötigen, um ihr Geschäft unabhängiger und eigenständiger zu steuern, ihre Geschäftsergebnisse zu verbessern und ihre dezidierten Wachstumsinitiativen zu beschleunigen“, kommentiert Kohlpaintner.   

Weitere Veränderungen sind 2024 geplant. Anfang 2024 sollen einige Funktionen, Verantwortlichkeiten und Aktivitäten von der Konzernebene auf die Sparten verlagert werden. Dazu soll unter anderem das Personalwesen gehören. Außerdem bekommen die beiden Geschäftseinheiten jeweils eigene Gremien. Das Specialties-Geschäft wird zudem in die Untereinheiten Life Science und Material Sciences unterteilt. Der Bereich Life Science soll die  Lebensmittel-, Pharma- und  Kosmetikanbieter beliefern, Material Sciences die klassischen Chemiekunden.     

Vorboten der Aufspaltung?

Die heute angekündigten Änderungen dürften als Indiz dafür gewertet werden, dass sich der Dax-Konzern auf eine Aufspaltung vorbereitet. Brenntag war mit dieser Forderung zuletzt massiv unter Druck aktivistischer Investoren geraten. Vor allem der britische Finanzinvestor Primestone, der gut zwei Prozent an Brenntag hält, aber auch der US-Hedgefonds Engine Capital fordern die Aufspaltung des Konzerns. Die Investoren erhoffen sich davon eine schnellere Wertsteigerung. Ihre Kritik: Das Geschäft der kleineren Sparte mit Spezialchemie ist eigentlich lukrativer, bleiben aber hinter der Performance der Konkurrenz zurück.  

Der Streit hat sich bei der vergangenen Hauptversammlung vor einigen Wochen zugespitzt. Primestone hatte im Vorfeld eigene Kandidaten für die Wahl zum Aufsichtsrat aufgestellt. Woraufhin sich zwei mächtigen Aktionärsberater ISS und Glass Lewis aus den USA auf ihre Seite stellten. Am Ende setzten sich trotzdem die vom Brenntag-Management vorgeschlagenen Kandidaten durch. Deren Wahlergebnis fiel jedoch sehr bescheiden aus.   

Das Unternehmen sperrt sich nicht generell gegen eine mögliche Aufspaltung, bezeichnet den aktuellen Zeitpunkt jedoch als zu früh. Kohlpaintner betonte zuletzt, verschiedene Varianten zu prüfen. Eine Holdingstruktur wäre beispielsweise eine mögliche Alternative.   

Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nannte das Vorgehen der aktivistischen Investoren Primestone und Engine Capital gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters „toxisch.“ Der Aufsichtsrat habe vor drei Jahren den Handlungsbedarf erkannt und mit dem neuen Vorstandschef Christian Kohlpaintner eine „fundamentale Transformation“ angestoßen, um die Rendite zu stärken. Diese Transformation gelte es nun kontinuierlich fortzusetzen. Die Äußerungen der beiden Investoren kämen zur Unzeit: Man müsse „die Braut ja erstmal hübsch machen“ bevor man sie möglicherweise verkauft. Möglicherweise ist es das, was Brenntag mit der Restrukturierung vorhat.   

Klarheit soll es im Spätherbst geben. Dann wird  ein Kapitalmarkttag stattfinden, auf dem Brenntag die Schlussfolgerungen zu den strategischen Optionen und dem zukünftigen Weg für Brenntag bekanntgeben will.

Lesen Sie auch: Investoren von Primestone im Interview - „Die Zeit spielt gegen Brenntag“

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