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Neue Studie Trump schimpft auf ausländische Autobauer – profitiert jedoch am meisten von deren Investitionen

US-Präsident Donald Trump droht den deutschen Autobauern mit Strafzöllen. Dabei investieren die Konzerne nirgendwo so stark wie in den USA.

Allein 2017 hat Daimler 887 Millionen Euro im US-Werk investiert, um eine Batterieproduktion in den USA aufzubauen. Quelle: AP

Düsseldorf„Unfairׅ“ seien die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa, schimpfte US-Präsident Donald Trump zuletzt immer wieder. Den deutschen Autobauern Mercedes und BMW drohte er bei einem Wahlkampfauftritt am Wochenende darum ganz offen mit Strafzöllen.

Dabei hat kein Land der Welt in den vergangenen acht Jahren so stark von den Investitionen der Autoindustrie profitiert wie die USA. Das belegt eine neue Studie der Unternehmensberatung EY (ehemals: Ernst&Young), die sich die weltweiten Investitionen im Automobilsektor genauer angesehen hat.

Seit 2010 haben die 16 größten Autokonzerne der Welt demnach Investitionen in Höhe von 38,1 Milliarden Euro in den USA angekündigt oder getätigt. Damit floss mehr Geld in die amerikanischen Werke als nach Deutschland (35,4 Milliarden Euro) oder China (27,2 Milliarden Euro). Allein 2017 betrugen die Investitionen 8,6 Milliarden Euro. Nur in Deutschland wurde im vergangenen Jahr mit 12,3 Milliarden Euro mehr investiert.

Die USA sind für die Hersteller nicht nur Absatzmarkt, sondern auch ein interessanter Standort für Export-Autos. „Gut jedes zweite Auto, das die deutschen Automobilhersteller in den USA produzieren, geht als Export in Länder außerhalb des Nafta-Raums“, erklärte Bernhard Mattes, Präsident des Automobilverbands VDA, zuletzt dem Handelsblatt.

Der große Teil der Investitionen der Autohersteller fließt allerdings in die Erweiterung und Modernisierung von US-Werken. Nur 3,6 Milliarden Euro wurden in den Neubau von Standorten investiert, in China waren es im vergleichbaren Zeitraum 20 Milliarden Euro.

Die vielfache Kritik von Trump am Nachbarland Mexiko ist allerdings von den Fakten nicht gedeckt. In den vergangenen sieben Jahren flossen nur 2012 und 2013 mehr Investitionen nach Mexiko als in die USA. In den vergangenen zwei Jahren haben die Autobauer ihre Investitionen in Mexiko nahezu vollständig gestoppt.

Während die Investitionen in den USA sich auf 14,9 Milliarden Euro beliefen, wurden in Mexiko im gleichen Zeitraum gerade einmal 100 Millionen Euro investiert.

Und auch bei den Arbeitsplätzen hat kein Land weltweit so stark von der internationalen Autobranche profitiert wie die USA. Rund 16.000 neue Arbeitsplätze wurden laut der Studie allein im Jahr 2017 angekündigt oder geschaffen – mehr als drei Mal so viele wie in Deutschland.

„Die Entwicklungsabteilungen arbeiten intensiv an neuen Technologien in den Bereichen Elektrifizierung, Vernetzung und autonomes Fahren“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. Und gerade bei diesen Zukunftsinvestitionen hatte Deutschland im Jahr 2017 die Nase vorn. Mit angekündigten oder getätigten Investitionen in Höhe von 3,15 Milliarden Euro allein in die Elektromobilität hängt Deutschland sogar ambitionierte Elektroauto-Länder wie China (990 Millionen Euro) und die USA (887 Millionen Euro) ab. Hier hätte Trumps Amerika Nachholbedarf.

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