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PharmaStada-Rebellen geraten unter Druck

Die Hauptversammlung verläuft turbulent. Investor AOC will Stada auf Trab bringen und die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat austauschen. Wichtige Aktionärsvertreter stellen sich in einigen Punkten gegen AOC.Jürgen Salz 26.08.2016 - 15:16 Uhr

Das Logo des Arzneimittelherstellers Stada.

Foto: dpa

Ruhig und sachlich umgarnt Florian Schuhbauer die knapp tausend Stada-Aktionäre im Saal Harmonie des Frankfurter Congress Centers: "Stada ist ein starkes, attraktives Unternehmen", sagt er, "wir mögen Stada". Gleichwohl will AOC-Mitgründer Schuhbauer gemeinsam mit seinem Kompagnon Klaus Röhrig einschneidende Veränderungen im Unternehmen durchsetzen.

Stada könne mehr Wachstum und Gewinn generieren, hatten sie bereits im Vorfeld argumentiert. Zudem kritisieren sie die verkrusteten Strukturen bei dem Pharmahersteller. Der frühere, langjährige Vorstandschef Hartmut Retzlaff konnte lange schalten und walten, wie er wollte. Der Aufsichtsrat unter Führung des Rechtsanwalts Martin Abend habe den Vorstand nicht gut kontrolliert; Schuhbauer sprach in der Hauptversammlung von "Vetternwirtschaft".

AOC fordert nun, die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat komplett auszutauschen. Auch Stada will das Kontrollgremium neu aufstellen – dabei allerdings nur vier Kapitalvertreter austauschen. Aufsichtsratschef Abend und sein Stellvertreter Carl-Friedrich Oetker sollen dem Gremium dabei erhalten bleiben.

Stada Hauptversammlung

Investor AOC attackiert Aufsichtsratschef Abend

Von wichtigen Aktionärsvertretern gab es jedoch auch Kritik an AOC. "Die Forderungen von AOC sind im wesentlichen sehr berechtigt", sagte Peter Barth von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, die Tausende Kleinaktionäre vertritt. Allerdings schränkte Barth auch ein: "Uns stört, dass wir gar nicht wissen, wer hinter AOC steckt. Wir können ja noch nicht mal ausschließen, das hinter AOC ein Wettbewerber steckt."

AOC-Mitgründer ging darauf in seiner Hauptversammlungsrede nicht ein. Bekannt ist lediglich, dass hinter AOC vermögende Familien vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum stehen.

Die Kandidaten für den Stada-Aufsichtsrat
Martin Abend (53): Chef des Stada-Aufsichtsrates seit 2009, tritt wieder an, vom Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) abgelehnt. Rechtsanwalt und Vizepräsident der BundesrechtsanwaltskammerCarl Ferdinand Oetker (43): Vizechef des Aufsichtsrates und Vorsitzender des Prüfungsausschusses, tritt wieder an, von AOC abgelehnt. Ökonom, Manager Bankhaus Lampe, Oetker-Familie (Sohn Rudolf August Oetker in 3. Ehe)Birgit Kudlek (49): Vorschlag Stada, von AOC abgelehnt. Pharmazeutin, Wirtschaftswissenschaftlerin und Managerin unter anderem bei SandozGunnar Riemann (57): Vorschlag Stada, von AOC abgelehnt. Pharmazeut, Doktor der Biochemie, Pharma-Manager Bayer, selbstständiger Unternehmensberater
Rolf Hoffmann (57): Vorschlag Stada, von AOC unterstützt, Philologe, Sportwissenschaftler und Pharma-Manager u.a. bei Amgen und Eli LillyTina Müller (47): Vorschlag Stada, von AOC unterstützt, Diplom-Kauffrau und Marketing-Expertin unter anderem bei Henkel, Erfinderin der Opel-Kampagne „Umparken im Kopf“
Klaus-Joachim Krauth (1961 in Stuttgart geboren): Vorschlag AOC, Luxemburg, Wirtschaftsingenieur, Funktionen als CFO bei der Hexal AG und Verantwortung für Private EquityHans-Helmut Fabry (1956 in Bochum geboren): Vorschlag AOC, Unternehmensberater mit Novartis-Vergangenheit, Diplom-PsychologeEric Cornut (1957 in Basel geboren): Vorschlag AOC, Jurist und langjähriger ranghoher Novartis-Manager. Soll Nachfolger von Aufsichtsratschef Abend werdenUrsula Schütze-Kreilkamp (1959 in Bonn geboren): Vorschlag AOC, promovierte Humanmedizinerin, doppelte Fachärztin für Gynäkologie und Psychotherapie, Leiterin Personalentwicklung bei der Deutschen Bahn, soll Carl Ferdinand Oetker ersetzen.
Roland Kirchner (58): Aktionär, der sich selbst als Aufsichtsrat vorgeschlagen hat, Wirtschafts-Ingenieur und Diplom-Betriebswirt, zuletzt selbstständiger Solar-Unternehmer

Kritik an einem AOC-Vorschlag äußerte auch Winfried Matthes von Deka Investment, der Fondsgesellschaft der Sparkasen, die 842.000 Stada-Aktien vertritt. "Die vollständige Neubesetzung des Aufsichtsrats geht uns zu weit", so Matthes. Die Gefahr bestehe, das bei dem vollständigen Austausch der Kapitalvertreter zu viel Kompetenz auf einen Schlag verloren gehe.

Stada-Chef Matthias Wiedenfels

"Der Vorstandsvorsitzende bin ich, Punkt!"

von Jürgen Salz

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre hatte bereits im Vorfeld Sympathie für die Position von Stada erkennen lassen. Deren Sprecher Dieter Tassler lobte die "sprühende Rede" des neuen Stada-Chefs Matthias Wiedenfels, der Retzlaff inzwischen abgelöst hat. Wiedenfels konnte kürzlich gute Umsatz- und Gewinnsteigerungen vorlegen. "Stada ist auf dem Weg, verkrustete Strukturen zu lösen", so Tassler, "das hätte ich mir allerdings auch schon früher gewünscht."

Wer sich letztendlich durchsetzen kann – der Stada-Aufsichtsrat oder AOC – ist unklar. Die Hauptversammlung dürfte noch einige Stunden dauern.

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