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Pick-up-Boom in den USA Die Harley Davidson unter den Autos

In den USA ist jedes sechste verkaufte Auto ein Pick-up-Truck. Das Segment boomt wie kein anderes. Auch auf der Messe überbieten sich die Hersteller mit möglichst großen, breiten Modellen – mit viel Komfort.

Der Dodge Ram 1500 auf der Automesse in Detroit. Quelle: Reuters

DetroitFord lässt seinen neuen Ranger auf der Leinwand Bäume aus dem Weg ziehen und Grizzly-Bären umfahren. Chevrolet platziert seinen schwarzen Colorado ZR2 auf Wüstenterrain. GM hat seinem Sierra „All Terrain“ sogar Ketten statt Räder anmontiert, um noch geländegängiger zu sein. Und der weiße RAM von Dodge fährt auf Stahlstreben bergauf.

Ob nun der Stand von Ford, General Motors oder Fiat Chrysler: Der wahre Star der Detroit-Messe ist der Pick-up-Truck. Die rund fünf Meter langen einstigen Pritschenwagen dominieren die diesjährige Messe und die Verkaufszahlen.

Die Amerikaner lieben ihren Pick-up. Sowohl die F-Serie von Ford, als auch der Chevrolet Silverado von GM und auch der Dodge RAM 1500 von Fiat Chrysler verkauften sich bestens. Jedes sechste Auto, das in den USA verkauft wurde, war ein Pick-up. Der Absatz legte gegenüber dem Vorjahr um fast fünf Prozent zu, und das, obwohl die Amerikaner insgesamt fast zwei Prozent weniger Autos kauften.

Möglichst groß, möglichst breit, möglichst stark – scheint das Motto der amerikanischen Verbraucher. „Pick-ups verkörpern die amerikanischen Werte“ sagt Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne. Und in Zeiten niedriger Spritkosten können sich viele diesen Traum erfüllen.

„Der Pick-up ist die Harley Davidson der Autos“, meint Jörn Buss von der Unternehmensberatung Oliver Weyman. VW-Nordamerika-Chef Hinrich Woebcken nennt die Pick-ups „ein sehr patriotisches Segment“.

Der Pick-up als Ausdruck des amerikanischen Lebensstils: Breite Straßen, große Parkplätze – oft im Drive-Through-Modus gebaut – machen die USA zum idealen Umfeld für die Wagen. Vor allem in ländlichen Gegenden ist das spritfressende Auto beliebt. Dabei wird es längst nicht mehr nur von Handwerkern und Farmern genutzt, die ihre Werkzeuge und Bretter bequem hinten verstauen können.

Der Pick-up ist in den USA längst ein Familienauto geworden und auch in Städten beliebt – für den Ausflug oder Einkauf ebenso wie für den Urlaub, wenn die schwermotorigen Wagen den Wohnauflieger übers Land ziehen.


Keine Chancen auf dem europäischen Markt

„Der Pick-up ist nicht mehr das spartanische funktionale Fahrzeug von früher“, erklärt Ford-Europa Chef Steven Armstrong die Beliebtheit der Wagen. „Sie sind heute auch sehr komfortabel zum Sitzen und Fahren“, sagt er. „Und sie stehen für das, wie sich Amerikaner der Welt zeigen wollen.“

Pick-ups bieten heute allen Komfort eines SUVs plus Ladefläche. Waren die früheren Pick-ups noch recht spartanisch und nur mit einer Sitzreihe ausgestattet – passt heute die ganze Familie ins klimatisierte Fahrerhaus. Auch das Lenken fühlt sich heute nicht mehr so an, als säße man hinter dem Steuer eines Lkws.

Die neue Liebe zum Pick-up ist auch ein Comeback. Die ersten massentauglichen Modelle gehen auf die 50er-Jahre zurück mit Verkaufsschlagern wie dem Chevrolet Cameo. Eine Art Strafsteuer für ausländische Hersteller sorgte dafür, dass vor allem die Amerikaner von dem damaligen Boom profitierten. In den 70er- und 80er-Jahren waren Pick-ups bei Farmern im Mittleren Westen ebenso beliebt wie bei Surfern in Kalifornien. Doch in den 90er-Jahren wurden die dicken Brummer mit der Ladefläche von den bequemeren SUVs verdrängt.

Dann kam die Rückkehr. Die SUVs laufen auch heute noch blendend. Aber das Segment der Pick-ups wächst derzeit noch schneller. 2,8 Millionen dieser Fahrzeuge haben die Amerikaner im vergangenen Jahr gekauft. 84 Prozent davon waren schwere Pick-ups, zu denen der Dodge Ram ebenso gehört wie die F-Serie oder der Silverado.

Ford hatte zuletzt angekündigt, auch den F-150 mit einem Dieselmotor auszustatten. Schon heute fahren auch die Modelle 250 und 350 der F-Serie mit Diesel. Allerdings hatte das Ford kurz vor der Detroit Motor Show eine Klage wegen Abgasmanipulation eingebracht.

Chancen für den europäischen Markt sehen die wenigsten, vor allem wenn es um die großen Spritfresser geht. „Die sind zu groß für den europäischen Markt“, ist Ford-Europachef Armstrong überzeugt“. Auch Fiat-Chrysler-Chef Marchionne macht klar: „Die Chancen auf dem europäischen Markt sind zwischen Null und Zero“. Berater Buss sieht das ähnlich: „Bei den schweren Pick-ups sehen wir keine Chancen auf dem europäischen Markt.“

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