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QuartalszahlenSiemens geht es den Umständen entsprechend

Siemens legt Zahlen für das dritte Quartal 2024 vor – und diese entsprechen ziemlich genau der Lage der Weltwirtschaft.Philipp Mattheis 08.08.2024 - 15:02 Uhr

Laut Roland Busch hat sich der Konzern trotz eines schwierigen makroökonomischen Umfeldes gut gehalten.

Foto: Michael Matthey/dpa

Vermutlich hätte sich die Siemens-Geschäftsführung einen anderen Termin als den 8. August für die Vorstellung ihres Geschäftsberichts gewünscht. Ziemlich genau vor einem Monat nämlich stand die Aktie des Traditionsunternehmens knapp unter ihrem Allzeit-Hoch bei 188 Euro. Einen Monat später sind es rund 15 Prozent weniger – auch die Siemens-Aktie konnte sich dem Kursrutsch vom Montag nicht entziehen. Nach dem Hype um künstliche Intelligenz und alles, was damit zu tun hat, macht sich Ernüchterung breit.

Die Zahlen, die Siemens am Donnerstag veröffentlichte, bestätigen den Trend. So ging der Auftragseingang des Großkonzerns im Jahresvergleich von 23,49 auf 19,78 Milliarden Euro zurück.

Immerhin – Busch hatte ein Umsatzwachstum von vier bis acht Prozent in Aussicht gestellt – und es war zumindest im Berichtsquartal eine Punktlandung auf dem unteren Ende. Der Umsatz wuchs um vier Prozent auf 18,9 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Warum es nicht mehr wurde, liegt zum einen am konjunkturell schwachen Geschäft in Europa und noch mehr in Asien.

Das China-Geschäft lahmt. Das liegt weniger am Konzern als an der chinesischen Volkswirtschaft. Viele hatten nach dem Ende der rigorosen Lockdown-Maßnahmen auf eine Belebung der Konjunktur 2023 und 2024 gehofft. Doch die ist ausgeblieben. Stattdessen ist man in Peking dabei, kontrolliert Luft aus der Immobilienblase zu lassen, um einen größeren Crash zu verhindern. Groß-Investitionen, um zum Beispiel die Millionenstädte in grüne „Smart Cities“ zu transformieren, haben da aktuell wenig Platz. Hinzu kommen geopolitische Spannungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt.

Amtsübergabe in fünf Jahren?

China ist mit rund 15 Prozent Volumen zwar nicht der wichtigste Markt, weder für Siemens noch für die Weltwirtschaft. In den großen Krisen der vergangenen Jahrzehnte aber war es oft die Volksrepublik, von der wichtige Wachstumsimpulse für den Rest der Welt ausgingen.

Die Umsätze in den USA wuchsen zwar im zweiten Quartal, aber auch hier trübt sich die Lage. Die letzten Arbeitsmarktdaten, Umsatzrückgänge und Entlassungen deuten auf eine Rezession hin. Auch die Nachrichten aus der gehypten Halbleiter-Branche waren zuletzt weniger gut. Siemens ist zwar kein Produzent von Chips, aber ein wichtiger Partner für die Industrie, indem es Automatisierungs-, Digitalisierungs- und Softwarelösungen bereitstellt. Lahmt die Branche, wirkt sich das auch negativ auf den Münchner Konzern aus. 

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Wie erwartet wurde der Vertrag des Chefs von Digital Industries, Cedrik Neike, um fünf Jahre verlängert – dies war bereits im April bekanntgegeben worden. Er gilt als Kronprinz von Roland Busch und könnte diesen in fünf Jahren beerben. Neu im Vorstand sind, wie bereits am Mittwoch bekanntgegeben wurde, Peter Körte und Veronika Bienert. Der 48-jährige Körte verantwortet das Programm Xcelerator sowie Siemens Advanta. Die 51-jährige Bienert wird zum CEO von Siemens Financial Services mit Zuständigkeit für das Serviceportfolio von Siemens Real Estate und Global Business Services berufen.

Mittel- bis langfristig aber dürfte der Konzern gut aufgestellt sein, um von den Megatrends Automatisierung, Energiewende und damit einhergehende Elektrifizierung sowie smarter Stadtplanung zu profitieren. „Ein weiterer Wachstumstreiber war unser besonders starkes industrielles Softwaregeschäft, das einige größere Lizenzverträge gewinnen konnte“, sagte Konzern-Chef Busch am Donnerstag auf der Pressekonferenz. Genau diese Lizenzverträge retteten die Bilanz des Segments „Digital Industries“. In den vergangenen Monaten unterzeichnete Siemens sieben solcher Verträge mit zwei- und dreistelligen Millionenbeträgen. Daraus lässt sich aber kein Trend ableiten – die Häufung in diesem Quartal war eher dem Zufall geschuldet.


Erholung zieht sich hin

Bei der Hauptversammlung vor sechs Monaten war die Stimmung noch deutlich besser. Konzern-Chef Roland Busch konnte sogar die Dividende erhöhen. Schon da hatte es Kritik am Aktienkurs gegeben. Damals konnte die Aktie zwar seit Buschs Antritt rund ein Drittel zulegen. Die Konkurrenz wie Schneider Electric und ABB hatte sich an der Börse aber wesentlich besser entwickelt.

Bis sich deutliche Wachstumsimpulse und damit Neuinvestitionen einstellen, dürften noch einige Monate vergehen. Die Konzernleitung rechnet nicht vor 2025 wieder mit stärker wachsender Nachfrage. In China könnte sich die Erholung bis weit ins kommende Jahr hineinziehen.

Dann dürften sich auch fallende Leitzinsen bemerkbar machen und Neuinvestitionen stimulieren. Bisher wartet der Markt auf die erste Zinssenkung der amerikanischen Zentralbank, die die Zinswende einläutet.

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