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QuartalszahlenWarum Siemens' Strategie richtig ist

Siemens übertrifft die Erwartungen trotz Zollstreit und Handelskrieg. Aber ausgerechnet die Zukunftssparte schwächelt weiter.Philipp Mattheis 15.05.2025 - 13:53 Uhr
Division Digital Factory. Schlagwort: „Industrie 4.0“ – Siemens will die Zukunft der Fertigung durch das Zusammenbringen von realer und digitaler Welt bei Design, Produktion und Service gestalten. Foto: dpa

Zumindest an der Börse ist der 15. Mai kein schlechter Tag für Siemens, um seinen Geschäftsbericht für das zweite Quartal vorzulegen. Die Crash-artigen Verluste, die die amerikanischen Zolldrohungen am 7. April ausgelöst hatten, sind so gut wie ausgeglichen: 236 Euro war die Aktie Ende März wert – ein Allzeithoch. Kurz darauf folgte der Absturz auf 180 Euro. Mittlerweile notiert Siemens wieder bei 219 Euro (Stand Donnerstagmittag). CEO Roland Busch betont deshalb auch, dass der Konzern geografisch diversifiziert aufgestellt sei und vergleichsweise wenig Ware zwischen den Wirtschaftsblöcken austausche.

Die heute veröffentlichten Zahlen scheinen das zu bestätigen: Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres steigerte Siemens den Umsatz um sechs Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Die Umsatzerlöse sind um drei Prozent auf 18,4 Milliarden Euro gestiegen – das liegt am unteren Ende der Erwartungen. Auch der Gewinn stieg: Das operative Ergebnis verbesserte sich um 29 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, das Nettoergebnis um elf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

Etliche Investoren dürften darauf spekulieren, dass Siemens eines der wenigen deutschen Unternehmen ist, die direkt vom Boom durch Künstliche Intelligenz profitieren. Schließlich gehört die Digitalisierung und Automatisierung von Fabriken zum Kerngeschäft des Konzerns. Die Sparte Digital Industries unter Vorstand Cedrik Neike baut unter anderem „Digitale Zwillinge“. Um die digitale Geschäftsplattform Siemens Xcelerator voranzutreiben, hat man im vergangenen Jahr mit Peter Körte sogar einen neuen Vorstandsposten geschaffen.

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Wofür steht Siemens, wenn es nicht mehr die Züge sind?

von Philipp Mattheis

Wie hoch der durch Künstliche Intelligenz ausgelöste Boom sein wird, ist noch unklar. Eher konservative Schätzungen gehen von einem BIP-Wachstum von etwa fünf Prozent im Jahr aus. Andere Studien wie die „Could Advanced AI Drive Explosive Economic Growth?“ von Open Philanthropy taxieren den Boom eher mit 30 Prozent im Jahr – für hoch entwickelte Volkswirtschaften wie die USA oder China wohlgemerkt. Und selbst wenn die Produktivität „nur“ um drei Prozent pro Jahr steigt, hat dies profunde Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Siemens setzt deswegen viel daran, hier vorne mitzuspielen. Und tatsächlich dominieren amerikanische und in geringerem Maße auch chinesische Unternehmen den KI-Markt, wenn es um Anwendungen in Form von „Large Language Models“ geht: ChatGPT von OpenAI, Gemini von Google und Grok von X buhlen derzeit um Datenmengen, Rechenzentren und die Gunst der Konsumenten. Auf der Ebene industrieller Anwendungen, also der Produktivitätssteigerungen von Fabriken, dominiert Siemens zusammen mit Rockwell Automation, Schneider Electric und ABB den Markt. Siemens hat derzeit etwa zehn bis 15 Prozent des globalen Marktes für Automatisierungstechnik und ist führend bei SPS- und PLM-Software.

Teure, aber passende Zukäufe

In diesem Zusammenhang sind auch die relativ teuren Zukäufe der vergangenen Monate zu sehen. Ende 2024 gab Siemens bekannt, das amerikanische Software-Unternehmen Altair zu kaufen. Mit zehn Milliarden Euro war es der teuerste Zukauf in der Unternehmensgeschichte. Schon ab 2026 soll Altair integriert sein und bis zu einer Milliarde Umsatz erwirtschaften.

Im vergangenen April kam die amerikanische Firma Dotmatics hinzu – mit 5,1 Milliarden Euro ebenfalls kein Schnäppchen. Die firmeneigene KI-Plattform ist spezialisiert darauf, große Datenmengen zu verarbeiten. Die Übernahme ermöglicht Siemens, einen „end-to-end digital thread“ – also eine durchgängige digitale Verbindung – von der Forschung bis zur Produktion.

Das ist auch der Grund, weshalb die DI-Sparte für Siemens so wichtig ist. Mobility und Smart Infrastructure liefern zwar stabile Renditen. Bei Digital Industries aber sieht man die Zukunft: Die Verschmelzung von Soft- und Hardware zur „One Tech Company“, wie der CEO sagt.

Die Performance der DI-Sparte entscheidet somit über die Zukunft des Konzerns. Die Schwächen der vergangenen zwei Jahre in diesem Geschäft treffen Siemens im Kern – nämlich seiner Zukunftsfähigkeit. Bisher lautete die Entschuldigung stets: hohe Lagerbestände. Die Lockdowns während der Pandemie hätten einen Digitalisierungsschub ausgelöst, was zu „Hamsterkäufen“ geführt habe. Diese Lagerbestände müssten nun langsam wieder abgebaut werden, was zu weniger Auftragseingängen führt. Vorübergehend, beteuert die Konzernleitung immer wieder.

Allerdings dauert diese vorübergehende Schwäche nun schon lange an und wird zudem knapp 6000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz kosten.

Im zweiten Quartal 2024/25 sanken die Umsätze von DI nochmals um fünf Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis ging um 14 Prozent auf 634 Millionen Euro zurück, was einer Marge von 14,8 Prozent entsprach.

Für Siemens’ Interpretation der Entwicklung spricht, dass insbesondere die Nachfrage in der Automobilindustrie lahmt und es der Konkurrenz derzeit nicht viel besser geht. So sanken auch beim Konkurrenten Rockwell Automation die Erlöse um vier Prozent. Beim breiter aufgestellten Konkurrenten ABB stiegen sie allerdings leicht.

Siemens Strategie ist demnach richtig und kann dem Konzern in den kommenden Jahren Gewinne sichern. Demnächst aber sollte davon auch etwas mehr zu sehen.

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