Richemont: Uhren bringen Luxusgüterkonzern aus dem Takt
Das Uhrengeschäft läuft beim Luxushersteller Richemont weiterhin nicht wie erwartet.
Foto: REUTERSDie erhoffte Erholung im Uhrengeschäft lässt beim Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont auf sich warten. Während das Geschäft mit Schmuck von Cartier und Van Cleef & Arpels, das mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz beisteuert, erneut glänzte, verlief der Absatz von Luxusuhren der Marken IWC, Piaget oder Jaeger le Coultre weiterhin schleppend. Konzernweit schrumpfte der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr 2016/17 um vier Prozent auf 10,65 Milliarden Euro, wie der hinter der französischen LVMH Gruppe zweitgrößte Luxusgüterhersteller am Freitag mitteilte. Der Gewinn brach um 46 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro ein. Damit verfehlte Richemont die Erwartungen der Analysten.
Während Schmuck um sieben Prozent mehr gefragt war, brach vor allem der Absatz mit edlen Zeitmessern um 15 Prozent ein. Der Verkauf von Uhren - mit dem Richemont mehr als ein Viertel seines Umsatzes erzielt - stockt, weil das harte Durchgreifen der chinesischen Regierung gegen Korruption wohlhabende Chinesen verschreckt. Zudem machten kauffreudige Touristen aus Angst vor Terroranschlägen einen Bogen um die Metropolen in Europa.
Auf Platz 10 der umsatzstärksten Uhren landete bei Chronext eine Rolex. Das ist kaum eine Überraschung, denn die Schweizer Marke aus Genf, dominiert den Markt der mechanischen Uhren. Zwar mögen Unternehmen wie Patek Philippe, die in Sichtweite von Rolex ihre Manufaktur haben, teurere und kompliziertere Uhren produzieren, an der schieren Zahl der Uhren, die Rolex jährlich herstellt kann sich jedoch kein Luxusuhrenhersteller messen. Modelle, die seit Jahrzehnten existieren werden gepflegt. So wie die Explorer II, deren Grundform mit den markanten runden Indizes und dem weißen Zifferblatt schon 1971 entstand. Aus der Entfernung unverwechselbar als Rolex zu erkennen - auch das eines Erfolgsrezepte der Schweizer. (Alle Fotos von Marco Woyczikowski)
Foto: PRDie Oyster Submariner in Schwarz ist so etwas wie die Brot- und Butteruhr der hochwertigen mechanischen Uhren. Heerscharen von jungen aufstrebenden Beratern investieren ihr erstes Geld in eine Submariner. Damit tätigen sie auch eine Wertanlage, denn die Preise für dieses beliebte Modell bleiben auch im Sekundärmarkt stabil. 1953 als Taucheruhr vorgestellt, hat sie in den nun mehr als 60 Jahren ihres Daseins kaum an Anziehungskraft verloren. Was der Submariner ebenfalls gelang - der Sprung ans Handgelenk von Frauen. Das durchaus große Modell mit Stahlarmband bringt einiges an Gewicht mit sich, was in den vergangenen Jahren dennoch zahlreiche Frauen nicht davon abgehalten hat, diese Uhr zu tragen.
Foto: PR1963, in den Zeiten vor ferngesteuerten Aggregaten, Traktionskontrolle und anderen technischen Hilfsmitteln in Rennwagen, brachte Rolex die Daytona auf den Markt, speziell für Rennfahrer. Das Modell mit den drei kleinen Kreisen und der sogenannten Tachymeter-Skala gehört zu den aufwändigeren Uhren aus dem Rolex Programm. Der Chronograph stoppt die Zeit, das gilt im mechanischen Uhrenbau als Komplikation. Mit diesen beiden Informationen soll der Rennfahrer Durchschnittsgeschwindigkeiten pro Stunde errechnen könne. Auch wenn das vermutlich kaum einer seiner Besitzer tut - das Modell gehört weiterhin zu den beliebtesten Uhren bei Chronext.
Foto: PRNeben Seglern, Tauchern und Rennfahrern, sind es vor allem die Piloten, auf die es die Uhrenunternehmen abgesehen haben. In den frühen Tagen der Fliegerei war die Armbanduhr wichtiges Instrument. Große Ziffern, großes Zifferblatt, gut abzulesen - das zeichnet sämtliche Vertreter dieses Genres aus, denen allen die Optik eines Fliegerinstruments gemein ist. Die Schaffhausener Marke IWC, die neben Lange & Söhne und Jaeger-LeCoultre zum Luxuskonzern Richemont gehört, pflegt ihr maskulines Image gerne mit Fliegeruhren, wie diesem Chronograph.
Foto: PRSpätestens mit Platz 6 der umsatzstärksten Uhren des E-Commerce-Unternehmens Chronext ahnt der Betrachter, dass vor allem maskuline Stahlmodelle mit klarer Optik und massivem Auftritt beliebt sind. Same same but different - denn die Seamaster Planet Ocean nutzt die Lünette nicht für ein Tachymeter sondern einer klassischen 60 Minuten-Anzeige. Die lässt sich drehen und der Taucher - für den die Uhr gedacht ist - weiß, wie lange er schon unter Wasser ist. Die Planet Ocean ist darüber hinaus ein sogenannter Chronometer, eine Uhr, die besonders exakt geht und dies in einer Prüfung nachweisen muss. Wer mag, kann diesen Chronometer mit auf einen Tauchgang von 600 Metern nehmen, ohne dass die Garantie erlischt. Zur Erinnerung: Sporttaucher stoppen meist bei 40 Meter, Apnoetaucher gehen bis zu rund 200 Meter tief und bei 600 sind es schon nur noch wenige Fische, mit denen man die Freude über die Haltbarkeit der Uhr teilen könnte.
Foto: PRKaum eine Innovation der Uhrenbranche bereitet solches Kopfzerbrechen wie die Smartwatch, sei sie von Apple, Samsung oder anderen Anbietern. TAG Heuer hat mit der "Connected" einen Versuch gestartet, die Fans hochwertiger Uhren und moderner Kommunikationstechnologie mit einem ähnlichen Modell zu bedienen. Denn die Schnittmenge beider Gruppen ist größer als den Herstellern der mechanischen Uhren lieb sein kann.
Foto: PRAllen Smartwatches mit ihren funkelnden Displays geht eine Faszination ab, die in der Welt der analogen Zifferblättern schon immer die Nutzer begeistert hat: Fluoreszierende Ziffern oder Indizes. Die Omega Seamaster mit ihren großflächigen Indizes weckt den Spieltrieb seines Nutzers, die Uhr unter Licht zu halten und sie anschließend in der hohlen Hand, unter der Bettdecke oder der Schreibtischplatte glühen zu sehen. Heute sind die Uhren auch sicher - in der Frühzeit der Verwendung von selbstleuchtenden Materialen strahlten diese leicht radioaktiv.
Foto: PRWie bei Wein sind es die Geschichten hinter dem Produkt, die oft den Reiz einer Uhr ausmachen. Die Schweizer Marke Omega, die zur Swatch Group gehört, pflegt die Geschichten rund um Taucher, Rennfahrer und in diesem Fall Astronauten. Aus der Entfernung eine übliche sportliche Uhr mit Stoppuhr-Funktion, erinnert die aktuelle Speedmaster Moonwatch daran, dass ihre Vorgänger dabei waren, als die ersten Menschen den Mond betraten. Das erhöht ihren Nutzen auf Erden nur bedingt. Es gibt den zahlreichen Interessenten, die diese Uhr neu oder gebraucht kaufen wollten, aber eine schöne Geschichte zum Erzählen mit, wenn sie auf diese ikonische Uhr angesprochen werden.
Foto: PRDer Beliebtheitsgrad einer mechanischen Uhr lässt sich - sehr zum Missfallen der Hersteller - auch gut daran ablesen, wie häufig gefälschte Uhren an den Straßenecken der Metropolen von New York bis Hong Kong angeboten werden. Rolex-Fakes gibt es weltweit und es gibt nicht nur Fachleute für originale Uhren, sondern auch die, die die Qualität der Fakes einordnen. Das zweitplatzierte Modell der umsatzträchtigsten Uhren beim E-Commerce-Unternehmen Chronext ist die Submariner Date, die sich von der einfachen Submariner durch das Datum unterscheidet. Die Zahl auf dem weißen Rädchen ist winzig, also hat Rolex dafür im Uhrglas eine Lupe entwickelt - die bei schlechten Fakes schlicht nicht vergrößert. Die Submariner Date ist ein seit Jahrzehnten beliebtes Modell, das deswegen wenig überraschend weit oben landet bei Käufen und Wiederverkäufen. Der zweite Platz ist in diesem Fall vielleicht irreführend: Denn mit einem Preis, der deutlich unter dem des Erstplatzierten liegt, muss weniger Umsatz nicht automatisch kleinere Stückzahl bedeuten.
Foto: PRPlatz 1 im Ranking der umsatzstärksten Uhren des Jahrs 2016: Die Rolex GMT Master II mit leuchtenden Indizes dank Luminova und Zyklolupe fürs Datum. Außerdem besitzt die Uhr einen in ein Dreieck mündenden Zeiger, der sich in 24 Stunden einmal dreht und somit dem Reisenden erlaubt, eine zweite Zeitzone einzustellen. Mit Edelstahlband und markantem Auftritt, ist diese Uhr das, was die Käufer im Jahr 2016 ungebrochen suchten: ein Klassiker.
Foto: PRRichemont - die auch Ledermode und Schreibutensilien im Sortiment haben - gibt sich gewohnt vorsichtig über die weiteren Aussichten. Der Genfer Konzern geht davon aus, dass im Handelsumfeld Unsicherheit und Volatilität anhalten dürften. "Nennen Sie mir das ganze Szenario von Handel und Währungen. Dann werde ich Ihnen einen Ausblick geben", sagte Verwaltungsratspräsident Johann Rupert.
Das Jahresergebnis ist stark von Sondereffekten beeinflusst. Im Zusammenhang mit der Fusion der Online-Tochter Net-a-Porter mit der italienischen Yoox hatte Richemont im Vorjahr einen Buchungsgewinn von 639 Millionen Euro erzielt. Auch hat der Konzern Immobilien sowohl ge- als auch verkauft. Vor allem im ersten Halbjahr machte dem Konzern auch die Rücknahme von unverkauften Uhren von Händlern zu schaffen.
Konzernumbau hält an
Richemont stellt seine Führungsmannschaft gerade neu auf. "Wir befinden uns weiterhin in einer Phase des Umbaus", sagte Rupert. Zur Generalversammlung werden neue Mitglieder für den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Dazu zählt auch Anton Rupert, der Sohn des langjährigen Chefs, der als Bindeglied zwischen kontrollierenden Aktionären und Managern fungieren soll.
Das Ranking:
Seit 2012 listet Ernst & Young alljährlich die Top Luxusunternehmen Deutschlands auf. Neben dem Ursprung in Deutschland als Aufnahmekriterium müssen die Produkte das höchste Segment der jeweiligen Branche bedienen, für den Endverbrauch gedacht sein und nicht auf reinen Dienstleistungen beruhen.
Foto: dpaDie Wertung:
Das Ranking besteht aus einem harten „Facts“- und einem weichen „Emotions“-Score, die beide gleichgewichtet sind. Ersterer setzt sich aus Umsatz, Exklusivität und Qualität zusammen, letzterer aus Aspekten wie Markenbindung und persönlichem Nutzen. Neben einer Jury wurden auch Markenbefragungen zur Bewertung herangezogen.
Foto: dpaRang 10: Porsche
Im Vorjahr schaffte es Porsche noch auf Platz acht, in diesem Jahr müssen sich die Stuttgarter mit dem zehnten Platz begnügen mit einem Gesamtergebnis von 71,94 Prozent. Auf der emotionalen Ebene schafft es der Autobauer auf 89,99 Prozent – und ist damit in dieser Kategorie zweiter. Grund dafür ist sowohl die weltweite Präsenz als auch die Symbolkraft für Erfolg und Wohlstand, schreiben die Autoren.
Foto: REUTERSRang 9: Walter Knoll
Der Stuttgarter Möbelproduzent muss ebenfalls zwei Ränge einbüßen und landet mit 72,09 Prozent auf Rang 9. In puncto Nachhaltigkeit landet Walter Knoll auf Platz 2. Allerdings beeinflusst Nachhaltigkeit die Kaufentscheidung nicht, wie E&Y-Partner Florian Huber sagt.
Foto: PRRang 8: Dedon
Der Produzent von exklusiven Außenmöbeln holt drei Plätze gegenüber dem Vorjahr auf und kommt insgesamt auf 72,19 Prozent. Das erst 1990 vom Ex-Fußballprofi Bobby Dekeyser gegründete Unternehmen hat zahlreiche Designpreise gewonnen. Im „Emotions“-Rating kommt es trotzdem nur auf 70,18 Prozent.
Foto: gmsRang 7: Bechstein Piano
Die C. Bechstein Pianofortefabrik AG Berlin schafft es durch Steigerungen im Emotions- und Fakten-Rating erstmals unter die Top 10 mit einem Ergebnis von 73,92 Prozent.
Foto: C. BechsteinRang 6: BMW i8
Der Hybrid von BMW landet auf Platz 6 mit 74,16 Prozent, nachdem er im Vorjahr noch Platz 9 belegte. Noch vor Porsche führt BMW das „Emotions“-Rating an mit 90,54 Prozent. Auch in puncto Nachhaltigkeit ist der BMW ganz vorne. „Im Automobilbereich liefert BMW mit der Vermarktung des i3 bzw. i8 ein Paradebeispiel für die Bespielung des Neuen Luxus“, schreiben die Autoren von E&Y.
Foto: REUTERSRang 5: Bulthaup
Auch in diesem Jahr hat sich auf den vordersten Plätzen kaum etwas getan. Der Küchenmöbelhersteller mit Sitz in Aich ist von Platz 4 auf 5 gefallen mit einem Ergebnis von 75,26 Prozent.
Foto: PRRang 4: Glashütte Original
Abgelöst hat Bulthaup das Uhrenwerk Glashütte. Das Unternehmen, das seit 2000 zur Swatch Group gehört, hat einen Platz gut gemacht. Es glänzt vor allem durch die hervorragende Platzierung im „Facts“-Ranking, wo das Unternehmen 90,91 Prozent erhält. Insgesamt kommt es auf 79,74 Prozent
Foto: dpaRang 3: A. Lange & Söhne
Ebenfalls aus Glashütte kommt die Lange Uhren GmbH, zu der die Marke A. Lange & Söhne gehört. Im vergangenen Jahr kam die Uhrenmanufaktur noch auf den 2. Platz, diesmal reicht es nur für den 3. mit 85,97 Prozent. Wie auch Glashütte Original besticht A. Lange & Söhne im „Facts“-Ranking mit dem herausragenden Wert von 94,45. Auch im „Emotions“-Ranking kommt das Unternehmen unter die Top 5.
Foto: dpaRang 2: Leica
Leica kommt insgesamt auf 88,36 Prozent und macht damit im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gut. Sowohl im „Facts“- wie im „Emotions“-Rating landet das Unternehmen auf Platz 3.
Foto: dpaRang 1: Montblanc
Wie auch schon im Vorjahr belegt der Hamburger Hersteller von Schreibgeräten, Schmuck, Armbanduhren und Lederwaren mit 89,40 Prozent Rang 1. Kein Unternehmen kommt im „Facts“-Rating an der 1906 gegründeten Firma vorbei.
Foto: REUTERSIm November hatte Richemont angekündigt, dass sowohl der langjährige Konzernchef Richard Lepeu als auch Finanzchef Gary Saage ihre Ämter abgeben. Ein neuer Chef wurde nicht bestimmt. Diese Aufgabe hatte Präsident Johann Rupert übernommen.
An der Börse kam der Jahresbericht nicht gut an. Die Aktie brach um mehr als sechs Prozent ein. Die Anleger will der Konzern mit einer um 0,10 auf 1,80 Franken erhöhten Dividende und mit der Lancierung eines Programms zum Rückkauf von bis zu zehn Millionen Aktien trösten.
Händler vermissten eine positive Überraschung und sprachen von Gewinnmitnahmen. "Die Aktie ist seit Jahresanfang stark gestiegen und auch nach dem heutigen Kurseinbruch beträgt das Plus noch mehr als ein Fünftel", sagte ein Händler.