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  4. Seltene Erden aus China: Die Eskalationsschraube zu drehen, ist eine dumme Idee

Seltene Erden aus ChinaChinas Machtdemonstration hat etwas Demütigendes

Chinas Exportlizenzen für Seltene Erden sind eine harte Machtdemonstration. Die EU täte gut daran, sich jetzt für Entspannung einzusetzen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Philipp Mattheis 15.10.2025 - 09:28 Uhr
Die Bayan-Obo-Mine für Seltene Erden in der inneren Mongolei. Foto: Ren Junchuan/Xinhua via ZUMA Wir

Ja, es ist eine harte Machtdemonstration. Sollten die chinesischen Pläne, den Export von Seltenen Erden stärker zu kontrollieren, wirklich auch so umgesetzt werden, gerät die europäische Industrie unter Druck. China verfügt über 90 Prozent der globalen Produktionskapazitäten für Seltene Erden. Dreht Peking den Hahn zu, trifft das nahezu alle Bereiche höherer Wertschöpfung: Elektroautos, Smartphones und Präzisionswaffen.

Eine solche Machtdemonstration hat etwas Demütigendes. Sie erzeugt ein Gefühl von Ohnmacht und den Wunsch nach Vergeltung. Unklar ist bisher, ob die niederländische Regierung deswegen jetzt angekündigt hat, den Chiphersteller Nexteria stärker kontrollieren zu wollen. Dazu gehört unter anderem, die Verlegung von Unternehmensanteilen nach China zu untersagen. Der niederländische Chiphersteller gehört seit 2019 zum chinesischen Konzern Wingtech.

Eskalation aber wird zu nichts führen. Eskalieren kann nur, wer am längeren Hebel sitzt. Bisher nämlich gibt es schlicht keine Alternative, als die Metalle und Mineralien aus China zu importieren.

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Eine eigene Industrie für Seltene Erden aufzubauen, wird Jahre in Anspruch nehmen. Nicht nur das – es gibt gute Gründe, weshalb die Produktionskapazitäten ab den 1970er Jahren nach China ausgelagert wurden: Abbau und Weiterverarbeitung sind energieintensiv und gehen mit enormen Belastungen für die Umwelt einher. Nicht gerade das, wonach der EU-Zeitgeist so schreit.

Ein Lose-Lose-Game

Den Unternehmen ist diese Abhängigkeit oft besser bewusst als der Politik. So waren es die europäischen Autobauer, die sich gegen Strafzölle für chinesische Elektroautos ausgesprochen hatten – wohl wissend, dass solche „Strafen“ nur weitere Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen. Ein Lose-Lose-Game, bei dem vermutlich die EU am Ende etwas mehr verlieren wird als die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, in der sich 30 Prozent der globalen Produktionskapazitäten befinden.

Davon einmal abgesehen: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Schon am Wochenende entspannte sich die Lage wieder etwas. China betonte, es handele sich nicht um einen Ausfuhrstopp, sondern nur um „Lizenzen“. Trump schrieb: „Mit China wird alles gut werden.“ Zudem: Jedes Mal, wenn Peking mit der Klinge namens „Embargo“ droht, wird diese etwas stumpfer. Denn mit der Machtdemonstration wird auch das Signal gesendet, dass der Westen Alternativen zu Chinas Monopol finden muss. Der Prozess wird mehrere Jahre dauern – deshalb gilt es umso mehr, einen kühlen Kopf zu bewahren und weiter die Fahne des Freihandels hochzuhalten. Denn teurer kommt uns die Autarkie – wenn wir sie irgendwann hinbekommen sollten – ohnehin zu stehen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 13. Oktober 2025. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.

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