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SymriseWie Haustier-Liebe zum Wachstumstreiber eines Aromen-Herstellers wird

Der Aromen-Hersteller Symrise setzt verstärkt auf das Geschäft mit Haustieren und verdient damit immer mehr Geld abseits des Kerngeschäfts.Nele Antonia Höfler 07.03.2024 - 10:26 Uhr
Foto: imago images

„Der Haushund hat eine bemerkenswerte Karriere hingelegt“, sagte Symrise-Chef Heinz-Jürgen Bertram im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. In den 50er und 60er Jahren hätten Hunde hinter dem Haus gelebt, in den 70er und 80er Jahren vor dem Haus. Um die Jahrtausendwende herum seien sie in die Häuser gezogen. Und heute? Schlafen sie im Bett ihrer Besitzer.

Davon profitiert auch der Duft- und Aromen-Hersteller Symrise. Der Dax-Konzern versetzt Tierfutter mit Aromen und Gesundheitsstoffen – um sie anzulocken und das Immunsystem zu stärken. „Konsumenten sind bereit, für ihre Haustiere viel Geld auszugeben“, sagt Andreas von Arx, Analyst der Baader Bank. Das gelte selbst in Krisenzeiten: „Die Menschen sparen an ihrem eigenen Essen, bevor sie am Essen ihrer Tiere sparen.“ Gerade in der Pandemie haben sich viele ein neues Haustier zugelegt, weil sonstige soziale Kontakte fehlten, aber auch weil Homeoffice-Regelungen es ermöglichten.

Für Symrise ist das Geschäftsfeld inzwischen einer der wesentlichen Wachstumstreiber. Der Bereich verzeichnet jährlich Wachstumsraten von zehn Prozent und ist mit Margen von über 20 Prozent einer der profitabelsten. „Im Jahr 2025 wird der Bereich Tiernahrung und Tiergesundheit locker 1,5 Milliarden Euro Umsatz beitragen“, sagte Bertram. Zwar verpassten im letzten Jahr prall gefüllte Lager aus Pandemiezeiten dem Absatz kurzzeitig einen Dämpfer, weil Kunden ihre Bestände reduzierten, bevor sie bei Symrise nachbestellten. Der Effekt sei inzwischen aber abgeklungen, teilte der Konzernchef mit.

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„Das Kerngeschäft von Symrise ist sehr profitabel, aber es ist schwierig, schneller zu wachsen als der Markt“, sagt von Arx. Symrise habe sein Geld in den vergangenen Jahren deshalb verwendet, um neue, wachstumsstärkere Geschäftsfelder zu akquirieren. Bei Tiernahrung gilt das Unternehmen seit 2014 als führend. Damals hat der Konzern den französischen Hersteller von Aromen Diana übernommen. Bertram bezeichnet den Deal inzwischen als „die beste Akquisition der Industrie“.

Symrise will seine Stellung in dem Markt in den kommenden Jahren weiter stärken. Inzwischen steht vor allem der Markt für Tiergesundheit im Fokus. „Hund und Katze entwickeln dieselben gesundheitlichen Probleme wie Herrchen und Frauchen“, sagte Bertram. „Das ist ein Zukunftsfeld.“ Seine Beteiligung bei der auf Tiergesundheit spezialisierten Swedencare hat Symrise deshalb zuletzt weiter auf 42 Prozent ausgebaut. Swedencare sei im vergangenen Jahr organisch um 25 Prozent gewachsen und habe eine EBITDA-Marge in gleicher Höhe erwirtschaftet. „Da kann man nicht meckern.“

Symrise verdient 2023 weniger

Symrise ist neben dem US-Konzern IFF sowie den Schweizer Firmen Givaudan und Firmenich einer der vier großen Duft- und Aromahersteller, die zusammen die Hälfte des Marktes kontrollieren. Der Konzern stellt mehr als 30.000 Duft- und Geschmacksstoffe sowie kosmetische Inhaltsstoffe und Aroma-Chemikalien her, die hauptsächlich in Parfüms, Kosmetik und Lebensmitteln zum Einsatz kommen. Bei Verbrauchern ist das Unternehmen weitgehend unbekannt, dabei kommen diese täglich rund 20- bis 30-mal pro Tag in Berührung.

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Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz von Symrise um 2,4 Prozent auf 4,73 Milliarden Euro, das organische Wachstum betrug fast acht Prozent. Der bereinigte operative Gewinn sank jedoch um knapp zwei Prozent auf 903,5 Millionen. Es waren unter anderem gestiegene Rohstoffkosten und negative Währungseffekte durch die Abwertung des argentinischen Pesos, die das Ergebnis verhagelten.

Vor allem aber belasteten Sondereffekte von knapp 52 Millionen Euro das Ergebnis. Hohe Kosten verursachte 2023 etwa ein Brand am Standort im US-Bundesstaat Georgia, wo Symrise Parfümrohstoffe herstellt. Ein dreiviertel Jahr stand infolgedessen die Produktion still. Allein durch die ausfallende Produktion ergaben sich Kosten von 30 Millionen Euro.

Hinzu kamen Anwaltskosten im Zusammenhang mit der laufenden Kartelluntersuchung der EU. Der Dax-Konzern und seine drei großen Wettbewerber stehen unter dem Verdacht, ihre Preispolitik koordiniert und kleinere Konkurrenten darin gehindert zu haben, bestimmte Kunden zu beliefern. Anfang März hatten die Behörden Untersuchungen eingeleitet, auch der Symrise-Stammsitz im niedersächsischen Holzminden wurde durchsucht. Inzwischen wurden die Ermittlungen in Großbritannien ausgeweitet, wobei Symrise aus den Ermittlungen ausgenommen wurde. Das Verfahren hat Rechtskosten verursacht, die der Konzern in der Vergangenheit mit zwei bis drei Millionen Euro bezifferte.

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Laut Bertram belastete den Konzern außerdem ein hoher Krankenstand. Zwischenzeitlich seien in Deutschland 20 Prozent der Mitarbeiter krank gewesen. „Das war bisher einmalig. Viele Lieferungen konnten nicht ausgeführt werden“, berichtete der Konzernchef.

Chefwechsel steht kurz bevor

In diesem Jahr soll es bei Symrise wieder aufwärtsgehen und der Dax-Konzern profitabler werden. Bis 2028 peilt der Konzern einen Umsatz von 7,5 bis 8,0 Milliarden Euro an, die Ebitda-Marge soll sich mittelfristig auf 20 bis 23 Prozent belaufen. „Wir sind sehr gut ins neue Jahr gestartet“, sagte Bertram am Mittwoch bei der Vorstellung der Bilanz. „Wir sind rundum optimistisch, erfolgreich auf Kurs zu bleiben, alle erforderlichen Weichen haben wir dafür gestellt.“

Für die Umsetzung der Ziele ist ab April Bertrams Nachfolger Jean-Yves Parisot verantwortlich. Der gebürtige Franzose und promovierte Tierarzt kam 2014 mit der Übernahme von Diana als Manager zu Symrise. Seit 2016 arbeitet er im Vorstand an der Seite des scheidenden Konzernchefs. Der promovierte Chemiker verabschiedet sich vor Vertragsende in den Ruhestand und will sich künftig stärker um seine „Leidenschaft, die Land- und Forstwirtschaft kümmern.“

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