Umstrittenes Emirat „Für Katar ist Deutschland ein bevorzugter Partner“

Katar: Chance und Risiko für deutsche Unternehmen Quelle: imago images

Erwarten deutsche Unternehmen in Katar große Chancen oder ein Imagedebakel? Berater Burkhard Schwenker über ein autokratisches Land auf Liberalisierungskurs. 

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Schwenker, 63, zählt zu den bekanntesten deutschen Unternehmensberatern und war viele Jahre Chef von Roland Berger.  

Herr Schwenker, Sie waren erst kürzlich in Katar. Wie haben Sie das Land wahrgenommen?
In Aufbruchstimmung. Die Menschen fiebern dem Start der Fußball-WM Ende November schon jetzt entgegen. Vielen im Westen ist gar nicht bewusst, wie populär der Sport in der Region ist. Selbst während der Blockade durch Saudi-Arabien haben Länderspiele stattgefunden.

Wie will sich Katar bei diesem Großereignis präsentieren?
Weltoffen, liberal und dem Westen zugewandt. Für diese Positionierung betreibt Katar großen Aufwand.

Ist dieses Bild glaubhaft?
Katar ist ein aristokratisch geführter Staat, in dem aus unserer Sicht sicher weiter große Defizite existieren, etwa bei der Behandlung ausländischer Arbeitnehmer. Das Emirat gehört aber ebenso sicher zu den liberalsten Ländern in der Golfregion. Ich habe einmal eine größere Gruppe angehender Führungskräfte bei einer Deutschlandreise begleitet. Alle erwarteten ausschließlich männliche Teilnehmer, es waren aber mehr Frauen als Männer dabei. Manche sind voll verschleiert, manche tragen kein Kopftuch. Das ist ein einfacher, aber sehr offensichtlicher Indikator.

Deutsche Manager dürften trotzdem skeptisch sein. Zu enge Verbindungen nach Katar können schnell zu einem erheblichen Imageproblem werden.
Die Gefahr besteht, gleichzeitig bietet das Land für viele Unternehmen große Chancen. Letztlich ist ein Engagement eine Frage der Risikoabwägung. Viele Manager setzen sich mit Katar aber gar nicht erst intensiv auseinander. 

Welche Chancen gibt es für deutsche Unternehmen?
Sehr naheliegend ist etwa der Bau von Solarkraftwerken und Chemieanlagen. Auch wenn die Gasvorräte aus heutiger Sicht gigantisch sind, arbeitet Katar an einer Zukunft jenseits der fossilen Energieproduktion. Dazu passt, dass das Emirat eine Freihandelszone eingerichtet hat. Katar allein ist als Absatzmarkt zu klein, kann aber aufgrund der zentralen Lage und der inneren Stabilität ein guter Aufschlagpunkt und Logistikstandort in der Region sein.

Wie blicken die Verantwortlichen in Katar auf Deutschland?
Mit großem Interesse. Die deutsche Industrie und Verwaltung gelten in Katar als führend und vorbildlich. Deshalb ist Deutschland auch ein bevorzugter Partner und ein beliebtes Ziel für Investitionen. Katar hat sich über seinen Staatsfonds ja schon an etlichen deutschen Unternehmen beteiligt und sich dabei als verantwortungsvoller und verlässlicher Teilhaber erwiesen. 

Welcher Logik folgen diese Beteiligungen?
Viele sollen industriepolitisch richtungsweisend sein, dazu passen etwa die Anteile an Hapag-Lloyd, Siemens und VW. Weitere Schwerpunkte sind Anteile an Finanzkonzernen, die Luxusbranche sowie Immobilien. Entscheidend ist aber immer, dass die Kataris von den handelnden Personen überzeugt sind. Die müssen zuverlässig und vertrauenswürdig sein, damit sie mit ihnen ins Geschäft kommen.

Mehr zum Thema: Wenn Russland den Gashahn zudreht, soll Katar die Energieversorgung Europas sichern. Kurz vor der Fußball-WM hofft das umstrittene Emirat nun auf eine neue Annäherung – auch an deutsche Unternehmen.

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