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Cloud-Service AWS Amazons unterschätzte Umsatzmaschine

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AWS braucht andere Kunden

Ein Grund für den AWS-Erfolg: "Jeff Bezos hat seine E-Commerce-Erfahrung auf das Cloud-Geschäft übertragen", sagt Büst. "Er weiß, wie man mit geringen Margen ein Geschäft generieren kann." Um das Cloud-Wachstum anzutreiben, positionierte Bezos seinen Service von Beginn an als betont preisaggressives Angebot - und senkte seit Marktstart den Preis werbewirksam knapp 50 Mal.

Ein wirklicher Billigheimer ist AWS aber trotzdem nicht. Intime Kenner der Cloud-Computing-Szene rechnen vor, dass auch in Bezos‘ Kampfpreisen noch jede Menge Luft steckt. Beim deutschen Cloud-Computing-Startup Profitbricks aus Berlin etwa verspricht Firmengründer Andreas Gauger, man sei „doppelt so schnell […] wie Amazon und nur halb so teuer“. Dabei sei auch das eigene Angebot kostendeckend, versichert Gauger, deutscher Hosting-Pionier und langjähriger Vorstandschef von 1&1. „Das heißt, Amazons vermeintlich so niedrige Preise lassen Platz für reichlich profitable Marge.“ Eine These, die angesichts der Überschüsse aus dem Cloud-Geschäft plausibel klingt.

Amazon übertrug nicht nur die Preisstrategie aus dem Handel auf das Cloud-Geschäft, sondern auch den Kundenservice. Mit wenigen Mausklicks können neue Services bestellt und ausgerollt werden. Vorgänge, die in der IT-Umgebung einer Firma Wochen dauern, sind binnen weniger Minuten erledigt. In Scharen, heißt es in der Branche, kamen in den ersten Jahren Entwickler, die die Amazon-Cloud noch auf eigene Kosten als Spielwiese nutzten. Und ihren Chefs im Nachhinein die Ergebnisse unter die Nase rieben.

Weil es günstig, einfach und sicher ist, setzen viele Start-ups auf die Amazon-Cloud. Und genau das wird Amazon zum Problem. Denn mit den kleinen Unternehmen, die häufig nicht lange überleben, ist auf Dauer kein großes Geschäft zu machen.

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    "Amazon ist an einem Punkt angekommen, an dem sie an Unternehmenskunden ran müssen", sagt Branchenkenner Büst. "Will AWS mehr Umsatz und vor allem eine breitere Kundenbasis geht das nur über die Dickschiffe."

    Unternehmen drängen in die Cloud

    Die Zeit für das Werben um die großen Unternehmen ist günstig. Die Vorbehalte gegen die Datenwolke lösen sich langsam auf. Zwar warnen Datenschützer wie Peter Schaar vor den Risiken der Cloud. "Das zentrale datenschutzrechtliche Problem mit den US-Anbietern - egal ob Amazon, Apple, Google oder IBM - besteht darin, das sie amerikanische Infrastrukturen verwenden", warnt der ehemalige Datenschutzbeauftragte. Gerade im privatwirtschaftlichen Bereich gleiche das US-Datenschutzrecht einem "Flickenteppich, der viele Löcher aufweist".

    Doch die Versprechen vieler Unternehmensberater, die Cloud bringe Effizienzgewinne und Kostenersparnisse, schlagen die Sorgen. Laut einer Studie von Bitkom gibt es selbst unter den skeptischen Deutschen erstmals mehr Befürworter denn Gegner.

    Weltweit ist die Cloud auf dem Vormarsch. Der Marktforscher Gartner rechnet in diesem Jahr mit einem 176 Milliarden Dollar schweren Cloud-Geschäft. In zwei Jahren soll der Markt gar auf rund 240 Milliarden anschwellen.

    Amazon in Zahlen

    Davon will Amazon profitieren. In aufwendigen Präsentationen und Gesprächen in kleiner Runde versucht der IT-Gigant Konzerne mit Milliarden-Umsatz von sich zu überzeugen. "Jeff Bezos hat die Bemühungen, AWS in der Unternehmenswelt bekannter zu machen, zuletzt deutlich verstärkt", attestiert Szenekenner Büst. Erst am Dienstag rührte Werner Vogels, Amazons Chief of Technologie, auf dem AWS-Summit in Berlin kräftig die Werbetrommel.

    Was AWS stark macht

    Amazon kann bereits erste Erfolge bei seinem Versuch, große Unternehmen von sich zu überzeugen, verzeichnen. Der Versicherer Talanx hat im Herbst 2014 sein Risiko-Management, eines der sensibleren Unternehmens-Themen, in die Amazon-Cloud ausgelagert. Große DAX-Konzerne prüfen derzeit, AWS zumindest  Teile ihrer Daten anzuvertrauen, heißt es in der Branche.

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