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Galaxy Note 7 Weitere Brände drücken Samsung in die Krise

Für Samsung könnte das Galaxy Note 7 zu einem langwierigen Problem werden. Erst wurden die Geräte nach Akkubränden ausgetauscht, jetzt gibt es Brandmeldungen zu den Austauschgeräten. Droht ein dauerhafter Image-Schaden?

Die Brände beim Galaxy Note 7 könnten sich zu einem längeren Problem für Samsung entwickeln. Quelle: dpa

Während der Erzrivale Apple sein iPhone-Design seit 2014 nahezu unverändert ließ, wollte Samsung sich mit dem neuen Top-Smartphone Galaxy Note 7 als Innovationsführer profilieren. Starke Kamera, Anmeldung per Augen-Scan, lange Akkulaufzeit - die Fachwelt war beeindruckt. Doch stattdessen stürzte das Vorzeigemodell den Smartphone-Marktführer aus Südkorea in eine Krise, die das über Jahre aufgebaute Vertrauen der Verbraucher schwer beschädigen könnte.

Das Eingeständnis, rund 2,5 Millionen Geräte wegen feuergefährlicher Akkus austauschen zu müssen, war schon beispiellos in der Branche. Mit Berichten über brennende Austauschgeräte droht der Rückschlag zu einem schwer auszurechnenden Risiko für das Firmenimage zu werden. Jetzt wurde - was auch immer genau das bedeutet „die Produktionsplanung angepasst“, um „Qualität und Sicherheit“ zu gewährleisten. Diverse Medien berichten unter Berufung auf informierte Personen direkt von einer Produktionspause.

Die Situationen der fünf bisher bekanntgewordenen Zwischenfälle mit angeblichen Austauschgeräten in den USA sind Horrorszenarien, wie sie im Buche stehen. Wegen eines gerade ausgeschalteten Telefons musste zum Glück noch am Gate ein Flugzeug evakuiert werden. Man stelle sich nur vor, das Gerät wäre eine Viertelstunde später in der Luft in Brand geraten.

Wie sich Samsungs Debakel mit dem Note 7 2016 entwickelte

Zwei US-Verbraucher berichteten, ihre Schlafräume hätten sich in der Nacht mit chemisch riechendem Rauch aus den Geräten gefüllt. Was wäre passiert, wenn sie nicht rechtzeitig aufgewacht wären? Und ein 13-jähriges Mädchen kam mit Verbrennungen an einem Daumen davon, als ein Note 7 in ihren Händen plötzlich sehr heiß wurde. Sie war gerade in einer Grundschule, wo sie ihre Geschwister abholen wollte. Sie warf das Telefon auf den Boden und ein Schulmitarbeiter trat es aus dem Gebäude. „Ich bin froh, dass es in meiner Hand war und nicht in der Tasche“, sagte das Mädchen dem Sender KSTP. Alle Geräte weisen auf Bildern ähnliche Brandschäden aus.

Von Samsung heißt es zu den Zwischenfällen bisher nur, man nehme sie ernst und suche nach den Ursachen. Nach der Räumung des Flugzeugs hatte das Unternehmen auch erklärt, man werde genauere Angaben erst machen können, wenn man das Gerät begutachtet worden sei. Doch die Verbraucher ließen in den US-Medienberichten durchblicken, dass sie die angesengten Telefone eher behalten und sich rechtlichen Beistand suchen.

So kann man bisher nur über die Gründe rätseln. Ist etwas beim Umtauschprozess schiefgegangen und Handys mit gefährlichen Akkus wurden als vermeintlich sichere verteilt? Haben auch neue Batterien einen Fehler? Oder gibt es Mängel im Design der Geräte selbst? Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC hatte schon vor ihrem offiziellen Rückruf erklärt, man prüfe, ob ein Austausch gegen Geräte des gleichen Modells die richtige Maßnahme sei. Dann entschied sie sich Mitte September aber doch dafür.

Der Finanzdienst Bloomberg berichtete vor einigen Wochen, Samsung habe sich beeilt, mit dem Note 7 besonders schnell ein Gerät mit vielen Innovationen und frischem Design auf den Markt zu bringen, um sich von Apple abzuheben. Schon vor Monaten war durchgesickert, dass das neue iPhone 7 wohl das gleiche Aussehen wie das vorherige Modell haben werde. Davon habe Samsung profitieren wollen. 

In Südkorea wird bereits über eine neue teure Rückrufaktion spekuliert. Von Kommentatoren wurde die erste Rückrufaktion des Unternehmens, das ein Symbol für die Wirtschaftskraft des Landes ist, noch gelobt, weil es rasch auf die Fehler reagiert habe. Doch schon fragt man sich, ob die Aktion nicht zu schnell über die Bühne ging. 

Wie kann Samsung einen dauerhaften Imageschaden abwenden? „Ich denke, Samsung hat zahlreiche Optionen“, sagt die Analystin Kim Kyung Min von Daishin Securities in Seoul. So könne das Unternehmen etwa die Galaxy-Marke sowie das Design ändern. Apple und Samsung planten im nächsten Jahr ohnehin beide „dramatische Änderungen“, etwa Modelle, die noch kurviger ausfallen könnten. Wirtschaftlich könnte der Schaden für die Sparte IT und mobile Kommunikation bei Samsung durch gute Geschäfte mit Speicherchips und Display aufgefangen werden. Außerdem machte Samsung bereits Beteiligungen an anderen Tech-Unternehmen im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Mio Euro) zu Geld.

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