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iMac, iPhone, iDesign Warum Apple nicht zu innovativ werden darf

Kommt das neue iPhone-Modell in Zukunft ohne Home-Button aus? Für den Design-Experten Peter Zec ist es nur eine Frage der Zeit bis zur nächsten Design-Revolution bei Apple.

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Peter Zec Quelle: PR

Im September ist wieder Keynote-Zeit bei Apple. Der Konzern wird dann ein neues iPhone-Modell präsentieren. Gerüchte über die größten Neuerungen gibt es schon seit Wochen. Sie heizen auch Fragen zur Optik des Vorzeige-Smartphones an: Welche Farben und Materialen wird die Hülle haben? Und verschwinden jetzt die letzten Knöpfe und Erhebungen?

Peter Zec, Designexperte und Gründer des Red Dot Awards, spricht im Interview über das Design des iPhones und dessen Zukunft. 

WirtschaftsWoche Online: Herr Zec, was bedeutet für Sie Apple-Design?
Peter Zec: Apple hat einen ganz neuen Standard in der IT-Welt gesetzt. Steve Jobs hat die Firma vor dem drohenden Konkurs bewahrt, indem er auf damals spektakuläres Design gesetzt hat. Der iMac hatte vollkommen ungewöhnliche Formen und Farben für die Computerwelt. Bis dahin war alles nur im Einheitsgrau gestaltet und auf einmal brachte Apple runde Formen. Jobs schaffte so den absoluten Überraschungseffekt. Mit herausstechender Innovation gelang es ihm, die Aufmerksamkeit auf Apple zu lenken. Als sich dank dieser Strategie der Erfolg einstellte, hat Apple damit begonnen eine eigene Design-Sprache zu entwickeln. Diese hat bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren.

Apple-Design steht also für zwei Ansätze: In der ersten Phase für Irritation durch Design und Aufmerksamkeit erregen durch Design. Und in der zweiten Phase die konsequente Weiterentwicklung dieses Designs, das für die Marke steht.

Zur Person

Gibt es in Ihren Augen eine Nummer eins unter den Apple-Produkten?
Die Nummer eins ist sicher das iPhone. Denn das iPhone hat in der Tat einen ganz neuen Markt eröffnet. Mit diesem Smartphone hat Apple einen Standard gesetzt, der von anderen Unternehmen nur schwer zu ignorieren ist. Das iPhone hat eine perfekte Form. Das erste iPhone war sozusagen der Meilenstein für eine grundsätzlich neue Design-Entwicklung im IT-Bereich.

Was macht das iPhone aus?
Auf der einen Seite die Schlichtheit der äußeren Gestaltung. Dazu gehören auch die Haptik und die außergewöhnlich gute Materialwahl. Auf der anderen Seite die Interaktion zwischen iPhone und Benutzer. Die ist sensationell. Gerade mit dem ersten iPhone hat Apple auch hier einen vollkommen neuen Standard eingeführt.

Die Smartphones bis zum Erscheinen des ersten iPhone waren Geräte mit feststehenden Plastiktastaturen, die eigentlich für den Gebrauch ergonomisch viel zu klein gestaltet waren. Das hat Apple von einer Sekunde zur anderen aufgehoben und das war Kern des Erfolgs. Zudem haben Touchscreen-Applikationen und selbsterklärende Funktionen den Gebrauch für Menschen aller Altersklassen leicht gemacht. Apple hat damit ein hochkomplexes Gerät präsentiert, das so einfach wie möglich bedient werden konnte.

Also ist es am Ende die Kombination aus optischem Design als auch einer einfachen Handhabung, die das iPhone-Design so außergewöhnlich macht?
Der Erfolg Apples ist fast zu hundert Prozent im Design begründet. Apple hat ja im Grunde nie etwas technisch neu erfunden. Alles, was Apple in seine neuen Geräte eingebaut hat, war im Markt schon bekannt und erhältlich. Apple hat allerdings immer dafür gesorgt, dass die Geräte im Gebrauch einfacher waren.

Hinzu kommt die Anwendung von Technologie in großartigem Design. Das ist bis heute das Geheimnis des Apple-Erfolgs. Die Technik hätten auch andere hinbekommen. Die Krux liegt im Design und das ist auch der Grund, warum Apple-Chef-Designer Jonathan Ive in diesem Unternehmen eine so unantastbar wichtige Stellung einnimmt. 

Apple darf nicht zu innovativ werden

Seit Jahren wird das iPhone nun in seiner Technik verbessert und zumeist minimal auch im Design verändert. Wie schwierig sind solche Änderungen an einem so prominenten Design-Objekt?
Das ist eine große Herausforderung. So etwas ist aber auch aus anderen Branchen bekannt. Die deutsche Automobilindustrie hat dieses Problem schon seit Jahrzehnten. Chris Bangle beging bei BMW beispielsweise einen radikalen Designbruch, als er das Heck der 7er Serie kürzer machte. Das gab in der BMW-Community einen riesigen Aufschrei.

Eine solche Herausforderung hat Apple nun auch. Denn wenn starke Marken durch ein prominentes Design geprägt sind, dann ist es sehr gefährlich, zu innovative Schritte zu machen. Die große Herausforderung für Apple und im Speziellen für Jonathan Ive liegt darin, dass Apples Design sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation bewegen muss.

Das bedeutet?
Wenn Apple plötzlich zu innovativ würde, gäbe es bei den Anhängern große Irritationen. Bleibt Apple allerdings zu traditionell, geschieht das Gleiche. Die Balance dazwischen zu finden ist die große Herausforderung und ich denke, Apple ist das in den vergangenen Jahren hervorragend gelungen, indem sehr kleine, aber signifikante Änderungen gemacht wurden, wie etwa eine neue Materialwahl.

Bei den ersten iPhone-Modellen waren die Veränderungen sicher größer, aber man kann noch immer ein iPhone 5 klar von einem iPhone 6 unterscheiden – und das ist entscheidend.

Smartphones: diese Betriebssysteme verkaufen sich am besten

Ein Ziel Apples ist es, beim iPhone sämtliche Erhebungen verschwinden zu lassen – warum ist das so interessant?
Diese Anschlussfunktionen dominieren durch ihre technische Auslegung viele Design-Entscheidungen. Das heißt, der Designer muss sich nach den Standards richten und je mehr er sich darüber hinwegsetzen kann, desto individueller kann er sein Design zum Ausdruck bringen. Das wiederrum bedeutet eine starke Differenzierung gegenüber der Konkurrenz. Das ist eine Strategie, die Apple längst auch im Laptop-Segment vollzogen hat. So hat Apple für seine Macs Adapter entwickelt, um beispielsweise Beamer-Stecker anzuschließen, weil der übliche Anschluss so groß ist. Mithilfe des Adapters hat Apple diesen auf ein Minimum reduziert. Auch hier: eine reine Design-Entscheidung.

Mit der Diskussion um das neue iPhone-Modell ist wieder einmal der Home-Button ein großes Thema. Auch dieses Mal wird diskutiert, ob er verschwinden wird. Warum hat dieser Home-Button beim iPhone-Design eine so große Bedeutung?
Der Home-Button ist zunächst einmal sehr signifikant für das Design und zählt zu den großen Revolutionen des iPhones. Seine Grundfunktion ist perfekt: Egal, wo sich der Nutzer im iPhone bewegt, kann er mit einem Druck des Home-Buttons zum Start zurück – nach Hause sozusagen. Das vermittelt das Gefühl, die Kontrolle über das Gerät nicht zu verlieren. Diese Idee war gerade in der Anfangsphase sehr wichtig. Der Home-Button hilft dem Nutzer in der großen Komplexität des iPhones dabei sich nicht zu verirren. Mit einem Knopfdruck erlange ich im Zweifelsfall die Beherrschung zurück. Mit dem Home-Button bin ich nie verloren.



Wäre es dann von dieser Warte aus betrachtet nicht verrückt den Home-Button abzuschaffen?
Denken wir einmal weiter: Die Steigerung des haptischen Kontakts mit dem Gerät wäre ja der ausschließlich visuelle und vokale Kontakt. Wenn ich mein Gerät rein über die Mimik oder Sprache steuern könnte, wie es ja bereits teilweise technisch möglich ist, wäre das revolutionär. Dann brauchen wir den Home-Button nicht mehr. Das wäre die höchste Kunst. Dieter Rams, der Designer vieler Braun-Geräte, den sich Jonathan Ive auch zum Vorbild genommen hat, stellte zehn Regeln für gutes Design auf. Ein Punkt davon ist, „gutes Design ist so wenig Design wie möglich“ und ich glaube, das ist der Auftrag für Apple und sollte auch das Ziel vieler anderer Unternehmen sein: So wenig Design und so viel Leistung wie möglich.  

Also wäre der Verzicht auf den Home-Button nur ein logischer nächster Schritt?
Ich denke schon. Der nächste Schritt zu höherer Gebrauchsqualität. Denn Design ist ja auch kein Selbstzweck, sondern Design dient am Ende immer dem Gebrauch. Das ist das A und O bei technischen Geräten. Wendet man das auf Apple an, so ist es einfach nur die logische Weiterentwicklung, um das Design auf das Optimum zu steigern.

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