„Jupiter“ in Jülich: Partec AG: Supercomputer, Superprobleme
Schnellster Rechner Europas, viertschnellster der Welt und energieeffizientester überhaupt – bei der Inbetriebnahme des Supercomputers „Jupiter“ hagelte es Superlative. Zum offiziellen Start am vergangenen Freitag war eigens Bundeskanzler Friedrich Merz ins nordrhein-westfälische Jülich gereist. Der Kanzler schwärmte über „ganz neue Möglichkeiten“, die der Rechner eröffne. Etwa „für das Training von KI-Modellen oder für wissenschaftliche Simulationen“. Das Gerät, so Merz, unterstreiche den Anspruch der Bundesrepublik auf eine führende Rolle bei der technologischen Revolution der Gegenwart.
Merz‘ warme Worte griff auch eines der an Jupiter beteiligten Partnerunternehmen auf. Bernhard Frohwitter, Vorstandschef der börsennotierten Münchner Supercomputerfirma Partec, erklärte noch am Freitagnachmittag: Jupiter sei ein „historischer Durchbruch für Europa und für Partec“. Merz‘ Rede bestärke „uns in unserem Engagement, weiterhin innovative Supercomputing-Lösungen zu entwickeln“.
An der Börse kam die Botschaft an. Für die Partec-Aktie ging es am Freitag zweistellig nach oben, am Montagvormittag legte der Kurs zunächst weiter zu. Nur: Ob die Rally von Dauer ist, scheint alles andere als sicher. Denn Partec kämpft seit Monaten mit erheblichen Problemen, wie auch die langfristige Kursentwicklung erahnen lässt.
Wie die WirtschaftsWoche im Juli berichtete, klagten Mitarbeiter des Unternehmens zeitweise über verspätete Gehaltszahlungen. Zudem musste Partec die Vorlage des Jahres- und Konzernabschlusses für 2024 verschieben.
„Ganz großes Störgefühl“
Wie es um Partecs Finanzen steht, lässt sich von außen daher nur schwer einschätzen – und sorgt auch bei Investoren bereits für Unruhe. Die Verzögerung löse bei ihm ein „ganz großes Störgefühl“ aus, erklärte etwa der bekannte Fondsmanager Hendrik Leber, der eine kleine Partec-Position hält.
Mit PricewaterhouseCoopers (PwC) würde diesmal ein neuer Wirtschaftsprüfer die Bilanzen checken, hatte ein Anwalt von Partec dazu im Juli gegenüber der WirtschaftsWoche mitgeteilt. „Da insbesondere Bewertungsfragen in Bezug auf unsere Schutzrechte als auch umwandlungsrechtliche Vorgänge sehr komplex sind“, käme es bei solchen Erstprüfungen „naturgemäß zu Verzögerungen“. Es werde aber „mit Hochdruck an der Fertigstellung“ gearbeitet. Seither sind mehrere Wochen vergangen und noch immer liegen keine geprüften Geschäftszahlen vor. Unklar ist damit auch, wann die Hauptversammlung des Unternehmens stattfinden kann.
Dabei dürften Aktionäre einige Fragen zur Entwicklung des Unternehmens haben. Etwa, warum Partec Löhne und Gehälter von Mitarbeiter zeitweise nicht pünktlich zahlte. So machte im März 2025 der offene Brief eines Mitarbeiters die Runde, in dem sich der Verfasser über seinen „leeren Kontostand“ beschwerte. Andere Beschäftigte berichteten ebenfalls, dass mehrere Gehälter nicht ausgezahlt wurden. Laut Partec-Finanzvorstand Hans Kilger gab es „temporäre Verzögerungen bei den Gehaltszahlungen“, da „ein Geschäftspartner vertraglich zustehende Einnahmen in Millionenhöhe vorenthalten hat“.
Laut Kilger soll das Unternehmen das „Tal der Tränen“ längst wieder durchschritten haben. „Die Zukunft sieht sehr gut aus“, sagte er im Juli und kündigte einen Befreiungsschlag an. Seit Monaten spreche er mit einem „großen, institutionellen Investor über Projektfinanzierungen im Milliardenvolumen“, sagte Kilger der WirtschaftsWoche. Erst vor wenigen Tagen wurden verbliebene Partec-Mitarbeiter in einer vertraulichen E-Mail über einen Zwischenstand der Investorensuche informiert. „Viele Details gab es aber nicht“, sagt eine Mitarbeiterin. Ein weiterer Mitarbeiter zweifelt an der „Glaubwürdigkeit“ der Informationen. Hans Kilger deutete zuletzt jedoch an, dass im Herbst eine Entscheidung fallen solle.
Viel Zeit bleibt also nicht mehr, um den angeblichen Investor zu präsentieren.