Newstore Viel Geld für das dritte Start-up-Baby

Ex-Intershop-Gründer Stephan Schambach war ein Held am Neuen Markt. Nun ist er größter Profiteur eines Milliarden-Deals der US-Softwarebranche, den Salesforce eingefädelt hat. Das Geld steckt er in ein neues Start-up.

Das Logo von Salesforce Quelle: REUTERS

Als der US-Software-Gigant Salesforce Anfang Juni ankündigte, den E-Commerce-Spezialisten Demandware zu kaufen, war das in Deutschland trotz eines Übernahmevolumens von gut 2,8 Milliarden Dollar nur eine Randnotiz. Schließlich sind solche Transaktionen in der amerikanischen IT-Industrie an der Tagesordnung.

Ex-Intershop-Gründer Stephan Schambach Quelle: Presse

Dabei kommt der wichtigste Profiteur aus Deutschland: Stephan Schambach hatte 1992 in Jena den E-Commerce-Pionier Intershop gegründet, der um die Jahrtausendwende zu den populärsten Aktien am zuerst boomenden und dann abgestürzten Neuen Markt zählte. 2004 war Schambach in die USA gezogen. Dort gründete er Demandware, bis 2007 war er Vorstandschef. Sein Nachfolger brachte das Unternehmen 2012 an die Börse; Schambach saß bis Mitte 2015 im Aufsichtsrat – und ist bis heute mit gut 7,8 Prozent größter Einzelaktionär.

Durch den Abschluss der Transaktion dürfte Schambach rund 225 Millionen Dollar verdienen – vor Steuern, wie er betont: „Ich war an dem Deal nicht beteiligt, aber er ist mir aus mehrerlei Gründen recht“, sagt Schambach. Nun könne er sich ganz auf sein drittes und jüngstes Baby kümmern.

Im vergangenen Herbst hat er NewStore gegründet, ein auf mobilen E-Commerce spezialisiertes Start-up mit Sitz in Berlin und Boston. „Der Handel wird mobil, auch im Internet – das ist die Zukunft“, sagt Schambach. Mit dem US-Risikokapitalgeber General Catalyst Partners hat er rund 38 Millionen Dollar in NewStore gesteckt.

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Intershop, Demandware, NewStore: Warum überhaupt jedes Mal eine Neugründung, wenn das Kernthema – also Software für Verkaufsshops im Internet – doch jeweils recht ähnlich ist?

„Das ist das klassische Innovator‘s Dilemma“, sagt Schambach. Er habe das ganze Jahr 2003 hindurch versucht, die Idee eines Cloud-basierten Shopping-Systems bei Intershop umzusetzen. „Aber letztlich vergeblich, weil etwa die Software-Entwickler die bestehenden Produkte pflegen mussten, die konnte ich nicht einfach abziehen“, sagt Schambach.

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Also verließ er kurzerhand sein eigenes Unternehmen, um 2004 mit neuer Mannschaft in den USA noch einmal von vorne anzufangen. „Leicht war‘s auf der grünen Wiese seinerzeit dennoch nicht“, so Schambach.

Da ist die Ausgangslage bei seinem dritten Streich ungleich besser: „Man soll Geld dann nehmen, wenn man es bekommen kann – nicht, wenn man es braucht“, sagt Schambach zur aktuellen Finanzausstattung von NewStore. Daher stehe derzeit keine weitere Finanzierungsrunde an. Und wenn, ist Schambachs Kriegskasse bald prall gefüllt.

Zusätzlich zur finanziellen habe sich auch die strategische Situation durch den Salesforce-Demandware-Deal verbessert: „Die Übernahme macht Platz für einen neuen E-Commerce-Spezialisten, weil es keine unabhängigen Player mehr gibt“, sagt Schambach – und will das nutzen: „Da sitze ich jetzt mit NewStore in den Startlöchern.“

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