Samsung Electronics: Vakuum an der Spitze
48. Platz: Bayer
Das führende private Wirtschaftsforschungsinstitut der Schweiz, Bakbasel, hat mit Hilfe des Schweizer Patentamts und dessen globalen Datensätzen die Qualität der weltweiten Patente gemessen – und nach Regionen, Ländern und Unternehmen gerankt. Bayer hat insgesamt 2830 solcher Weltklassepatente. Die Leverkusener fokussieren sich immer stärker auf pharmazeutische Produkte. Der Chemieanteil wird dementsprechend kleiner.
Quelle: Bakbasel, IGE
Foto: REUTERS45. Platz: Volkswagen
Die Wolfsburger sind mit 3037 Patenten der innovativste Autobauer, wenn es um Weltklassepatente geht. Aber die Nummer eins ist VW nur in Deutschland. Andere Hersteller wie Toyota, Nissan, Honda, ja sogar GM und Ford haben sehr viel mehr Weltklassepatente, als Volkswagen.
Foto: REUTERS43. Platz: Continental
Reifen sind noch immer das Brot-und-Butter-Geschäft des Autozulieferers. Doch Continental hat sich frühzeitig auf hoch-elektronische Systeme rund ums Auto konzentriert und mischt beim autonomen Fahren, den Hybrid- und Elektroantrieben und der wichtigen Batterietechnik mit. Zahl der Weltklassepatente: 3169.
Foto: dpa33. Platz: Siemens
Der Münchener Elektronikkonzern meldet zwar deutschlandweit die meisten Patente an, ist aber mit 4356 Patenten auf Weltklasseniveau „nur“ die Nummer drei in Deutschland.
Foto: dpa22. Platz: BASF
Der Chemiehersteller hat seinen Schwerpunkt in der branchenübergreifenden Grundchemie und entwickelt neue Materialen beispielsweise in der Batterietechnik, der Carbon- und Nanotechnologie. Mit 5076 Weltklassepatenten ist BASF die Nummer zwei in Deutschland.
Foto: AFP10. Platz: Bosch
Innovativstes europäisches Unternehmen ist Bosch mit 8827 Weltklassepatenten. Der Zulieferer dominiert nicht nur in der Automobilindustrie, beispielsweise mit Benzin-Einspritzpumpen und optischen Sensoren, wie sie in Windschutzscheiben eingebaut werden, sondern auch in der Vernetzung von Haus (Smart House) und Städten (Smart City), bei Haushaltsgeräten wie Kühlschränken und Waschmaschinen. Weit vorne mischt Bosch auch in der Batterieforschung mit, etwa bei Systemen, die sich im laufenden Betrieb austauschen lassen.
Foto: REUTERS9. Platz: Intel
Der Halbleiterhersteller ist vor allem durch seine PC-Microprozessoren bekannt – der Weltmarktanteil liegt bei 80 Prozent. Intel stellt Microchips für Computer her, zum Beispiel Chipsätze für Mainboards, WLAN und Flash-Speicher. Zahl der Weltklassepatente: gut 9000.
Foto: dpa8. Platz: Panasonic
Erste Produkte des japanischen Elektronikkonzerns waren Doppelfassungen für Glühlampen. Heute forscht und entwickelt Panasonic vor allem an intelligenten Haushaltsgeräten. Mit fast 10.000 Weltklassepatenten zählt Panasonic zu den ganz Großen.
Foto: REUTERS7. Platz: LG
Nach Samsung ist der Elektronikkonzern die Nummer zwei in Südkorea und wie alle koreanischen Konzerne stark globalisiert. LG verfügt über mehr als 10.000 Weltklassepatente.
Foto: REUTERS6. Platz: General Electric
Nicht Apple, auch nicht Alphabet, sondern GE ist die Nummer Drei in Amerika, wenn es um die Zukunft geht: Über 10.000 Weltklassepatente bürgen dafür. Der Grund: GE mischt in allen Branchen mit und ist weltweit der Inbegriff eines Mischkonzerns.
Foto: AP5. Platz: Microsoft
Der Dino unter den IT-Konzernen wird oft unterschätzt, was die Zukunft samt Forschung und Entwicklung angeht. Zu Unrecht. Microsoft überzeugt mit über 10.000 Weltklassepatenten.
Foto: AP4. Platz: Canon
Der weltweit größte Kamerahersteller vertreibt auch Ferngläser, Kopiergeräte, Sonnenkollektoren – und entwickelt hochtechnische 3D-Drucker. Mit über 11000 Weltklassepatenten rangiert Canon auf Rang vier.
Foto: REUTERS3. Platz: Sony
Der IT-Riese ist nach Hitachi und Panasonic „nur“ der drittgrößte japanische Elektronikkonzern – doch mit rund 12.400 Weltklassepatenten die Nummer eins im Land. Hauptprodukte sind Fernseher, Digital-Kameras und Mobiltelefone.
Foto: AP2. Platz: Qualcomm
Auf Rang zwei mit gut 13.000 Weltklassepatenten liegt das in Deutschland kaum bekannte Unternehmen Qualcomm. Der Halbleiterhersteller und Spezialist für globale Vernetzungstechnologien forscht ebenso wie Samsung in fast allen Zukunftstechnologien. Das im kalifornischen San Diego beheimatete Unternehmen liefert sich immer wieder rechtliche Auseinandersetzungen um Patentverletzungen. Jüngst forderte der iPhone-Riese Apple eine Milliarde Dollar und klagte, dass Qualcomm zu viel Geld für seine Patentlizenzen bei Speicherchips fordert.
Foto: REUTERS1. Platz: Samsung
Die Südkoreaner sind mit Abstand das innovativste Unternehmen mit 20.533 Weltklassepatenten. Flaggschiff des Mischkonzerns mit seinen knapp 500.000 Mitarbeitern ist die Elektronikgruppe mit Smartphones, Flachbildschirmfernsehern und Speicherchips. Groß und umsatzstark sind auch viele Tochtergesellschaften im Maschinen- und Schiffbau, der Schwerindustrie, in Finanzdienstleistungen bis hin zur Bekleidung, Hotellerie und Sicherheitsdiensten. Es gibt praktisch keine Branche, in der Samsung nicht mitmischt.
Die komplette Analyse zur Verteilung der Weltklasse-Patente lesen Sie hier.
Foto: REUTERSDer 49-jährige Lee war am Freitag von einem Bezirksgericht in Seoul wegen Bestechung, Untreue und Meineid und anderer Vergehen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Vize-Vorstandschef hatte nach Ansicht der drei Richter umgerechnet 6,7 Millionen Euro von Samsung Electronics an eine enge Vertraute von Südkoreas damaliger Präsidentin Park Geun-hye zahlen lassen.
Im Gegenzug unterstützte die Park-Regierung den Zusammenschluss von zwei Unternehmen der Samsung-Gruppe, indem der Nationale Pensionsfonds als Anteilseigner beider Firmen gegen den Widerstand anderer Aktionäre für die Fusion stimmte. Davon profitierte Lee persönlich, weil er zu günstigen Konditionen Großaktionär des neuen Unternehmens Samsung C&T, der neuen De-facto-Holding der Gruppe, wurde. Dadurch konnte Lee seinen Einfluss auf Samsung Electronics vergrößern.
In dem Prozess hatte Jay Y., wie der Konzernerbe in Südkorea oft genannt wird, alle Anklagepunkte bestritten. Er sei an der Entscheidung von Samsung, das Geld an die Präsidentenvertraute zu zahlen, nicht beteiligt gewesen und habe davon auch nichts gewusst, beteuerte der Manager. Sein Anwalt kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Das ist insgesamt zwei Mal möglich. Doch dies bedeutet auch, dass das Vakuum in der Konzernführung noch längere Zeit bestehen bleibt.
Die Größe dieser Krise für den Technologieriesen und für Südkorea ist nicht zu unterschätzen. Samsung Electronics generiert rund ein Fünftel der Exporte der zehntgrößten Industrienation der Welt und die Gruppen-Unternehmen repräsentieren fast ein Drittel der Marktkapitalisierung des südkoreanischen Aktienindexes Kospi. In diesem Jahr könnte Samsung Electronics erstmals mehr Einnahmen erzielen als der bisherige Halbleiter-Marktführer Intel. Zu dem Konglomerat gleichen Namens gehören rund 60 Unternehmen, die Milliarden-Geschäfte mit Versicherungen, Bauten, Kreditkarten, Biopharmazeutika, Hotels, Freizeitparks und Mode machen.
Die Samsung-Unternehmen einschließlich des Elektronik-Flaggschiffs werden von professionellen Managern geleitet, die zu den besten des Landes gehören. Für das operative Tagesgeschäft brauchen sie Lee nicht. Aber in der konfuzianisch geprägten Unternehmenskultur der koreanischen Konglomerate haben nur die familiären Eigner die Autorität, ein langfristiges Zukunftsbild zu entwerfen und die strategischen Entscheidungen etwa für große Investitionen zu treffen.
So geht der Wandel von Samsung Electronics von einem Hersteller billiger elektronischer Geräte zum globalen Technologieführer bei Speicherchips und Smartphones auf eine Vision von Gründersohn Lee Kun-hee zurück, der Manager und Ingenieure über Jahrzehnte unerbittlich zu Höchstleistungen trieb.
Nach dessen schweren Herzinfarkt vor mehr als drei Jahren wurde sein einziger Sohn zur einigenden Figur an der Spitze des Elektronikkonzerns. Lee verantwortete auch den Umbau des gewaltigen Konglomerats. Die Gruppe soll überschaubarer strukturiert werden und in neue Geschäftsfelder wie die Biomedizin vorstoßen.
Die hierarchische Atmosphäre im Unternehmen versuchte Lee aufzulockern. Eine längere Abwesenheit von ihm droht diese umfassende Modernisierung zu stoppen oder zumindest kräftig zu bremsen. Dies gilt als mittelfristige Gefahr für das Unternehmen, da China derzeit Milliarden von Dollar in den Aufbau einer eigenen Massenproduktion von Speicherchips und Lithium-Ionen-Akkus pumpt. Zugleich müsste der Hardware-Produzent Samsung seine Defizite im Software-Bereich verringern, wie sich jetzt bei der verzögerten Einführung eines eigenen Sprachassistenten für Smartphones wieder zeigte.
Zwar steuert Samsung Electronics in diesem Jahr auf einen neuen Rekord bei Gewinn und Umsatz zu. Auch die Aktien kletterten ohne Lee an der Spitze auf ein neues Höchst. Denn ein Superzyklus im Chipbereich infolge Cloud Computing und künstlicher Intelligenz sowie die Umstellung in der Bildschirmtechnologie von Flüssigkeitskristallen auf organische Leuchtdioden treiben die Erträge.
Auch das Debakel mit dem brennbaren Akkus des Phablets Galaxy Note 7 im Herbst vergangenen Jahres hinterlässt in den Geschäftszahlen keine Spuren mehr. Der Nachfolger Galaxy Note 8 wurde bei seiner Vorstellung in dieser Woche gut aufgenommen.
Aber seit der Verhaftung von Lee im Frühjahr hat Samsung keine einzige größere Übernahme getätigt, nachdem im Vorjahr zahlreiche Unternehmen geschluckt wurden, darunter der US-Autozulieferer Harman International für 8 Milliarden Dollar. Ebenso liegen seitdem die persönlichen Kontakte, die Lee zu wichtigen Kunden wie Apple-Chef Tim Cook hielt, auf Eis.
Nach südkoreanischen Presseinformationen hat der Samsung-Verwaltungsrat bisher keinen Plan B diskutiert für den Fall, dass Lee tatsächlich längere Zeit hinter Gittern bleiben muss. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, ist eine vorzeitige Freilassung nach südkoreanischem Recht erst nach Verbüßen eines Drittels der Strafe möglich. Dies wäre unter Einberechnung der Untersuchungshaft der Herbst 2018. Eine schnelle Begnadigung wie bei seinem Vater, der zwei Mal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, ist unter dem linksliberalen Präsidenten Moon Jae-in, der die Macht der Konglomerate beschneiden will, kaum denkbar.
Als einziger Sohn der bisherigen Samsung-Chefs lässt sich der 49-Jährige jedoch nicht leicht ersetzen. Seine beiden Schwestern haben keine Erfahrung mit Elektronik und Smartphones. Einige Anleger spekulieren jedoch auf eine neue Rolle für die ältere Schwester Lee Bu-jin. Die 46-Jährige besitzt als reichste Frau Südkoreas 5,5 Prozent der De-Facto-Dachgesellschaft der Gruppe, Samsung C&T, und berät das Unternehmen auch.
Als Chefin des Hotel- und Duty-Free-Geschäfts von Samsung hat sie ihre unternehmerischen Fähigkeiten bewiesen: Umsatz und Börsenwert haben sich in sieben Jahren mehr als verdoppelt. Aber ihr Eintritt in den Vorstand von Samsung Electronics wäre wohl nur möglich, wenn ihr inhaftierter Bruder dieser Beförderung zustimmt. ENDE