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United Internet kauft DrillischHochzeit aus purer Not

Das Interesse war schon länger da, am Ende konnte United-Internet-Chef Dommermuth nicht länger mit der Übernahme warten. Die Gefahr war groß, dass andere Web-Konzerne den Mobilfunk-Discounter Drillisch wegschnappen.KOMMENTAR von Jürgen Berke 12.05.2017 - 13:00 Uhr
Ralph Dommermuth konnte nicht länger mit dem Drillisch-Kauf warten. Foto: dpa
Sollte die Übernahme von Drillisch durch United Internet klappen, könnte eine vierte große Kraft auf dem Internet- und Mobilfunkmarkt entstehen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig auch höhere Preise fürs Telefonieren und Surfen.

Wer Ralph Dommermuth schon länger kennt, der weiß, dass der Gründer und Vorstandsvorsitzende von United Internet vor allem eines hasst: Abhängigkeit. Das gilt vor allem für die mobilen und festen Infrastrukturen, die United Internet für den Verkauf ihrer Produkte benötigt. Die Netzbetreiber gegeneinander ausspielen und mit seiner Vertriebsmaschine die besten Einkaufskonditionen herauszuholen – auf dieser Klaviatur spielt Dommermuth so perfekt wie kein anderer deutscher Internet-Unternehmer.

Zuletzt klappte das nicht mehr so virtuos. Trotz mehrerer Anläufe wollten Dommermuths langjährige Mobilfunk-Partner Vodafone und Telefónica keine weitergehenden Zugriffsrechte und Kapazitäten auf ihre neuen superschnellen LTE-Mobilfunknetze einräumen. Da sitzt Dommermuth in einem Boot mit dem Web-Riesen Amazon, der ebenfalls als virtueller Mobilfunkbetreiber auf dem deutschen Mobilfunkmarkt durchstarten will und mit diesem Projekt nicht mit offenen Armen von den Mobilfunkbetreibern empfangen wird.

Zur Not muss man halt die Braut heiraten, die solch eine Mitgift besitzt: den Mobilfunk-Discounter Drillisch. Das Unternehmen hat alles, was Dommermuth braucht. Bis 2030 besitzt Drillisch alle vertraglichen Garantien, um bis zu 30 Prozent aller Netzkapazitäten von Telefónica nutzen zu können. Dieser Vertrag gilt auch für die noch zu bauenden Mobilfunknetze der fünften Generation (5G) und war Teil der Zugeständnisse, die die Wettbewerbshüter in Brüssel vor der Freigabe der Fusion zwischen Telefónica und E-Plus im Herbst 2014 durchsetzten.

Breitband-Internet

Leistungsfähige Breitbandnetze für schnelles Internet seien eine „unbedingte Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum“, schreibt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Bis 2018 will die Bundesregierung alle deutschen Haushalte mit schnellem Datenfluss versorgen – 50 Megabit pro Sekunde sollen für jeden Bundesbürger drin sein.

Der „State of the Internet Report“ des Technologie-Unternehmens Akamai zeigt jedoch: Bisher spielt Deutschland nicht gerade in der ersten Liga, was die Schnelligkeit des Internet anbelangt.

Foto: dpa

Platz 25: Deutschland

Deutschland landet mit einer durchschnittlichen Downloadrate von 14,6 Mbit/s noch knapp unter den 25 Ländern mit dem schnellsten Internet. Während das Internet in den Städten ordentliche Geschwindigkeiten vorweisen kann, tropft es in vielen ländlichen Gebieten mit nicht einmal zwei Megabit aus der Leitung. In einer zweiten Statistik hat Akamai erfasst, wie viele der Anschlüsse es über die Marke von recht lahmen 4 Mbit/s schaffen – hier liegt Deutschland mit nur 89 Prozent der Anschlüsse auf Rang 33.

Anmerkung: Die Datenübertragungsrate wird in Megabit pro Sekunde (Mbit/s) gemessen. Ein Megabit entspricht einer Million Bit.

Foto: dpa

Platz 10: Niederlande

Unsere niederländischen Nachbarn surfen deutlich schneller: Akamai weißt für die Niederlande 17,6 Megabit pro Sekunde aus.

Foto: dpa

Platz 9: Japan

Japan ist hochtechnisiert und verfügt über schnelles Internet mit 19,6 Mbit/s. Doch das Wachstum hat sich verlangsamt, andere Länder sind vorbei gezogen: Vor wenigen Jahren lag Japan in diesem Ranking noch auf Rang 3.

Foto: AP

Platz 8: Singapur

In Singapur ist vieles möglich, wenn die Herrscher es wollen. In Sachen Internetgeschwindigkeit hat die Boom-Metropole stark ausgebaut und kommt jetzt auf 20,2 Mbit/s – 45 Prozent schneller als im Vorjahr.

Foto: dpa

Platz 7: Finnland

Die finnische Bevölkerung surft im Durchschnitt mit einer Downloadrate von 20,6 Megabit pro Sekunde.

Foto: dpa

Platz 6: Dänemark

Flächenmäßig kleine Länder haben es beim Ausbau der Netz-Infrastruktur leichter. Vor wenigen Jahren war Dänemark noch nicht einmal unter den besten zehn Ländern – jetzt haben sich unsere nördlichen Nachbarn mit 20,7 Mbit/s in den Top Ten festgesetzt.

Foto: dpa

Platz 5: Schweiz

Unter die Top 5 der Länder mit dem schnellsten Internet hat es die Schweiz geschafft: Die durchschnittliche Downloadrate beträgt 21,2 Megabit in der Sekunde.

Foto: dpa

Platz 4: Hong Kong

Hong Kong verfehlt eine Podest-Platzierung knapp. In der Sonderverwaltungszone Chinas kann man mit durchschnittlich 21,9 Megabit pro Sekunde surfen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Geschwindigkeit des Internet in Hong Kong um 31 Prozent erhöht.

Foto: dpa

Platz 3: Schweden

Schweden hat sich über die Jahre bis auf das Podium vorgearbeitet: Akamai weist für das skandinavische Königreich eine Geschwindigkeit von 22,8 Mbit/s aus.

Foto: dpa

.Platz 2: Norwegen

Wie gut die Skandinavier insgesamt in Sachen Internetgeschwindigkeit aufgestellt sind, zeigt nach den guten Platzierungen von Finnland, Dänemark und Schweden auch der zweite Platz von Norwegen. Dort liegt die durchschnittliche Downloadrate bei 23,6 Megabit pro Sekunde.

Foto: dpa

Platz 1: Südkorea

Südkorea führt mit einer Datenrate von 26,1 Megabit pro Sekunde die Liste der Länder mit dem schnellsten Internet an. Das ist ein deutlicher Vorsprung zu Norwegen. Doch es gibt für Südkorea auch Schatten in der Statistik: Im Vergleich zum Vorjahr ist das Internet um 2,4 Prozent langsamer geworden – damit hat Südkorea als einziges Land in den Top Ten kein Tempo hinzugewonnen.

Foto: dpa

Auch Dommermuth hatte 2014 mit harten Bandagen um diesen Vertrag gekämpft – und gegen Drillisch verloren. Es war einer der bittersten Niederlagen in Dommermuths steiler Karriere auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt. Mit der Übernahme von Drillisch kommt er jetzt – drei Jahre später - doch noch zum Ziel.

Das Gute ist: Wenn nicht Dommermuth den Heiratsantrag gestellt hätte, hätte es jemand anders – vielleicht sogar Amazon – getan. So bleibt das Unternehmen auch in der neuen Konstellation unter deutscher Kontrolle. Und Dommermuth kommt seinem Ziel, eine Miniatur-Ausgabe der Deutsche Telekom aufzubauen, ein großes Stück näher. Mit Kai-Uwe Ricke als Aufsichtsrat und René Obermann als Investor arbeiten bereits zwei ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom an seiner Seite.

Zahlen und Fakten zum Mobilfunk-Markt
Im vergangenen Jahr wurden rund 1,5 Milliarden Smartphones verkauft. Das war ein Wachstum von zwei bis fünf Prozent im Vergleich zu 2015 - die Berechnungen einzelner IT-Marktforscher weichen etwas voneinander ab.
Noch im Jahr davor war der Absatz um mehr als zehn Prozent gewachsen. Als zentrale Auslöser für die Abkühlung gelten die wirtschaftlichen Turbulenzen im größten Smartphone-Markt China sowie anderen Ländern wie Russland.
Samsung blieb auf das gesamte Jahr gerechnet der größte Smartphone-Anbieter mit einem Marktanteil von gut 20 Prozent, Apple ist die Nummer zwei mit knapp 15 Prozent.
Im Weihnachtsgeschäft wurden die Apple-Verkäufe aber vom iPhone 7 beflügelt und bei Samsung schlug das Batterie-Debakel beim Galaxy Note 7 auf den Absatz. Im Ergebnis schob sich Apple in dem Quartal mit 78,3 Millionen verkauften iPhones knapp an Samsung vorbei.
Anbieter aus China haben sich - vor allem dank der Größe des heimischen Marktes - weltweit in die Spitzengruppe vor. Die drei Hersteller Huawei, Oppo und BBK schließen nach Samsung und Apple die globale Top 5 ab und kamen zusammen auf gut 20 Prozent Marktanteil.
Bei den Smartphone-Betriebssystemen dominiert Googles Android-Software mit einem Marktanteil über 80 Prozent. Den Rest füllt weitgehend das iOS von Apples iPhones aus. Andere Betriebssysteme wie Windows Phone oder Blackberry OS sind inzwischen praktisch bei Null angekommen. Dabei wurde mit ihnen einst die Hoffnungen verbunden, dass sie zur starken Nummer drei im Markt werden könnten.
Im vergangenen Jahr gab es nach Berechnungen von Experten weltweit rund 7,4 Milliarden Mobilfunk-Anschlüsse. Zum Jahr 2020 dürfte ihre Zahl auf knapp 8,4 Milliarden ansteigen, prognostiziert der IT-Marktforscher Gartner.

Die schlechte Nachricht ist: Neue Preiskämpfe auf dem deutschen Mobilfunkmarkt wird es wohl nicht geben. Die Entwicklung sei schwer vorherzusagen, sagte Dommermuth in einer Telefonkonferenz. Aber er erwarte „keine weiter sinkenden Preise“. Nur zwölf Euro zahlen Drillisch-Kunden durchschnittlich derzeit pro Monat. Aus Sicht von United Internet lässt sich deutlich mehr Umsatz aus den über drei Millionen Kunden herausholen.

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