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Vodafone/Unitymedia Vollbremsung bei Tempo 300

Mit einem merkwürdigen Deal will Vodafone die Übernahme von Unitymedia retten. Quelle: dpa

Mit einem merkwürdigen Deal will Vodafone die Übernahme von Unitymedia retten. Vor allem die Telekom müsste mit Umsatzausfällen rechnen.

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Der Angst der Wettbewerbshüter ist groß. Genau ein Jahr ist es her, dass Vodafone die Übernahme des TV-Kabelnetzbetreibers Unitymedia ankündigte. 18,4 Milliarden Euro will der britische Mobilfunkriese an den bisherigen Eigner Liberty Global überweisen, um einen starken, bundesweiten Konkurrenten zur Deutschen Telekom aufzubauen. 25 Millionen Haushalte sollen bis 2022 superschnelle Internetanschlüsse mit einer Geschwindigkeit von mindestens einem Gigabit pro Sekunde bekommen.

Doch nur beim ersten Hinhören klingt dieser Übernahmeplan gut. Immer wieder deuteten die Wettbewerbshüter in Brüssel und Bonn in den vergangenen Monaten an, dass dadurch ein Duopol aus Telekom und Vodafone entsteht, das alle anderen Anbieter an die Wand drückt. Die Brüsseler EU-Kommission will deshalb den Milliardendeal nicht genehmigen.

Ein Grund für Vodafone, jetzt eine PR-Offensive mit einem neuen Maßnahmenpaket zu starten, das alle Wettbewerbshüter zufriedenstellen soll. „Unser Maßnahmenpaket hebt den Wettbewerb in Deutschland auf eine ganz neue Stufe“, frohlockt Vodafones Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter. Er lässt sich sogar zu der Aussage hinreißen, das jetzt alles gut wird – „für die Verbraucher, für den Wettbewerb und die Fernsehsender“. Doch ist das wirklich so? Zweifel sind angebracht.

Gut ist, dass Vodafone sein künftig bundesweites TV-Kabelnetz für Wettbewerber öffnen will. Weniger gut ist der offenbar exklusive Vorvertrag, den Vodafone heute mit dem Konkurrenten Telefónica abgeschlossen hat. Offiziell heißt es zwar, dass der neue Großhandelspartner Telefónica schnelle Internet-Anschlüsse an 23,7 Millionen Haushalte verkaufen kann.

Doch in der Praxis ist die Zahl deutlich niedriger. Denn Vodafone bremst Telefónica absichtlich aus. Der Vertrag sieht eine Geschwindigkeitsbremse von maximal 300 Megabit pro Sekunde vor. Damit können über sechs Millionen Haushalte, die bei großen Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften wohnen, nicht in den Genuss der Kabel-TV-Anschlüsse von Telefónica kommen. Keine Wohnungsgesellschaft wird ihre Mieter mit einem Rahmenvertrag gängeln, der höhere Geschwindigkeiten als 300 Megabit pro Sekunde auf absehbare Zeit nicht anbieten kann. Bei den Ausschreibungen braucht Telefónica deshalb gar nicht erst anzutreten. Ein ernstzunehmender Wettbewerber zu Vodafone kann so nicht entstehen.

Das eigentliche Ziel von Vodafone ist, den Erzrivalen Deutsche Telekom zu schwächen. Auch diese Komponente hat Vodafone in sein Maßnahmepaket eingebaut. Mit jedem Kunden, der trotz der Geschwindigkeitsbremse von 300 Megabit pro Sekunde zu Telefónica wechselt, geht vor allem der Telekom Umsatz verloren. Im vergangenen Geschäftsjahr verzeichnete der Weiterverkauf von VDSL-Breitbandanschlüssen an Großabnehmer wie Telefónica die höchsten Zuwächse. Der Umsatz stieg 2018 um 24,8 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Fällt Telefónica als Großkunde aus, wird der Boom in diesem Geschäftsbereich ein jähes Ende finden.

Der Telekom fehlt damit eine wichtige Einnahmequelle, um die Milliardeninvestitionen für die Verlängerung der bereits existierenden Glasfasernetze bis in jedes Haus zu refinanzieren. „Durch Vodafones Maßnahmenpaket wird kein einziger zusätzlicher Breitbandanschluss gebaut“, kritisiert die Telekom den Vodafone-Deal mit Telefónica. Dem eigentlich in Deutschland so dringend benötigten Ausbau superschneller Glasfasernetze werde dadurch ein Bärendienst erwiesen. Sollte die Vodafone-Kooperation mit Telefónica ausreichen, um die Bedenken der Brüsseler Wettbewerbshüter auszuräumen, dann sei die Gefahr groß, dass der Wettbewerb zwischen den drei größten Anbietern Telekom, Vodafone und Telefónica auch weiterhin nur auf alten Kupfer- und TV-Kabelleitungen stattfinde.

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