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Mischkonzern Sistema Ron Sommers russisches Comeback

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Tochterfirmen Sistema

„MTS war damals schon ein beispielhaftes Unternehmen, der Abgang der Telekom hat für Stirnrunzeln gesorgt“, räumt Sommer heute ein. Er habe sich dem Druck der Aktionäre beugen müssen, die auf der Reduzierung der Schulden bestanden. Also traf er selbst die Entscheidung, die Beteiligung von 41 auf 25 Prozent zu reduzieren. „Warum die Telekom schließlich komplett raus ist, habe ich nie verstanden.“ Nach dem Ausstieg der Telekom hat sich die Zahl der Kunden bis heute mehr als verdoppelt, MTS ist zur Cashcow des Sistema-Konzerns geworden.

Strippenzieher im Konzern

Für Sommer persönlich war die MTS-Beteiligung der Deutschen Telekom ein Glücksfall. So lernte er 1993 den ein Jahr älteren Chemiker Wladimir Jewtuschenkow kennen, dessen Schwester zwei Jahre zuvor den mächtigen Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow geheiratet hatte. In dessen Windschatten schmiedete Jewtuschenkow die Sistema-Gruppe, einen der mächtigsten Konzerne des Landes. Den Oligarchen, dessen Privatvermögen die Zeitschrift „Finans“ auf 6,5 Milliarden Dollar schätzt, bezeichnet Sommer heute als Freund. Er war es, der den Telekom-Chef nach dem Rücktritt in den Sistema-Aufsichtsrat holte und im vergangenen Jahr zum Vizepräsidenten machte.

Als Chef des Mobilfunks und Vertrauter des Eigentümers ist Sommer einer der wichtigsten Strippenzieher im Konzern. Mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes stammt aus seiner Sparte. Er unterstützt die expansive Strategie der Holding, die Zukaufsabsichten im Westen einschließt. „Wladimir Jewtuschenkow interessiert sich sehr für Deutschland“, sagt er, bittet aber im gleichen Atemzug, nicht falsch verstanden zu werden: Konkrete Kaufabsichten hege der Konzern nicht. Sistema sei aufgeschlossen gegenüber deutsch-russischen Gemeinschaftsprojekten quer durch alle Geschäftsbereiche.

Reflexe des kalten Krieges

Deutlicher wird Sommer, wenn es ums Grundsätzliche geht. „Ich habe den Eindruck, dass viele deutsche Manager und Politiker die Reflexe des Kalten Kriegs immer noch nicht abgelegt haben“, tönt er und bricht wie Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) eine Lanze für intensivere deutsch-russische Zusammenarbeit: „Die russischen Unternehmen stellen sich globaler auf. Dabei würde ich es gerne sehen, wenn Russland ein fester Bestandteil Europas würde statt Teil einer Triade mit China und Indien.“ Sein Chef Jewtuschenkow sehe das ähnlich, sagt Sommer, „sonst wäre ich nicht hier“.

Doch die Nähe Jewtuschenkows zu Deutschland wurde in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Probe gestellt. 2006 wollte er dem Bund die Telekom-Anteile abkaufen und den deutschen Konzern wieder an MTS beteiligen. „Ich fand, das war ein sehr charmantes Konzept“, urteilt Sommer. Als bekannt wurde, dass Telekom-Manager an Abwehrplänen arbeiteten, zog sich Jewtuschenkow irritiert zurück.

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