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Arbeitgeber-Image Wie Mittelständler Talente in die Provinz locken

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Prothesen aus Duderstadt

Es war dieses eine Foto, das Sathis Nageswaran vor zwei Jahren bei einem Besuch in London faszinierte: Ein ehemaliger Studienkollege hatte es auf Facebook gepostet. Zu sehen: der Freund, Arm in Arm mit einem Athleten, aufgenommen während der Paralympics, die damals in der britischen Hauptstadt stattfanden.

Was Nageswaran sofort auffiel: die futuristische Beinprothese des Sportlers. „Ich war total beeindruckt“, sagt der 27-jährige Grafikdesigner, der bis vor einem Jahr selbst noch im deutschen Leistungskader Karate trainiert hatte. „Die Prothesen geben den Menschen ihre Beweglichkeit zurück und somit auch ihr Selbstvertrauen.“

Die 10 schlechtesten Arbeitgeber für Praktikanten
Platz 10: Salzgitter AGDer Stahlproduzent aus der gleichnamigen Stadt in Niedersachen macht den Anfang in diesem Negativ-Ranking. Die befragten Praktikanten wählen ihn auf Platz 10. Quelle: dpa
Platz 9: Stadtwerke MünchenMünchen gilt als attraktive Stadt, auch die Infrastruktur ist dafür verantwortlich. Der öffentliche Personennahverkehr trägt dazu bei. Das Mutterunternehmen der Münchner Verkehrsgesellschaft ist für Praktikanten allerdings wenig attraktiv. Quelle: Presse
Platz 8: BoschBosch gehört überraschenderweise auch zu den Praktikanten-Schrecks. Der Automobilzulieferer entspricht damit nicht dem Trend, die Branche schneidet bei den Praktikanten insgesamt gut ab. Quelle: dpa
Platz 7: BMWAls einziges Unternehmen aus der Automobilbranche platziert sich BMW auf Rang sieben. Die Automobilindustrie schneidet bei den Praktikanten insgesamt wesentlich besser ab. Quelle: dpa
Platz 6: ServiceplanEine der größten Werbeagenturen Europas, die Serviceplan Gruppe für innovative Kommunkation ist unter Praktikanten nicht allzu beliebt. Quelle: Presse
Platz 5: Capgemini ConsultingDie größte Unternehmensberatung europäischen Ursprungs ist für Praktikanten keine gute Adresse. Auch der massive deutsche Hauptsitz am Potsdamer Platz in Berlin kann darüber nicht hinwegtäuschen. Quelle: Presse
Platz 4: AXA"Die Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital eines Unternehmens", sagt der Versicherer aus Köln. Doch bei der Bewertung durch die befragten Praktikanten schneidet das Unternehmen trotzdem nicht gut ab. Quelle: dpa

Zu Hause in Hamburg beginnt Nageswaran, sich über Behindertensport zu informieren. Und stößt dabei schnell auf den Ausrüster der Spiele: Otto Bock, weltweiter Marktführer für Prothesen – aus Duderstadt. „Otto wer? Duder was?“, beschreibt Nageswaran seine erste Reaktion. „Duderstadt war für mich eigentlich keine Option.“

Da er aber sowieso auf Jobsuche ist, schickt er eine Initiativbewerbung an die Zentrale des Unternehmens in dem 22.000-Seelen-Städtchen rund 30 Kilometer östlich von Göttingen. Er wird zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen – und kehrt mit einem Vertrag in der Tasche zurück. „Mir war schon in der futuristischen Eingangshalle klar“, sagt Nageswaran, „dass ich ein Ottobocker werden will.“

Solche Geschichten hört Sönke Rössing oft. „Viele Bewerber werden erst durch unser Engagement bei den Paralympischen Spielen auf uns aufmerksam“, sagt der Leiter für Strategie und Personal in Duderstadt. Der Medizintechnikhersteller sponsert die Spiele seit 1988.

Medienwirksamer Wettkampf

Was als privates Engagement von vier Otto-Bock-Technikern begann, die den Athleten umsonst ihre Reparaturdienste anboten, gipfelte 2012 in dem medienwirksamsten Wettkampf im Behindertensport. 6000 Journalisten waren für die Berichterstattung vor Ort, und fast 2,5 Millionen Zuschauer verfolgten das Spektakel. Ausrüster Otto Bock war mit 13 Werkstätten und 80 Technikern vertreten – und ständig im TV präsent.

„Das gestiegene Interesse an den Paralympics macht nicht nur unsere Marke wertvoller, es bringt auch neue Mitarbeiter“, sagt Christin Gunkel, Marketingchefin des Unternehmens. Denn mittlerweile ist das Unternehmen nicht mehr nur für Medizintechniker oder Sportfans ein attraktiver Arbeitgeber. „Die Zahl der Initiativbewerbungen nimmt seit fünf Jahren stetig zu“, sagt Personalchef Rössing. „Gerade die Generation Y sucht nach einer Tätigkeit, die auch einen Sinn hat – und da passen wir mit unseren Produkten natürlich gut rein.“

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Hirschvogel in Denklingen

Zwei Kirchen, zwei Sportplätze, ein Schützenverein – das war es: Hier, im beschaulichen Denklingen, rund 80 Kilometer südwestlich von München, hat der Automobilzulieferer Hirschvogel seinen Sitz. Das Unternehmen wächst kontinuierlich – der Umsatz verfünffachte sich annähernd in den Jahren 2001 bis 2013 auf 811 Millionen Euro.

Wachstum, das sich auch im Personalbedarf spiegelt: Pro Jahr sucht der Mittelständler alleine für seine Zentrale rund 200 neue Mitarbeiter. „Wir sitzen hier zwar nicht in der Münchner City, aber hier in der Region genießen wir einen guten Ruf“, sagt Annika Völlmecke, Leiterin Recruiting und Personalmarketing des Unternehmens.

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